Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Gedächtniskirche der Protestation in Speyer ist eines der eindrucksvollsten protestantischen Kirchenbauwerke der Neugotik in Deutschland. Errichtet wurde sie zwischen 1893 und 1904 als Denkmal zur Erinnerung an die Protestation von 1529, die auf dem Reichstag in Speyer stattfand und dem Protestantismus seinen Namen gab.
Schon von außen wirkt die Kirche wie ein Statement aus Stein: Der Turm erreicht fast 100 Meter Höhe und überragt damit die Gebäude der Stadt – sogar den Dom. Im Inneren prägt vor allem das Licht die Atmosphäre: 36 farbige Glasfenster bilden ein geschlossenes Bildprogramm, das biblische Themen mit Reformations- und Erinnerungsgeschichte verbindet.
Für Pilger und Kulturinteressierte ist die Gedächtniskirche nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern ein Ort, an dem sich Glauben, Geschichte und Kunst auf besondere Weise begegnen – und der sich (auch fotografisch) immer wieder neu erschließt.
Historischer Hintergrund
Die Protestation von 1529 in Speyer
Der historische Hintergrund der Gedächtniskirche ist die sogenannte Protestation von Speyer im Jahr 1529. Auf dem zweiten Reichstag zu Speyer widersprachen mehrere evangelische Fürsten und Reichsstädte einem Mehrheitsbeschluss, der die weitere Ausbreitung der Reformation einschränken sollte. Sie beriefen sich dabei in Glaubensfragen auf ihr Gewissen und die Heilige Schrift.
Dieser formelle Widerspruch, die protestatio, gab dem später verwendeten Begriff Protestantismus seinen Namen. Speyer wurde damit zu einem bedeutenden Ort der Reformationsgeschichte.
Die Gedächtniskirche selbst stammt jedoch nicht aus der Reformationszeit. Sie wurde erst Jahrhunderte später als Erinnerungsbau an die Ereignisse des Reichstags von 1529 errichtet.
Die Idee eines protestantischen Erinnerungsbaus im 19. Jahrhundert
Erst im 19. Jahrhundert entstand der konkrete Wunsch, der Protestation von 1529 ein eigenes Denkmal in Speyer zu widmen. In dieser Zeit gewannen sowohl die Erinnerung an die Reformation als auch das konfessionelle Selbstverständnis der evangelischen Gemeinden zunehmend an Bedeutung.
Im protestantischen Umfeld der Pfalz entwickelte sich daraus die Idee einer Kirche, die dauerhaft an die Ereignisse des Reichstags von 1529 erinnern sollte. Gleichzeitig sollte sie den evangelischen Gemeinden als gemeinsamer religiöser Mittelpunkt dienen.
Von Anfang an war deshalb keine gewöhnliche Pfarrkirche vorgesehen. Die Gedächtniskirche wurde als repräsentativer Erinnerungsbau geplant, der die Geschichte der Protestation mit der Funktion eines Gotteshauses verbinden sollte. Ihre Architektur und Ausstattung wurden entsprechend stark auf diesen historischen Bezug ausgerichtet.
Der Retscherverein und die ersten Baupläne
Bereits 1856 entstand in Speyer die Idee, zur Erinnerung an die Protestation von 1529 eine eigene Kirche zu errichten. Im folgenden Jahr wurde mit Genehmigung des bayerischen Königs Maximilian II. ein Bauverein gegründet, der zunächst den Namen Retscherverein trug.
Ursprünglich sollte die Kirche in der Nähe des sogenannten Retscher-Hofes neben der Dreifaltigkeitskirche entstehen. Damals nahm man an, dass an dieser Stelle der Reichstag von 1529 und die Protestation stattgefunden hätten. Der Verein begann deshalb bereits 1857 mit Spendenaufrufen für den geplanten Erinnerungsbau.
Später stellte sich heraus, dass die Protestation nicht im Retscher-Hof stattgefunden hatte. Dadurch entfiel die Bindung an den zunächst vorgesehenen Standort in der Altstadt. 1882 wurde der Verein in „Verein zur Erbauung der Gedächtniskirche der Protestation von 1529“ umbenannt. Im folgenden Jahr fiel die Entscheidung für den heutigen Bauplatz, der eine freistehende Errichtung der Kirche ermöglichte.
Standortwahl und symbolische Ausrichtung
Die Gedächtniskirche wurde südwestlich der historischen Altstadt von Speyer errichtet. Damit entstand der Neubau außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns und in deutlichem räumlichen Abstand zum Dom.
Besonders auffällig ist der hohe Kirchturm, der mit einer Höhe von knapp 100 Metern das Stadtbild bis heute prägt. Die monumentalen Dimensionen der Kirche entsprachen dem Anspruch, für die Erinnerung an die Protestation von 1529 einen weithin sichtbaren Bau zu schaffen.
In einer Stadt, deren Silhouette seit Jahrhunderten wesentlich durch den Dom bestimmt wurde, setzte die Gedächtniskirche damit gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen neuen architektonischen Akzent. Ihre Lage und Größe unterstreichen den besonderen Charakter des Gebäudes als Gotteshaus und Erinnerungsbau der protestantischen Reformationsgeschichte.
Baugeschichte der Gedächtniskirche
Planungsphase und Wettbewerb
Die konkreten Planungen für die Gedächtniskirche nahmen gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gestalt an. Von Beginn an sollte ein repräsentativer Kirchenbau entstehen, der an die Protestation von 1529 erinnerte und zugleich als Gotteshaus der evangelischen Gemeinden dienen konnte.
Für die Gestaltung der Kirche wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Der schließlich ausgewählte Entwurf sah einen Bau im Stil der Neugotik vor. Mit ihren hohen Gewölben, Spitzbögen, Maßwerkfenstern und der starken Betonung der Vertikalen griff diese Architektur bewusst auf Formen der mittelalterlichen Gotik zurück.
Der neugotische Stil prägte damit nicht nur das äußere Erscheinungsbild der Gedächtniskirche, sondern bestimmte auch die Gestaltung ihres Innenraums und zahlreicher Ausstattungsstücke.
Die Architekten Julius Flügge und Carl Nordmann
Aus dem Architektenwettbewerb ging 1884 der Entwurf der Essener Architekten Julius Flügge und Carl Nordmann als Sieger hervor. Nach ihren Plänen wurde die Gedächtniskirche später als monumentale neugotische Hallenkirche ausgeführt.
Flügge und Nordmann griffen dabei auf die Formen der mittelalterlichen Gotik zurück. Spitzbögen, Maßwerk, hohe Fenster und die starke Betonung der Vertikalen bestimmen sowohl den Außenbau als auch den Innenraum. Besonders der fast 100 Meter hohe Turm verleiht der Kirche ihre weithin sichtbare Silhouette.
Der neugotische Stil wurde konsequent bis in die Ausstattung fortgeführt. Architektur, Glasfenster und zahlreiche Ausstattungsstücke entstanden dadurch als weitgehend geschlossenes Ensemble der Bauzeit.
Finanzierung und Stifter
Die Errichtung der Gedächtniskirche wurde zu einem großen Teil durch Spenden aus protestantischen Kreisen finanziert. Bereits der 1857 gegründete Bauverein war auf Zuwendungen angewiesen, doch die Sammlung der erforderlichen Mittel zog sich über Jahrzehnte hin.
Als die Finanzierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts weiterhin nicht vollständig gesichert war, wandte sich der Bauverein an Kaiser Wilhelm II. Das preußische Königshaus entwickelte sich anschließend zu einem wichtigen Förderer des Projekts. Auch Kaiserin Auguste Viktoria unterstützte die Kirche; das Kaiserpaar stiftete unter anderem die großen Glasfenster im Chor.
Unter den Förderern befanden sich darüber hinaus zahlreiche private Stifter aus Deutschland und dem Ausland. Der deutsch-amerikanische Unternehmer Heinrich Hilgard gehörte zu den bedeutenden Unterstützern des Bauvorhabens. Auch aus den Vereinigten Staaten kamen mehrere größere Stiftungen für einzelne Bestandteile der Ausstattung.
So stiftete der amerikanische Unternehmer John Pierpont Morgan die Kanzel, während weitere Förderer einzelne Bauteile, Fenster und Ausstattungsstücke finanzierten. Die Namen und Wappen zahlreicher Stifter sind bis heute an verschiedenen Stellen der Kirche erhalten.
Grundsteinlegung, Bauzeit und Einweihung
Die Grundsteinlegung der Gedächtniskirche fand am 24. August 1893 statt. In den folgenden elf Jahren entstand nach den Plänen der Architekten Julius Flügge und Carl Nordmann der monumentale neugotische Kirchenbau.
Die Finanzierung beruhte zu einem großen Teil auf Spenden aus protestantischen Kreisen. Auch das deutsche Kaiserhaus unterstützte das Vorhaben; Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria gehörten zu den Förderern der Kirche.
Am 31. August 1904 wurde die Gedächtniskirche feierlich eingeweiht. Sie diente fortan nicht nur als evangelisches Gotteshaus, sondern vor allem als Erinnerungsort an die Protestation von Speyer im Jahr 1529. Dieser historische Bezug prägt bis heute ihren Namen und große Teile ihrer künstlerischen Ausstattung.
Mit der Einweihung war der eigentliche Kirchenbau abgeschlossen. Einzelne Bestandteile der Ausstattung wurden jedoch noch in den folgenden Jahren ergänzt.
Erhaltung und Sanierungen im 20. und 21. Jahrhundert
Die Gedächtniskirche überstand sowohl den Ersten als auch den Zweiten Weltkrieg ohne Zerstörung. Dadurch blieben nicht nur große Teile der ursprünglichen neugotischen Ausstattung, sondern auch die bedeutenden Glasfenster aus der Entstehungszeit der Kirche erhalten.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts machten jedoch Alterung und Witterung wiederholt umfangreiche Instandsetzungsarbeiten notwendig. Zwischen 1961 und 1969 wurde das Kirchenschiff saniert, wobei unter anderem die Natursteinflächen gereinigt und geschädigte Steine ausgetauscht wurden. Von 1973 bis 1977 folgten entsprechende Arbeiten am Turm.
Nachdem in den 1990er Jahren erneut erhebliche Schäden am Sandstein festgestellt worden waren, begann eine umfassende Sanierung der Gedächtniskirche. Zwischen 1999 und 2009 wurden unter anderem der Turm, die Gedächtnishalle, das Querhaus, das Langhaus und der Ostabschluss abschnittsweise restauriert.
Die weitgehend erhaltene Ausstattung aus der Bauzeit macht die Gedächtniskirche heute zu einem besonders geschlossenen Beispiel neugotischer Kirchenarchitektur und -kunst.
Architektur des Außenbaus
Gesamtanlage und Grundform
Die Gedächtniskirche wurde als dreischiffige neugotische Hallenkirche mit Querhaus errichtet. Ihr Grundriss folgt der Form eines lateinischen Kreuzes. Anders als viele mittelalterliche Kirchen ist der Bau nicht exakt geostet; seine Hauptachse verläuft von Nordwest nach Südost.
Der Außenbau besteht aus hellem Sandstein und orientiert sich in seiner Formensprache an der französischen Kathedralgotik des 13. Jahrhunderts. Hohe Maßwerkfenster, kräftige Strebepfeiler und zahlreiche Fialen gliedern die Fassaden und betonen die Vertikale des Bauwerks.
Den stärksten Akzent setzt der an der Nordwestseite gelegene, 100 Meter hohe Turm. Mit seinem durchbrochenen Maßwerkhelm prägt er die Silhouette der Kirche und ist bis heute der höchste Kirchturm der Pfalz.
Der Turm – Wahrzeichen der Kirche
Das auffälligste Element der Gedächtniskirche ist der an der Nordwestseite gelegene Turm. Mit einer Höhe von genau 100 Metern ist er der höchste Kirchturm der Pfalz und bereits aus großer Entfernung sichtbar.
Der Turm besitzt einen sechsseitigen Grundriss und gliedert sich in vier Geschosse. Bekrönt wird er von einem hohen, durchbrochenen Maßwerkhelm, der die für die Neugotik typische Betonung der Vertikalen noch verstärkt. Maßwerköffnungen und zahlreiche steinerne Zierelemente setzen sich bis in die oberen Bereiche fort.
Im Erdgeschoss befindet sich die Vorhalle der Gedächtniskirche. Sie bildet zugleich den Zugang zum Kirchenraum und beherbergt die Statuen Martin Luthers sowie der an die Protestation von 1529 erinnernden Fürsten.
Fassadengestaltung
Die Fassaden der Gedächtniskirche bestehen aus grauem Vogesensandstein, der sowohl am Außenbau als auch im Inneren sichtbar belassen wurde. Der Naturstein prägt dadurch wesentlich das Erscheinungsbild des gesamten Bauwerks.
Die einzelnen Abschnitte des Außenbaus werden durch kräftige, mit Fialen bekrönte Strebepfeiler voneinander getrennt. Hohe und schmale Maßwerkfenster bestimmen die oberen Fassadenbereiche, während die Querhausfassaden zusätzlich durch große Rosenfenster hervorgehoben werden.
Die neugotische Gestaltung zeigt einen reichen Bestand an architektonischem Schmuck. Dazu gehören unter anderem Wimperge, Krabben, Kreuzblumen, Maßwerke und Galerien, deren Formen sich an der französischen Kathedralgotik des 13. Jahrhunderts orientieren.
Durch diese konsequent ausgeführte neugotische Formensprache entsteht ein weitgehend einheitliches Erscheinungsbild, das sich vom Sockelbereich bis zu den oberen Partien von Turm und Fassaden fortsetzt.
Portale und Eingangsbereiche
Der Haupteingang der Gedächtniskirche befindet sich an der Nordwestseite im Erdgeschoss des Turms. Durch die neugotisch gestalteten Portalöffnungen gelangt man zunächst in die Vorhalle, die bereits einen wesentlichen Teil des historischen Erinnerungsprogramms der Kirche bildet.
Im Zentrum der Vorhalle steht die große Statue Martin Luthers. Umgeben wird sie von den Standbildern der sechs Fürsten, die sich 1529 an der Protestation von Speyer beteiligten. Der Eingangsbereich führt damit unmittelbar in das zentrale historische Thema der Gedächtniskirche ein.
Auch an den beiden Querhausfassaden befinden sich Eingänge. Jeweils drei Portalöffnungen liegen dort unterhalb der Emporen und sind in die neugotische Fassadengliederung eingebunden.
Strebepfeiler und Dachlandschaft
Die einzelnen Abschnitte des Außenbaus werden durch Strebepfeiler mit Fialenbekrönung voneinander getrennt. Sie übernehmen nicht nur eine konstruktive Funktion, sondern prägen zugleich die vertikale Gliederung der Fassaden.
Auch die Dachlandschaft folgt der regelmäßigen Gliederung des Bauwerks. Entsprechend den Gewölbejochen im Inneren besitzen die einzelnen Travéen eigene Walmdächer. Dadurch wird die Unterteilung des Kirchenraums auch am Außenbau sichtbar.
Gemeinsam mit den hohen Maßwerkfenstern, den Strebepfeilern und dem Turm entsteht so die charakteristische neugotische Silhouette der Gedächtniskirche.
Wirkung im Stadtraum
Durch ihre Lage außerhalb des dicht bebauten historischen Stadtkerns nimmt die Gedächtniskirche im Speyerer Stadtbild eine besondere Stellung ein. Das weitgehend freistehende Gebäude ist aus verschiedenen Richtungen sichtbar, wobei vor allem der 100 Meter hohe Turm als weithin erkennbare Landmarke hervortritt.
Die freie Lage ermöglicht zugleich eine weitgehend ungehinderte Wahrnehmung der neugotischen Fassaden und der stark gegliederten Silhouette des Bauwerks.
Mit ihrer monumentalen Architektur setzte die Gedächtniskirche gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen neuen Akzent im Stadtbild des bis dahin vor allem vom Speyerer Dom geprägten Speyer. Als protestantischer Erinnerungsbau trat sie dabei bewusst neben den mittelalterlichen Dom und machte die evangelische Geschichte der Stadt auch architektonisch sichtbar.
Die Gedächtnishalle in der Turmvorhalle
Im Erdgeschoss des Turms befindet sich die Gedächtnishalle, die unmittelbar an die Protestation von Speyer im Jahr 1529 erinnert. Im Mittelpunkt steht eine überlebensgroße Bronzestatue Martin Luthers. Um sie herum sind die Standbilder der sechs Fürsten angeordnet, die sich auf dem Reichstag von 1529 der Protestation anschlossen.
Auch die vierzehn freien Reichsstädte, die den Protest unterstützten, sind in das Erinnerungsprogramm einbezogen. Ihre Wappen befinden sich im oberen Bereich der Vorhalle. Damit werden sowohl die beteiligten Fürsten als auch die Reichsstädte bereits am Eingang der Kirche sichtbar in Erinnerung gerufen.
Die Vorhalle verbindet dadurch den Zugang zum eigentlichen Kirchenraum unmittelbar mit dem historischen Anlass für den Bau der Gedächtniskirche.
Innenraum
Raumwirkung und Aufbau
Der Innenraum der Gedächtniskirche wird vor allem durch seine große Höhe, die schlanken Pfeiler und die weit nach oben geführten Gewölbe geprägt. Als dreischiffige Hallenkirche besitzt sie drei annähernd gleich hohe Schiffe, wodurch sich ein weiter und vergleichsweise einheitlicher Raumeindruck ergibt.
Hohe Maßwerkfenster lassen viel Tageslicht in den Kirchenraum. Besonders die zahlreichen farbigen Glasfenster bestimmen dabei die Lichtwirkung und setzen im gesamten Innenraum farbige Akzente.
Die neugotische Architektur setzt sich im Inneren konsequent fort. Pfeiler, Spitzbögen, Gewölbe und Maßwerk bilden gemeinsam mit der weitgehend erhaltenen Ausstattung ein geschlossenes Gesamtbild aus der Entstehungszeit der Kirche.
Gliederung des Kirchenschiffs
Der Innenraum der Gedächtniskirche ist als dreischiffige Hallenkirche angelegt. Das Mittelschiff wird von zwei Seitenschiffen begleitet, die annähernd die gleiche Höhe erreichen. Dadurch unterscheidet sich der Raum deutlich vom Aufbau einer Basilika mit wesentlich niedrigeren Seitenschiffen.
Kräftige Pfeiler gliedern das Langhaus und tragen die spitzbogigen Arkaden sowie die darüberliegenden Gewölbe. Die regelmäßige Abfolge der Pfeiler und Joche strukturiert den Kirchenraum und führt in Richtung des Chores.
Die neugotische Architektur bleibt dabei klar ablesbar. Spitzbögen, Pfeiler, Gewölberippen und die hohen Fenster bestimmen den Raumeindruck, ohne dass die Gliederung des Kirchenschiffs durch eine Vielzahl zusätzlicher Bauelemente verdeckt wird.
Die Emporen
Ein charakteristisches Merkmal des Innenraums sind die weitläufigen Emporen, die sich um nahezu den gesamten Kirchenraum ziehen. Sie begleiten sowohl das Langhaus als auch die Querhausarme. Lediglich der Vorchor und die polygonale Apsis bleiben ohne Emporen.
Die Emporen gliedern die Wände in zwei deutlich voneinander getrennte Zonen. Unterhalb befinden sich kleinere Fenster und die Zugänge, während darüber die hohen Maßwerkfenster den oberen Bereich des Kirchenraums bestimmen.
Durch ihre weitreichende Anordnung vergrößern die Emporen zugleich das Platzangebot der Kirche und gehören fest zur ursprünglichen Raumkonzeption der Gedächtniskirche.
Gewölbe und Konstruktion
Der Innenraum der Gedächtniskirche ist vollständig kreuzrippengewölbt. Die Gewölbehöhe beträgt im Mittelschiff rund 22,50 Meter, in den Seitenschiffen etwa 20 Meter und in der Vierung rund 24,50 Meter.
Die Gewölberippen bestehen ebenso wie Pfeiler, Gewände und Maßwerke aus sichtbar belassenem Vogesensandstein. Die eigentlichen Gewölbeflächen wurden dagegen aus leichterem Tuffstein ausgeführt. Auf eine farbige Ausmalung des Innenraums wurde verzichtet, sodass die natürliche Wirkung der verwendeten Steinmaterialien erhalten blieb.
Durch die regelmäßig angeordneten Gewölbejoche wird das Langhaus deutlich gegliedert. Im Bereich der Vierung erreicht das Gewölbe seine größte Höhe und hebt damit den Schnittpunkt von Lang- und Querhaus zusätzlich hervor.
Licht und Glasfenster
Die zahlreichen großformatigen Glasfenster gehören zu den prägendsten Elementen des Innenraums der Gedächtniskirche. Sie befinden sich im Lang- und Querhaus sowie im Chor und bestimmen durch ihre intensive Farbigkeit wesentlich die Lichtwirkung des Kirchenraums.
Das einfallende Tageslicht verändert je nach Tageszeit und Sonneneinstrahlung die Wirkung der Glasmalereien und ihrer Farben. Gleichzeitig bleiben Pfeiler, Gewölberippen und die übrigen Architekturteile aus Naturstein deutlich sichtbar.
Die Fenster sind jedoch nicht nur Bestandteil der Raumgestaltung. Ihre umfangreichen figürlichen Darstellungen greifen zahlreiche biblische, reformationsgeschichtliche und protestantische Themen auf und gehören damit selbst zu den wichtigsten Ausstattungsstücken der Kirche.
Querhaus und Vierung
Das Querhaus durchschneidet das Langhaus und bildet gemeinsam mit ihm den kreuzförmigen Grundriss der Gedächtniskirche. An seinen beiden Enden öffnen sich große Fensterflächen, die zusätzliches Licht in den Innenraum bringen.
Am Schnittpunkt von Lang- und Querhaus liegt die Vierung. Mit einer Gewölbehöhe von rund 24,50 Metern bildet sie den höchsten Bereich des Kirchenraums.
Von hier aus öffnen sich die Blickachsen in das Langhaus, die beiden Querhausarme und in Richtung Chor. Dadurch wird die räumliche Gliederung der Kirche an dieser Stelle besonders deutlich.
Chorraum
Der Chor der Gedächtniskirche schließt sich südöstlich an die Vierung an. Er besteht aus einem Vorchor und einer polygonalen Apsis, die aus fünf Seiten eines Zehnecks gebildet wird. Anders als große Teile des Lang- und Querhauses wird dieser Bereich nicht von Emporen begleitet.
Hohe, dreibahnige Maßwerkfenster bestimmen die Wände des Chorpolygons und sorgen für eine starke Belichtung dieses Bereichs. Im Zentrum befindet sich der Altar, auf den sich der Chor räumlich ausrichtet.
Trotz seiner hervorgehobenen Lage bildet der Chor jedoch nicht den alleinigen Mittelpunkt des Kirchenraums. Für die als evangelische Predigtkirche konzipierte Gedächtniskirche besitzt auch die Kanzel am östlichen Vierungspfeiler eine zentrale Stellung.
Ausstattung der Kirche
Die Ausstattung der Gedächtniskirche entstand überwiegend im Zusammenhang mit dem Bau der Kirche und folgt konsequent ihrer neugotischen Gestaltung. Altar, Kanzel, Skulpturen, Emporen und Glasfenster wurden auf die Architektur des Kirchenraums abgestimmt und bilden bis heute ein weitgehend geschlossenes Ensemble.
Eine besondere Stellung nehmen die zahlreichen historischen Glasfenster ein, deren Darstellungen sowohl biblische Themen als auch Ereignisse und Persönlichkeiten der Reformationsgeschichte aufgreifen.
Daneben gehören der Altar, die Kanzel sowie weitere steinerne und hölzerne Ausstattungsstücke zum ursprünglichen Gestaltungskonzept der Kirche. Sie werden in den folgenden Abschnitten einzeln betrachtet.
Glasfenster – ein prägender Bestandteil des Innenraums
Die zahlreichen Glasfenster gehören zu den wichtigsten Ausstattungsstücken der Gedächtniskirche. Ihre farbigen Darstellungen prägen die Lichtwirkung des Innenraums und greifen sowohl biblische Themen als auch Personen und Ereignisse der Reformationsgeschichte auf.
Die Fenster verteilen sich über Chor, Langhaus, Querhaus und Gedächtnishalle und bilden einen umfangreichen Bestand historischer Glasmalerei. Mehrere Fenster sind zu zusammenhängenden Bildzyklen angeordnet und greifen sowohl biblische als auch reformationsgeschichtliche Themen auf.
Aufgrund ihres außergewöhnlichen Umfangs werden die Glasfenster in einer eigenen Dokumentation ausführlich vorgestellt.
Liturgische Ausstattung
Zur liturgischen Ausstattung der Gedächtniskirche gehören insbesondere Altar und Kanzel, die bereits im Zusammenhang mit der ursprünglichen Gestaltung des Kirchenraums entstanden. Beide sind in neugotischen Formen ausgeführt und fügen sich damit in die Architektur und die übrige Ausstattung der Kirche ein.
Der Altar bildet den Mittelpunkt des Chorraums, während die Kanzel an einem Pfeiler im Bereich der Vierung angeordnet ist. Durch diese Platzierung erhalten sowohl Abendmahl als auch Predigt einen deutlich sichtbaren Ort innerhalb des Kirchenraums.
Altar und Kanzel werden in den folgenden Abschnitten näher beschrieben.
Der Altar
Der Altar der Gedächtniskirche wurde zunächst als schlichter, tischförmiger Altar ausgeführt. Gefertigt wurde er von der Stuttgarter Steinmetzfirma Erfort und Wüst.
Erst 1908, vier Jahre nach der Einweihung der Kirche, erhielt der Altar das heute sichtbare neugotische Retabel. Seine Gestaltung greift Formen mittelalterlicher Altaraufbauten auf und fügt sich damit in die Architektur des Kirchenraums ein.
Im Mittelpunkt steht vor einer goldfarbenen Mosaikfläche die Figur des lehrenden Christus. Die 1908 geschaffene Statue stammt vom Wiesbadener Bildhauer Feihl und wurde nach einer Vorlage des Bildhauers Constantin Dausch ausgeführt.
Der Altar steht im Zentrum des polygonalen Chores. Trotz dieser hervorgehobenen Lage ist die räumliche Ausrichtung der Gedächtniskirche nicht ausschließlich auf ihn konzentriert; auch die Kanzel im Bereich der Vierung besitzt für die evangelische Raumkonzeption eine zentrale Bedeutung.
Die Kanzel
Die Kanzel befindet sich am östlichen Eckpfeiler der Vierung und nimmt dadurch eine zentrale Stellung im Kirchenraum ein. Die Anordnung unterstreicht die Bedeutung der Predigt innerhalb der evangelischen Raumkonzeption der Gedächtniskirche. Die Gesamtkirchengemeinde beschreibt den Innenraum ausdrücklich als auf die Kanzel hin zentriert.
Der Kanzelkorb besteht aus hellem Vogesensandstein und wird durch verschiedenfarbige Marmorsäulen getragen. In ihn sind vier Bronzereliefs eingelassen, die die Geburt, die Taufe, die Kreuzigung und die Auferstehung Christi darstellen.
Über der Kanzel befindet sich ein reich ausgearbeiteter Schalldeckel aus Eichenholz, dessen neugotischer Aufbau an ein mittelalterliches Sakramentshaus erinnert. Auch dieses Ausstattungsstück greift damit die Formensprache der übrigen Kirche auf.
Gestiftet wurde die Kanzel von dem US-amerikanischen Unternehmer John Pierpont Morgan. Seine Stiftung gehört zu den zahlreichen internationalen Spenden, mit denen Bau und Ausstattung der Gedächtniskirche unterstützt wurden.
Das Gestühl
Das Gestühl der Gedächtniskirche besteht aus Eichenholz und gehört zur ursprünglichen Ausstattung des Kirchenraums. Die Wangen der Bänke greifen neugotische Dekorationsformen auf, die sich auch an anderen Teilen des Bauwerks wiederfinden.
Eine Besonderheit sind die Wappen und Namen der Stifter, die in die Bankwangen eingeschnitzt wurden. Die Schnitzarbeiten stammen vom Speyerer Holzbildhauer Otto Martin.
Insgesamt bot das Gestühl ursprünglich rund 1.800 Sitzplätze. Damit war die Gedächtniskirche von Beginn an auf eine große Zahl von Gottesdienstbesuchern ausgelegt.
Die Orgeln
Die Gedächtniskirche besitzt heute zwei Orgeln. Die große Hauptorgel befindet sich auf der Empore an der Nordwestseite des Kirchenraums, während eine kleinere Chororgel hinter dem Altar aufgestellt ist.
Die heutige Hauptorgel wurde 1979/80 von der Orgelbaufirma Detlef Kleuker errichtet. Dabei wurden Teile sowie der Prospekt der Vorgängerorgel von Steinmeyer weiterverwendet. Das Instrument verfügt über 95 Register auf fünf Manualen und Pedal und gehört damit zu den größten Orgeln der Region.
Ergänzt wird sie durch die Chororgel hinter dem Altarretabel. Bereits seit den 1950er Jahren befand sich an dieser Stelle ein kleineres Instrument der Firma Oberlinger. Dieses wurde 2021 durch einen Neubau der Bonner Orgelbaufirma Klais ersetzt.
Die neue Chororgel besitzt 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. Ein Großteil des Pfeifenwerks befindet sich in einem Eichengehäuse hinter dem Altar. Durch ihren Standort ermöglicht die Orgel insbesondere die musikalische Begleitung aus dem Chorraum, während die große Kleuker-Orgel weiterhin auf der Empore genutzt wird.
Das Geläut
Im Turm der Gedächtniskirche befindet sich ein umfangreiches achtstimmiges Bronzegeläut, das 1959 von der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen wurde. Es ersetzte ein älteres Geläut und wurde nach einem neuen klanglichen Konzept zusammengestellt.
Die acht Glocken tragen die Namen bedeutender Persönlichkeiten der Reformationsgeschichte: Martin Luther, Johannes Calvin, Huldrych Zwingli, Gustav Adolf, Philipp Melanchthon, Martin Bucer, Zacharias Ursinus und Johannes Bader. Damit setzt sich das historische Erinnerungsprogramm der Gedächtniskirche auch im Geläut fort.
Die größte Glocke ist die Martin-Luther-Glocke. Sie wiegt rund 7,45 Tonnen und besitzt einen Durchmesser von mehr als 2,3 Metern. Zusammen umfassen die acht Glocken einen Tonumfang von nahezu zwei Oktaven.
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Buen Camino!
Quellenangaben
Amtliche und institutionelle Quellen
Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz – Einträge zur evangelischen Kirche in Speyer
Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) – Gemeindegeschichte und Bauangaben
Stadtarchiv Speyer – Historische Entwicklungen und Bauphasen
Bistums- und Regionalarchive der Pfalz – Vergleichende Bau- und Nutzungsgeschichte
Wissenschaftliche und fachliche Literatur
Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland-Pfalz
Ernst Gall (Hg.): Die Kunstdenkmäler der Pfalz
Veröffentlichungen zur Gotik und Neugotik in der Pfalz
Fachaufsätze zur protestantischen Sakralarchitektur des 19. Jahrhunderts
Online-Fachquellen
Wikipedia: Evangelische Kirche Speyer (zur Grundorientierung, geprüft und abgeglichen)
Regionale Geschichtsportale zur Stadt Speyer
Veröffentlichungen zur Baugeschichte protestantischer Kirchen in Südwestdeutschland
Bild- und Geländedokumentation
Eigene fotografische Aufnahmen vor Ort
Detailaufnahmen der Architektur, des Innenraums und der Ausstattung
Dokumentation aus verschiedenen Licht- und Blickwinkeln zur besseren Einordnung
Hinweis zur Arbeitsweise
Diese Dokumentation wurde auf Grundlage mehrerer unabhängiger Quellen erstellt.
Historische Angaben wurden gegenseitig abgeglichen, architektonische Beschreibungen anhand des Bauwerks vor Ort überprüft.
Wo Unsicherheiten bestehen, wurden diese bewusst kenntlich gemacht oder nicht weiter ausgeführt.
