Landau – Katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz (ehemaliges Augustinerkloster)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz in Landau in der Pfalz zählt zu den geschichtsträchtigsten Sakralbauten der Stadt. Ursprünglich als Kirche eines Augustinerklosters errichtet, reicht ihre Geschichte bis in das späte 13. Jahrhundert zurück. Die heutige dreischiffige gotische Basilika entstand im frühen 15. Jahrhundert an der Stelle einer älteren Bettelordenskirche der Augustiner-Eremiten.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte das Bauwerk religiöse Blütezeiten, politische Umbrüche, Profanierung während der Französischen Revolution, kriegsbedingte Zerstörungen und mehrere tiefgreifende Umgestaltungen. Heute dient die Kirche wieder als Pfarrkirche und bildet einen wichtigen geistlichen Ort entlang des Pfälzer Jakobswegs. Besonders bemerkenswert sind die im 20. Jahrhundert wiederentdeckten mittelalterlichen Fresken, darunter eine Darstellung des heiligen Jakobus, die einen Pilger krönt – ein Motiv, das in besonderer Weise mit der Tradition des Jakobswegs verbunden ist.

Geschichte der Kirche Heilig Kreuz

Die Anfänge des Augustinerklosters (13.–14. Jahrhundert)

Die Ursprünge der heutigen Kirche Heilig Kreuz reichen in das ausgehende 13. Jahrhundert zurück. Eine erste urkundliche Erwähnung der Augustiner-Eremiten in Landau findet sich im Jahr 1299. Das Kloster lag damals noch außerhalb der Stadtmauern auf der sogenannten „Fröschau“. Als wahrscheinliches Gründungsjahr der Klostergemeinschaft gilt das Jahr 1303.

Die Augustiner-Eremiten gehörten zu den Bettelorden, deren Lebensweise von Armut, Predigt und Seelsorge geprägt war. Ihre Kirchenbauten zeichneten sich in der Regel durch eine schlichte Architektur ohne aufwendige Schmuckelemente aus. Auch in Landau entstand zunächst eine einfache Ordenskirche, die den Bedürfnissen der klösterlichen Gemeinschaft entsprach.

Zur Unterscheidung von den ebenfalls in Landau tätigen Augustiner-Chorherren wurden die Mitglieder des Klosters ab 1304 als sogenannte „Steigerherren“ bezeichnet. Der erste namentlich bekannte Prior des Klosters war Pater Cuonradus, der im Jahr 1345 erwähnt wird.

Über das genaue Aussehen der frühen Klosteranlage ist nur wenig überliefert. Da während der Französischen Revolution zahlreiche Dokumente verloren gingen, sind viele Details der Gründungszeit nicht mehr rekonstruierbar. Dennoch lässt sich feststellen, dass das Kloster bereits im 14. Jahrhundert ein fester Bestandteil des religiösen Lebens in Landau war.

Neubau der gotischen Basilika im 15. Jahrhundert

Im frühen 15. Jahrhundert wurde an der Stelle der älteren Ordenskirche eine neue, deutlich repräsentativere Anlage errichtet. Die heutige Kirche Heilig Kreuz entstand als dreischiffige gotische Basilika mit angeschlossenem Kreuzgang. Sie ersetzte die wohl baufällig gewordene ursprüngliche Bettelordenskirche der Augustiner-Eremiten.

Wie bei vielen Klosterkirchen dieser Zeit ist anzunehmen, dass zunächst der Chor errichtet wurde, bevor das Langhaus folgte. Der Bau orientierte sich an den architektonischen Prinzipien der Gotik: klare vertikale Linienführung, hohe Fensteröffnungen und ein insgesamt lichtdurchfluteter Innenraum. Dennoch blieb die Gestaltung im Sinne des Bettelordens vergleichsweise schlicht. Auf aufwendige Schmuckelemente oder monumentale Türme wurde verzichtet. Stattdessen begnügte man sich mit einem einfachen Dachreiter und einer einzelnen Glocke.

Der angeschlossene Kreuzgang bildete das geistliche Zentrum des klösterlichen Lebens. Hier vollzog sich der tägliche Rhythmus aus Gebet, Studium und gemeinschaftlichem Austausch. Die Anlage war somit nicht nur Gotteshaus, sondern zugleich Wohn- und Lebensraum der Ordensgemeinschaft.

Über die genaue Bauzeit existieren keine vollständigen Dokumente, da während der Französischen Revolution zahlreiche Urkunden verloren gingen. Dennoch lässt sich festhalten, dass mit dem Neubau im 15. Jahrhundert eine baulich prägende Phase begann, die das Erscheinungsbild der Kirche bis heute bestimmt.

Auflösung des Klosters und Profanierung während der Französischen Revolution

Mit dem Einzug der Französischen Revolution in die Pfalz endete die jahrhundertelange Geschichte des Augustinerklosters in Landau abrupt. Zwischen 1789 und 1799 wurden kirchliche Einrichtungen systematisch aufgelöst, Klöster enteignet und Ordensgemeinschaften vertrieben. Auch die Augustiner-Eremiten mussten ihr Kloster verlassen.

Der letzte Prior der Landauer Gemeinschaft war Pater Fulgentius Pfister, der dem Konvent von 1791 bis 1794 vorstand. Mit der Auflösung des Klosters wurde die Kirche profaniert und ihrer liturgischen Bestimmung entzogen. Zahlreiche Dokumente und historische Unterlagen gingen in dieser Zeit verloren, weshalb viele Details der älteren Geschichte heute nicht mehr rekonstruierbar sind.

Die ehemalige Klosterkirche blieb in den folgenden Jahrzehnten nicht ungenutzt. Sie diente zunächst als Lagerraum, später auch als Konzert- und Theatersaal. Rund ein Jahrhundert lang war das Gotteshaus somit weltlichen Zwecken gewidmet, ehe es im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt wurde.

Rückkehr zur katholischen Pfarrkirche im 19. Jahrhundert

Nach rund hundert Jahren weltlicher Nutzung erhielt die ehemalige Augustinerkirche im Jahr 1893 ihre sakrale Bestimmung zurück. Hintergrund war die Auflösung des sogenannten Simultaneums in der Landauer Stiftskirche. Bis dahin hatten sich Katholiken und Protestanten dieses Gotteshaus geteilt. Mit der endgültigen Regelung der Besitzverhältnisse fiel die Stiftskirche den Protestanten zu, während die Katholiken eine neue Hauptkirche benötigten.

Die ehemalige Augustinerkirche wurde daraufhin wieder als katholisches Gotteshaus eingerichtet und diente fortan als Pfarrkirche für die katholische Bevölkerung Landaus. Bei der Übernahme konnten zahlreiche liturgische Ausstattungsstücke aus der Stiftskirche in die Heilig-Kreuz-Kirche übertragen werden. Dazu zählten unter anderem der Taufstein, eine große Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel sowie die Darstellung des heiligen Sebastian. Auch die Statue der gekrönten Gottesmutter fand hier ihren neuen Platz.

Im Zuge der Wiedereinrichtung erfolgte eine umfassende Renovierung der Kirche im neugotischen Stil. Die hölzernen Seitengalerien auf Pfeilern wurden entfernt, stattdessen errichtete man eine neue Orgelempore. Die Ausmalung orientierte sich am Geschmack der Zeit und verlieh dem mittelalterlichen Bau ein neugotisch geprägtes Erscheinungsbild.

Mit der Fertigstellung der neuen Marienkirche im Jahr 1911 verlor Heilig Kreuz jedoch vorübergehend wieder ihre Funktion als zentrale katholische Stadtkirche. Die Kirche diente zunächst als Garnisonskirche für das bayerische Militär und wurde nach dem Ersten Weltkrieg von 1918 bis 1930 von Angehörigen der französischen Besatzung genutzt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Neugestaltung nach 1945

Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch an der Kirche Heilig Kreuz tiefe Spuren. Am 16. März 1945 trafen drei Bomben den Chorbereich der Kirche. Der östliche Teil des Bauwerks stürzte ein. Besonders tragisch war, dass sich im damaligen Kellerraum unter der heutigen Sakristei 38 Menschen befanden, die bei dem Angriff ums Leben kamen.

Inmitten der Trümmer lag das große Missionskreuz nahezu unversehrt. Auch der Tabernakel konnte geborgen werden, und die konsekrierten Hostien wurden aus den Ruinen gerettet. Diese Ereignisse prägten sich tief in das Gedächtnis der Gemeinde ein und gehören bis heute zur Geschichte der Pfarrei.

Der zerstörte Chor musste nach dem Krieg vollständig neu gestaltet werden. Dabei wurde nicht einfach der mittelalterliche Zustand rekonstruiert, sondern eine zeitgemäße Lösung gefunden. Die drei neuen Chorfenster wurden von dem Münchner Künstler Rabold geschaffen. Sie prägen bis heute den östlichen Abschluss des Kirchenraumes. An den Wänden wurden zudem eigens geschnitzte Reliefdarstellungen eines Kreuzwegs angebracht.

Die baulichen Veränderungen nach 1945 ermöglichten es außerdem, nördlich des Chores eine neue Sakristei einzubauen. In den Jahren 1962 bis 1964 erfolgte eine weitere Umgestaltung des Innenraumes. Eine Betonempore wurde eingebaut, und der Chorraum wurde im Sinne neuer liturgischer Anforderungen angepasst.

Ein besonderer Glücksfall war die Entdeckung mittelalterlicher Fresken im Jahr 1964. Zum Vorschein kamen unter anderem Darstellungen der „Krönung Mariens“ und der „Beweinung Christi“. Von besonderer Bedeutung ist zudem das Fresko des heiligen Jakobus, der einen Pilger krönt – ein Motiv, das die Verbindung der Kirche zur Tradition des Jakobsweges eindrucksvoll unterstreicht.

Neuere Entwicklungen: Pfarreigründung, Brand von 1999 und Restaurierungen

Obwohl die Kirche Heilig Kreuz auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblickt, ist die heutige Pfarrei vergleichsweise jung. Mit Urkunde vom 9. April 1940 rief der damalige Bischof von Speyer, Dr. Ludwig Sebastian, eine neue Pfarrei auf dem Boden der Stadt Landau ins Leben. Zunächst wurde sie als „Expositur“ geführt, was den vorläufigen Charakter der Neugründung zum Ausdruck brachte.

Neben pastoralen Gründen spielte auch die politische Situation eine Rolle. In Kriegszeiten bot die Ernennung eines Kaplans zum Gemeindepfarrer Schutz vor der Einberufung zur Wehrmacht. Alois Unold, zuvor Kaplan der Pfarrei St. Maria, übernahm als erster „Expositus“ die Leitung der neuen Gemeinde. Das Pfarrgebiet orientierte sich zunächst am Verlauf der Oberlandbahn, die Landau mit Neustadt verband. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gebietsgrenze nochmals angepasst. Im Jahr 1948 wurde die Expositur schließlich offiziell zur Pfarrei erhoben.

Eine weitere einschneidende Zäsur erlebte die Kirche im Januar 1999. Am 12. Januar führte ein Schwelbrand der Weihnachtskrippe zu einer starken Verrußung des gesamten Innenraumes. In der Folge mussten umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dabei wurden nicht nur Wände und Ausstattung gereinigt und neu gefasst, sondern auch liturgische Elemente erneuert. Ein neuer Altar, ein neuer Ambo, neue Sedilien sowie eine neue Bestuhlung des Chorraums wurden eingebaut. Auch die Heizung, der Fußboden und Teile der Orgelempore wurden erneuert.

Bereits in den 1980er Jahren war am Ort des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Ostflügels des Klosters ein Pfarrheim errichtet worden. Zudem wurde der Kreuzgang restauriert und in seiner historischen Substanz gesichert. So verbindet die heutige Anlage mittelalterliche Architektur, Nachkriegsmoderne und zeitgenössische Gemeindestruktur zu einem vielschichtigen Ensemble.

Architektur und Baugestalt

Die Kirche Heilig Kreuz präsentiert sich heute als dreischiffige gotische Basilika mit angeschlossenem Kreuzgang. Der Bau entstand im frühen 15. Jahrhundert an der Stelle einer älteren Bettelordenskirche der Augustiner-Eremiten. In ihrer Grundstruktur entspricht sie dem Typus der klösterlichen Ordenskirche eines Bettelordens.

Charakteristisch für diese Bauform ist die klare Gliederung des Innenraums in Mittelschiff und zwei Seitenschiffe. Auf repräsentative Turmbauten oder aufwendig gestaltete Fassadenelemente wurde verzichtet. Stattdessen verfügte die Kirche ursprünglich lediglich über ein einfaches Dachreiter-Türmchen mit einer Glocke – ein Hinweis auf die schlichte Bauweise, die für Bettelorden typisch war.

Der angeschlossene Kreuzgang war integraler Bestandteil der Klosteranlage. Er verband Kirche und Konventsgebäude und bildete den zentralen Ort des gemeinschaftlichen Lebens der Augustiner-Eremiten. Von der ursprünglichen Klosteranlage sind heute nur noch Teile erhalten; der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Ostflügel wurde im 20. Jahrhundert nicht wieder als Klosterbau, sondern durch ein Pfarrheim ersetzt.

Der Chorbereich der Kirche wurde nach seiner Zerstörung im Jahr 1945 neu gestaltet. Damit weist das Bauwerk heute eine Mischung aus mittelalterlicher Bausubstanz und moderner Nachkriegsarchitektur auf. Auch spätere Restaurierungen – insbesondere in den 1960er Jahren und nach dem Brand von 1999 – haben das heutige Erscheinungsbild mitgeprägt.

Trotz dieser Veränderungen ist der gotische Grundcharakter der Kirche weiterhin deutlich erkennbar.

Innenraum und Ausstattung

Der Innenraum der Kirche Heilig Kreuz vereint mittelalterliche Bausubstanz, Ausstattungsstücke aus dem 19. Jahrhundert sowie Elemente der Nachkriegszeit und jüngerer Restaurierungen. Durch die Zerstörung des Chores im Jahr 1945 und die anschließenden Umgestaltungen entstand ein vielschichtiges Gesamtbild, das verschiedene Epochen miteinander verbindet.

🔹 Mittelalterliche Fresken

Ein besonderer kunsthistorischer Wert liegt in den 1964 freigelegten Fresken. Bei Restaurierungsarbeiten wurden Wandmalereien entdeckt, die lange Zeit übertüncht gewesen waren. Zu den erhaltenen Darstellungen zählen die „Krönung Mariens“ sowie die „Beweinung Christi“.

Von besonderer Bedeutung im Zusammenhang mit dem Pfälzer Jakobsweg ist das Fresko des heiligen Jakobus. Es zeigt den Apostel, wie er einen Pilger krönt. Diese Darstellung verweist unmittelbar auf die Santiago-Tradition und verleiht der Kirche eine direkte ikonographische Verbindung zur Geschichte des Jakobsweges. Innerhalb der Ausstattung nimmt dieses Motiv daher eine hervorgehobene Stellung ein.

🔹 Chorraum und Fenster

Nach der Zerstörung des ursprünglichen Chores im Jahr 1945 wurde dieser neu gestaltet. Die drei Chorfenster stammen von dem Münchner Künstler Rabold. Sie prägen heute maßgeblich den östlichen Abschluss des Kirchenraumes.

Im Zuge späterer Renovierungsmaßnahmen – insbesondere nach dem Brand von 1999 – wurden auch Fenster im Kirchenschiff neu gestaltet beziehungsweise überarbeitet. Dadurch verbindet der Innenraum historische und moderne Gestaltungselemente.

🔹 Übernommene Ausstattungsstücke aus der Stiftskirche

Mit der Rückkehr zur katholischen Nutzung im Jahr 1893 gelangten mehrere Ausstattungsstücke aus der Stiftskirche in die Kirche Heilig Kreuz. Dazu zählen unter anderem der Taufstein sowie bedeutende Bildwerke wie die Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel und die Figur des heiligen Sebastian. Auch die Statue der gekrönten Gottesmutter wurde in die neue Pfarrkirche übernommen.

Diese Übertragungen dokumentieren nicht nur einen historischen Einschnitt in der Landauer Kirchengeschichte, sondern prägen bis heute die Ausstattung der Kirche.

🔹 Kreuzweg und liturgische Neugestaltung

Im Zuge der Neugestaltung nach 1945 wurden an den Wänden geschnitzte Reliefdarstellungen eines Kreuzwegs angebracht. Darüber hinaus erfolgten in den 1960er Jahren sowie nach dem Brand von 1999 weitere liturgische Anpassungen. Der Chorraum wurde entsprechend den jeweils aktuellen liturgischen Anforderungen umgestaltet, wobei unter anderem ein neuer Altar und ein neuer Ambo eingebaut wurden.

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Quellenangaben

https://www.st-augustinus-landau.de/pfarrei/gemeinden/landau-heilig-kreuz/

https://www.suedlicheweinstrasse.de/default-title-2/infosystem/Kath-Pfarrkirche-Heilig-Kreuz-Augustinerkirche/infosystem.html#

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