Lamarche – Chapelle d’Aureil-Maison (Vosges) | Chapel of Aureil-Maison

Chapelle d’Aureil-Maison bei Lamarche – romanische Kapelle aus dem 12. Jahrhundert in den Vogesen
Lamarche – Chapelle d’Aureil-Maison (Vosges)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Im kleinen Weiler Aureil-Maison, nur wenige Schritte von Lamarche entfernt, hat sich eine bemerkenswerte romanische Kapelle erhalten.
Die Chapelle d’Aureil-Maison, der Jungfrau Maria geweiht, gehört zu jenen stillen Bauwerken, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, bei näherer Betrachtung jedoch ein eindrucksvolles Zeugnis frühmittelalterlicher Kirchenarchitektur in Lothringen darstellen.

Trotz ihrer geringen Größe bewahrt die Kapelle wesentliche Bauteile aus dem 12. Jahrhundert und vermittelt bis heute ein authentisches Bild ländlicher Sakralarchitektur dieser Epoche.

Frühgeschichte und erste Erwähnungen

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung der Kapelle stammt aus dem Jahr 1043.
In diesem Zusammenhang bestätigte Brunon de Dabo, Bischof von Toul (1026–1051), die Gründung des Priorats von Deuilly. Aus den überlieferten Quellen geht hervor, dass dieses kleine Kloster zu jener Zeit die Hälfte der Kirche von Aureil-Maison besaß (mediatatem ecclesiae de Aurelii mansionibus).

Über das damalige Erscheinungsbild des Gotteshauses ist nur wenig bekannt. Vermutlich handelte es sich um einen bescheidenen Vorgängerbau, möglicherweise noch aus Holz, wie es für ländliche Sakralbauten des frühen 11. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich war.

Romanischer Neubau im 12. Jahrhundert

Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgte ein grundlegender Neubau der Kapelle im romanischen Stil.
Die Bauarbeiten begannen mit dem Chor, der bis heute den ältesten erhaltenen Teil des Gebäudes darstellt und um 1150 datiert werden kann. In einem zweiten Schritt wurde die Nave errichtet, vermutlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts.

Im Jahr 1188 bestätigte Bischof Pierre de Brixey von Toul (1168–1191), dass die Kapelle weiterhin dem Priorat von Deuilly unterstand. Der Prior besaß das Recht, den Pfarrer der zugehörigen Pfarrei zu ernennen.
Diese Besitzverhältnisse wurden 1195 erneut durch Papst Cölestin III. offiziell bestätigt.

Spätere Veränderungen und bauliche Entwicklung

Nach dem 12. Jahrhundert sind nur wenige Nachrichten zur Geschichte der Kapelle überliefert. Auffällig ist jedoch, dass das Bauwerk kaum tiefgreifende Veränderungen erfuhr.

Zu einem nicht genau datierbaren Zeitpunkt kam es vermutlich zum Einsturz des romanischen Glockenturms, der sich ursprünglich über dem Vorchor befand. Der Turm wurde nicht wieder aufgebaut. Stattdessen erhielten Nave und Vorchor ein gemeinsames Dach, was das heutige Erscheinungsbild wesentlich prägt.

Da die Kapelle nun ohne Glockenturm war, ließ die Gemeinde im 19. Jahrhundert einen kleinen hölzernen Dachreiter über dem westlichen Eingangsportal errichten.

Am 3. März 1926 wurde die Chapelle d’Aureil-Maison schließlich in das ergänzende Verzeichnis der Monuments historiques aufgenommen.

Architektur – Außenbau

Von der kleinen Esplanade aus bietet sich ein stimmiger Blick auf die Kapelle. Besonders ins Auge fällt der spät hinzugefügte hölzerne Glockenturm über dem Eingangsportal.

Beim Rundgang um das Gebäude lassen sich an den Nord- und Südwänden jeweils romanische Rundbogenfenster erkennen.
Der Chorabschluss besteht aus einer halbkreisförmigen Apsis, die durch eine schlichte, aber harmonische Bogenarkatur gegliedert ist.

Die Westfassade zeigt ein einfaches romanisches Portal mit Rundbogenarchivolten, die auf Säulen mit ausladenden Kapitellen und lanzettförmigem Blattwerk ruhen.
Als Tympan dient heute ein modernes Glasfenster mit Flechtornamenten, das unter den romanischen Bögen eingesetzt wurde. Ob ursprünglich ein steinernes Tympan existierte, lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Der Kunsthistoriker Hubert Collin äußerte hierzu begründete Zweifel.

Innenraum

Der Innenraum wird von einer einschiffigen, sehr schlichten Nave geprägt. Wie bei vielen romanischen Kirchen Lothringens besitzt sie keine steinernen Gewölbe, sondern eine flache Holzdecke – ein typisches Merkmal einer Übergangszeit, in der sich das Steingewölbe erst allmählich durchsetzte.

Der Blick richtet sich auf den Triumphbogen, der in leicht gebrochener Rundbogenform den Zugang zum Vorchor markiert. Besonders bemerkenswert ist die gedrehte Profilierung der Kämpferzone auf der rechten Seite.

Der Vorchor, einst Träger des romanischen Glockenturms, ist mit einer Kreuzrippenwölbung überdeckt und überrascht durch seine ausgewogene Proportion.
An der Wand befindet sich eine Grabplatte mit Tatzenkreuz aus dem 14. Jahrhundert, die einem Ritter zugeordnet wird. Ursprünglich lag sie im Mittelschiff, wie eine Dokumentation von Georges Durand aus dem frühen 20. Jahrhundert belegt.

Der romanische Chor und die Ausstattung

Der Chor zeigt eine besonders qualitätvolle Arkatur mit fünf Rundbögen, getragen von Säulen mit pflanzlichem Kapitellschmuck und Bandmotiven.

Im Zentrum, über dem Altar, steht auf einem Podest eine Madonna mit Kind aus Holz, datiert in das späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert.
Die Figur der Maria ist gut erhalten; lediglich das Jesuskind, das in der linken Hand eine Apfelfrucht hält, ist beschädigt – der Kopf fehlt.

Diese Skulptur zählt zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken der Kapelle und verleiht dem Chor eine besondere spirituelle Präsenz.

Bedeutung der Chapelle d’Aureil-Maison

Die Chapelle d’Aureil-Maison ist ein seltenes Beispiel für eine weitgehend unveränderte romanische Dorfkapelle in den Vogesen.
Gerade ihre Schlichtheit, die klare Bauform und die erhaltenen romanischen Elemente machen sie zu einem wertvollen Zeugnis frühmittelalterlicher Frömmigkeit und Baukunst in Lothringen.

Chapelle d’Aureil-Maison bei Lamarche
Ein Kreuz direkt vor der Eingangstüre

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Quellenangaben

  1. Französische Fachseite zur Chapelle d’Aureil-Maison (Architektur & Geschichte)

  2. Inventaire supplémentaire des Monuments historiques, Eintrag vom 3. März 1926

  3. Hubert Collin, Studien zur romanischen Kunst in Lothringen

  4. Georges Durand, frühe Bestandsaufnahme der Grabplatte (Anfang 20. Jh.)

  5. Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI verarbeitet

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