Eschbach (Pfalz) – Katholische Pfarrkirche St. Ludwig

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die katholische Pfarrkirche St. Ludwig in Eschbach ist ein klassizistischer Saalbau aus dem Jahr 1832. Sie wurde dem heiligen Ludwig IX., König von Frankreich, geweiht und trägt damit den Namen des damals regierenden bayerischen Königs Ludwig I. Der freistehende Campanile wurde erst 1962 errichtet. Im Inneren sowie im Außenbereich befinden sich bemerkenswerte Rokoko-Heiligenfiguren des 18. Jahrhunderts, darunter eine eindrucksvolle Statue des heiligen Johannes Nepomuk aus dem Jahr 1766.

Historische Entwicklung der Pfarrei Eschbach

Eschbach wird erstmals 1254 in einer Urkunde des Zisterzienserklosters Eußerthal als „Eschibach“ erwähnt. Der Ort war eng mit der Madenburg verbunden und gehörte ab 1516 durch Kauf dem Bischof von Speyer. Dadurch blieb Eschbach während der Reformation katholisch.

Seit 1405 bestand im Ort eine Kapelle. 1495 wurde die Antoniuskapelle zur Pfarrkirche erhoben. Ihr Patron war der heilige Antonius, der als Mönchsvater in Ägypten verehrt wird.

Vor 1800 gehörte die Pfarrei zum Bistum Speyer, von 1801 bis 1817 zum Bistum Straßburg und ab 1817/1821 wieder zum Bistum Speyer.

Mit dem Neubau der heutigen Kirche im Jahr 1832 erhielt die Gemeinde ein neues Patrozinium: St. Ludwig, König von Frankreich.

Architektur der Kirche St. Ludwig

Die heutige Pfarrkirche St. Ludwig wurde 1832 als klassizistischer Saalbau errichtet. Der Bau folgt den klaren, ausgewogenen Formen des frühen 19. Jahrhunderts und ersetzt die ältere Antoniuskapelle.

Charakteristisch ist der schlichte, rechteckige Baukörper mit hohen Rundbogenfenstern, die dem Innenraum viel Licht verleihen. Die Fassade wirkt bewusst zurückhaltend und verzichtet auf übermäßige dekorative Elemente. Über dem Hauptportal befindet sich eine Vorhalle mit Säulenstellung, darüber ein Dreiecksgiebel, der von einer Engelsfigur bekrönt wird.

Der freistehende Glockenturm (Campanile) wurde erst 1962 ergänzt und steht getrennt vom Kirchenschiff – eine architektonische Besonderheit im Vergleich zu traditionellen pfälzischen Dorfkirchen.

Der Innenraum

Der Innenraum präsentiert sich als schlichter Saal mit klarer Gliederung. Die hohen Rundbogenfenster sorgen für eine helle, ruhige Atmosphäre.

Der Chorbereich ist halbrund geschlossen und öffnet sich über einen breiten Triumphbogen zum Kirchenschiff. Die Architektur betont die klare Raumwirkung und folgt dem klassizistischen Ideal von Ordnung und Proportion.

Eine Empore im Westen trägt die Orgel. Die Gestaltung bleibt insgesamt zurückhaltend und konzentriert sich auf eine ruhige, würdige Liturgieumgebung.

Ausstattung im Innenraum

Der Innenraum von St. Ludwig ist trotz seiner klassizistischen Schlichtheit reich an qualitätvollen Ausstattungsstücken.

Der Taufstein

Ein auffälliges Ausstattungsstück ist der historische Taufstein aus rötlichem Sandstein. Seine bauchige, ornamentierte Form verweist stilistisch auf das 19. Jahrhundert. Die umlaufende Inschrift nennt das Jahr 1832 und verweist damit unmittelbar auf den Neubau der Kirche. Die vergoldete Taufschale mit bekrönendem Kreuz bildet einen bewussten Kontrast zur schlichten Steinform.

Ein zweites Taufbecken befindet sich im Kirchenraum und zeigt eine jüngere, schlichtere Gestaltung mit oktogonalem Aufbau und plastischem Figurenschmuck.

Kanzel

Die hölzerne Kanzel ist dunkel gefasst und mit vergoldeten Ornamenten verziert. Ihr geschwungener Aufbau und die plastischen Dekorelemente zeigen barocke Formensprache. Besonders auffällig ist der Schalldeckel mit der Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube mit Strahlenkranz.

Kruzifixgruppe

Im Chorbereich erhebt sich ein großes Kruzifix mit plastisch gearbeiteten Nebenfiguren. Christus ist mit geneigtem Haupt dargestellt, flankiert von mehreren Heiligenfiguren. Die Komposition wirkt monumental und zugleich ruhig. Die Goldfassung einzelner Elemente hebt zentrale Bildaussagen hervor.

Dieses Kreuz bildet den geistlichen Mittelpunkt des Kirchenraumes.

Pietà

Eine besondere Andachtsstätte stellt die Pietà dar. Maria hält den Leichnam Christi auf ihrem Schoß. Die Figurengruppe ist farbig gefasst und steht in einer eigenen architektonischen Rahmung mit Kreuzbekrönung. Ihre ruhige, würdige Darstellung lädt zur persönlichen Andacht ein.

Glasfenster im Langhaus

Die seitlich im Kirchenschiff eingebauten Glasfenster zeigen figürliche Darstellungen verschiedener Heiliger sowie zentrale Szenen des christlichen Glaubens. Die Fenster sind in hochrechteckige Felder gegliedert, wobei die Figuren jeweils im Mittelteil erscheinen und von ornamental gegliederten Rahmungen umgeben sind.

Die Farbgebung ist kräftig und kontrastreich: dominierende Blau-, Rot- und Grüntöne heben die Figuren deutlich vom helleren Hintergrund ab. Die Darstellungen sind ikonographisch klar lesbar und orientieren sich an traditionellen Attributen der jeweiligen Heiligen.

🔹 Hl. Ludwig (S. LUDWIG)

Dargestellt ist der heilige Ludwig als gekrönter König mit Zepter und Reichsapfel. Er trägt ein königliches Gewand mit Lilienornamenten, die auf das französische Königtum hinweisen. In der Hand hält er ein Buch – Zeichen seiner Frömmigkeit und seiner Rolle als christlicher Herrscher.

Die Darstellung verweist vermutlich auf Ludwig IX. von Frankreich, der 1297 heiliggesprochen wurde und als Idealbild eines gerechten und frommen Königs gilt.

🔹 Hl. Georg (ST. GEORG)

Der heilige Georg erscheint als gepanzerter Ritter mit Schwert. Unter ihm windet sich der besiegte Drache. Die Szene folgt der klassischen Ikonographie des Drachenkampfes, der symbolisch für den Sieg des Glaubens über das Böse steht.

Die militärische Rüstung und der rote Mantel betonen die Rolle Georgs als Märtyrer und Glaubenszeuge.

🔹 Hl. Julia (STA JULIA)

Die heilige Julia ist mit Märtyrerpalme dargestellt – dem traditionellen Zeichen des Martyriums. Ihre Darstellung verweist auf die frühchristliche Märtyrerin Julia von Korsika.

Die ruhige Haltung und die Palmzweige unterstreichen ihre Standhaftigkeit im Glauben.

🔹 Hl. Agnes (HL. AGNES)

Die heilige Agnes ist mit einem Lamm dargestellt – ihrem wichtigsten Attribut. Das Lamm verweist sowohl auf ihren Namen („Agnus“ – Lamm) als auch auf ihre Reinheit und ihre Christusnachfolge. In der Hand trägt sie die Märtyrerpalme als Zeichen ihres Glaubenszeugnisses.

Agnes zählt zu den frühchristlichen Märtyrerinnen und wird traditionell als junge Frau dargestellt, die trotz Verfolgung standhaft am christlichen Glauben festhielt. Ihre Aufnahme in das Fensterprogramm verweist auf das Ideal der Treue und Reinheit im Glauben.

🔹 Hl. Wendelin (HL. WENDELIN)

Der heilige Wendelin erscheint als Hirte mit Stab und Schafen. Er gilt als Schutzpatron der Bauern und Hirten. Die ländliche Szenerie im Hintergrund unterstreicht diese Zuordnung.

🔹 Heilige Familie

Das Fenster zeigt Maria, Josef und das Jesuskind in familiärer Szene. Josef steht beschützend hinter Maria und dem Kind. Die Darstellung betont die familiäre Dimension der Heilsgeschichte.

🔹 Pietà

Die Pietà zeigt Maria mit dem toten Christus unter dem Kreuz. Über der Szene ist die Inschrift „INRI“ angebracht. Die Darstellung konzentriert sich auf den Schmerz und die stille Trauer Mariens.

🔹 Hl. Mutter Anna (HL. MUTTER ANNA)

Die heilige Anna wird zusammen mit Maria dargestellt. Anna weist auf ein Schriftband, was ihre Rolle als Erzieherin Mariens symbolisieren kann. Die Darstellung betont die genealogische Linie Christi.

🔹 Heiliger Bruder Konrad

Der heilige Bruder Konrad ist im Ordensgewand dargestellt, mit Kreuz und segnender Geste. Die einfache Kleidung betont seine demütige Lebensweise.

Die Statue des heiligen Johannes Nepomuk (1766)

Vor der Südfassade der Kirche erhebt sich eine lebensgroße Statue des heiligen Johannes Nepomuk aus dem Jahr 1766. Die Figur steht auf einem geschweiften, laubwerkverzierten Sockel und gehört stilistisch in das Rokoko.

Der Heilige ist auf Wolken stehend dargestellt, zu seinen Füßen befindet sich ein kleiner Engel. Seine Haltung ist bewegt, das Gewand fällt in weich modellierten Falten. Die Darstellung entspricht dem ikonographischen Typus des „Brückenheiligen“, der in Süddeutschland und Böhmen weit verbreitet war.

Entstehung als Votivgabe

Die Errichtung der Statue steht in unmittelbarem Zusammenhang mit einem schweren Unwetter am 2. Juni 1765. Nach wolkenbruchartigen Regenfällen drohte eine Überschwemmung den Ort Eschbach zu zerstören. Die Bewohner gelobten, dem heiligen Johannes Nepomuk ein Standbild zu errichten, sollte er die Wassernot von ihnen abwenden.

Die lateinische Inschrift am Sockel belegt die Stiftung als Votivgabe („ex voto“) und datiert die Errichtung auf das Jahr 1766. Darin wird ausdrücklich erwähnt, dass eine Überschwemmung die völlige Zerstörung des Ortes androhte.

Die Inschriften

Der Sockel trägt eine umfangreiche deutsch-lateinische Inschrift in Großbuchstaben. In poetischer Sprache wird das Vertrauen auf die Hilfe des Heiligen betont. Besonders eindrücklich ist die Aussage:

„Wer auf Johannis Hilff vertraut, hat auf gantz sichern Grund gebaut.“

Die lateinische Inschrift bestätigt die Errichtung der Statue „in honorem S. Ioannis Nepomuceni“ durch die Gemeinde Eschbach im Jahr MDCCLXVI (1766).

Die Inschrift dokumentiert damit nicht nur die Datierung, sondern auch den kollektiven Charakter der Stiftung.

Religiöser Hintergrund

Johannes Nepomuk wurde um 1350 in Böhmen geboren und war Generalvikar des Prager Erzbischofs. 1393 wurde er auf Befehl des Königs Wenzel IV. gefoltert und von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt.

Er gilt als Märtyrer des Beichtgeheimnisses und als Verteidiger kirchlicher Rechte gegenüber weltlicher Macht. Seit seiner Heiligsprechung im Jahr 1729 verbreitete sich seine Verehrung stark im süddeutschen Raum.

Als Schutzheiliger gegen Überschwemmungen, Wassergefahren und Rufschädigung wurde er häufig an Brücken, Flussufern oder – wie hier – als Schutzfigur gegen Naturkatastrophen aufgestellt.

Die Immakulata (18. Jahrhundert)

Ebenfalls zur geschützten Ausstattung der Kirche gehört eine Rokoko-Skulptur der Immaculata aus dem 18. Jahrhundert. Maria ist auf der Weltkugel stehend dargestellt, unter ihren Füßen windet sich die Schlange als Symbol der überwundenen Erbsünde.

Die Figur gehört laut dem Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Südliche Weinstraße zur denkmalgeschützten Ausstattung der Kirche.

Fazit

Die Pfarrkirche St. Ludwig in Eschbach ist kein monumentales Bauwerk und keine überladene Barockkirche. Gerade in ihrer klassizistischen Klarheit liegt jedoch ihre besondere Wirkung. Der helle, ruhige Innenraum schafft eine Atmosphäre der Sammlung, während einzelne Ausstattungsstücke – das große Kruzifix, die Pietà oder die Kanzel – gezielte geistliche Akzente setzen.

Vor der Kirche erinnert die Nepomuk-Statue aus dem Jahr 1766 an eine existenzielle Erfahrung der Dorfgemeinschaft. Sie erzählt von Angst vor Naturgewalten, von Hoffnung und von dem Vertrauen, das Menschen in schwierigen Zeiten in ihren Glauben setzen. Als Votivgabe verbindet sie Ortsgeschichte, Volksfrömmigkeit und religiöse Symbolik auf eindrucksvolle Weise.

Für Pilger auf dem Weg durch die Südpfalz ist St. Ludwig ein stiller Ort der Einkehr. Zwischen Weinbergen und historischen Burgen gelegen, bietet die Kirche einen Moment der Ruhe – und mit dem Blick auf die Figuren des 18. Jahrhunderts auch eine Erinnerung daran, wie tief verwurzelt Glaube und Geschichte in dieser Region sind.

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Quellenangaben

1. Südliche Weinstraße Tourismus e.V.
Katholische Pfarrkirche St. Ludwig Eschbach.
Online abrufbar unter:
https://www.suedlicheweinstrasse.de/default-title-2/infosystem/Katholische-Pfarrkirche-St-Ludwig-Eschbach_Esch/infosystem.html
(Abgerufen am: [22.2.2026])


2. Pfarrei Klingenmünster – Gemeinde Eschbach St. Ludwig
Geschichte der Pfarrei Eschbach.
Online abrufbar unter:
https://www.pfarrei-klingenmuenster.de/pfarrei-gemeinden/gemeinden/eschbach-st-ludwig/geschichte-der-pfarrei/
(Abgerufen am: [22.2.2026])


3. LVR-KuLaDig (Kultur.Landschaft.Digital)
Statue des Hl. Johannes Nepomuk in Eschbach.
Objektansicht KLD-296893.
Online abrufbar unter:
https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-296893
(Abgerufen am: [22.2.2026])

 

4. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Landkreis Südliche Weinstraße, 2019.

Beitrag wurde mithilfe von KI Gegliedert und Kontrolliert

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