Fischbach bei Dahn – Kirche St. Bartholomäus
Einleitung
Die katholische Kirche St. Bartholomäus steht im Ortszentrum von Fischbach bei Dahn und gehört zu den historischen Sakralbauten am Pfälzer Jakobsweg. Ihr heutiges Erscheinungsbild vereint mehrere Bauphasen: Der älteste Teil ist der mittelalterliche Chorturm, während das Langhaus am Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und im frühen 20. Jahrhundert nach Westen verlängert wurde.
Im Inneren besitzt die Kirche eine ungewöhnlich umfangreiche Ausstattung. Der Hochaltar und die beiden barocken Seitenaltäre stammen aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Stürzelbronn in Lothringen. Die Altargemälde wurden 1913/14 vom Münchner Maler Basilio Colatti geschaffen. Neben dem Altarensemble prägen mehrere Deckenmalereien den Kirchenraum, darunter eine großformatige Darstellung des Jüngsten Gerichts nach einer Komposition von Peter von Cornelius.
Kirchenpatron ist der Apostel Bartholomäus, der auch im oberen Abschluss des Hochaltars dargestellt und durch eine Inschrift bezeichnet wird. Die Kirche steht unter Denkmalschutz und wurde zuletzt 2022 umfassend saniert.
Durch die Verbindung eines mittelalterlichen Turms, eines barocken Kirchenschiffs, der aus Stürzelbronn übernommenen Altäre und der jüngeren Deckenmalereien dokumentiert St. Bartholomäus mehrere Jahrhunderte regionaler Kirchen- und Ausstattungsgeschichte.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte der Kirche
Der älteste erhaltene Teil von St. Bartholomäus ist der gotische Chorturm. Seine Entstehung wird in das 13. oder an den Beginn des 14. Jahrhunderts eingeordnet. Im 18. Jahrhundert wurde der Turm erhöht und später in den Neubau des heutigen Kirchengebäudes einbezogen.
Das Langhaus entstand 1798 als barocker Saalbau. Damit erhielt die Kirche im Wesentlichen ihre heutige Grundgestalt, während der ältere Turm als Zeugnis des mittelalterlichen Vorgängerbaus erhalten blieb. Einen Teil ihrer bedeutenden Innenausstattung übernahm die Kirche aus dem 1790 aufgegebenen Zisterzienserkloster Stürzelbronn im benachbarten Lothringen. Dazu gehören der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre.
Im Jahr 1924 wurde das Langhaus nach Westen um zwei Achsen verlängert. Diese Erweiterung vergrößerte den Kirchenraum, ohne die ältere Gliederung aus Langhaus, Chor und östlichem Turm grundlegend zu verändern.
Bis zum Ende des Jahres 2015 war St. Bartholomäus Pfarrkirche der gleichnamigen Pfarrei, zu der auch eine Filiale im benachbarten Ludwigswinkel gehörte. Seit der Neuordnung der Pfarreien im Jahr 2016 ist die Kirche eine Filialkirche der in Dahn ansässigen Pfarrei Heiliger Petrus.
Mehrere Instandsetzungen sicherten den Erhalt des Bauwerks und seiner Ausstattung. Nach Arbeiten im frühen 21. Jahrhundert wurden 2017 die beiden barocken Seitenaltäre restauriert. Im Jahr 2022 folgte eine weitere umfassende Sanierung der Kirche.
Architektur und Baugestalt
St. Bartholomäus ist als einschiffiger Saalbau mit einem dreiseitig geschlossenen Chor angelegt. An der Ostseite erhebt sich der Chorturm, dessen untere Bauteile aus dem 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammen. Damit bildet der Turm den ältesten erhaltenen Teil der Kirche. Seine heutige Höhe erhielt er durch eine Aufstockung im 18. Jahrhundert.
Das 1798 errichtete Langhaus schließt westlich an den älteren Chorbereich an. Im Jahr 1924 wurde es um zwei weitere Achsen nach Westen verlängert. Die Erweiterung ist damit ein wesentlicher Bestandteil der heutigen Raumgröße, während die Verbindung aus mittelalterlichem Turm und späterem Saalbau weiterhin die Baugeschichte der Kirche erkennen lässt.
Im Inneren öffnet sich ein länglicher, einheitlicher Kirchenraum zum Chor. Die zurückhaltend gestalteten Wandflächen lenken den Blick auf die reiche Ausstattung im östlichen Bereich. Dort bilden der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre den architektonischen und liturgischen Mittelpunkt der Kirche.
Über dem Kirchenschiff erstreckt sich das großformatige Deckengemälde des Jüngsten Gerichts. Weitere Deckenbilder befinden sich im Chor und an einer zusätzlichen Deckenfläche. Dadurch wird die ansonsten klare Architektur durch eine umfangreiche religiöse Bilderwelt ergänzt.
An der Außenseite der Kirche ist unmittelbar an das Gebäude ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs angebaut. Es bildet eine spätere Ergänzung des historischen Kirchenbaus und wird in einem eigenen Abschnitt näher behandelt.
Das barocke Altarensemble
Den liturgischen Mittelpunkt des Kirchenraums bilden der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre. Die drei Altaraufbauten wurden aus dem 1790 aufgegebenen Zisterzienserkloster Stürzelbronn in Lothringen nach Fischbach bei Dahn übernommen. Für die beiden Seitenaltäre ist eine Entstehung um 1770/1780 belegt; eine ebenso genaue Datierung des Hochaltars liegt bislang nicht vor.
Der hoch aufragende Hauptaltar wird durch vier Säulen, farbig marmorierte Flächen, vergoldete Kapitelle und reichen plastischen Schmuck gegliedert. Im Zentrum befindet sich ein 1913/14 von Basilio Colatti geschaffenes Gemälde. Es zeigt Christus mit Weltkugel und Segensgestus und steht damit in der Bildtradition des Salvator Mundi. Im oberen Abschluss des Altars erscheint der Kirchenpatron, der durch die Inschrift „Bartholomaeus“ eindeutig benannt ist. Tabernakel, Kruzifix und das Lamm Gottes mit Kreuzfahne bilden weitere zentrale Elemente des Aufbaus.
Die beiden Seitenaltäre bestehen aus Stuckmarmor und sind als gestalterisch zusammengehöriges Paar ausgeführt. Vergoldete Rahmen, geschwungene Gesimse, Engelsköpfe, Rosen und weitere plastische Ornamente prägen ihre Erscheinung. Ihre heutigen Altargemälde wurden ebenfalls 1913/14 von Basilio Colatti geschaffen.
Der linke Seitenaltar zeigt die Heilige Familie mit Maria, dem Jesuskind und Josef unter der Taube des Heiligen Geistes. Vor dem Retabel steht eine separat aufgestellte Marienfigur, die durch Sternenkranz, Lilie, Weltkugel und Schlange als Immaculata gekennzeichnet ist.
Das Gemälde des rechten Seitenaltars zeigt einen heiligen Hirten mit Stab, Tasche und mehreren Schafen. Die sichtbaren Attribute sprechen für eine Darstellung des heiligen Wendelin. Da bislang kein historisch überlieferter Bildtitel bekannt ist, beruht diese Benennung auf der ikonografischen Bestimmung des Motivs. Vor dem Altar steht außerdem eine separat aufgestellte Figur des segnenden Jesuskindes mit Kreuzstab.
Im Jahr 2017 wurden die beiden Seitenaltäre restauriert. Teile ihrer Stuckmarmorverkleidung hatten sich vom hölzernen Trägermaterial gelöst, zudem waren Vergoldungen beschädigt und die Oberflächen stark verschmutzt. Die Arbeiten sicherten den Bestand und stellten die farbige sowie plastische Wirkung der Retabel wieder deutlicher heraus.
Eine eigene Kunstdokumentation behandelt die Herkunft, Gestaltung, Altargemälde und Restaurierung des Ensembles ausführlich.
Die Deckenmalereien
Neben dem Altarensemble prägen mehrere Deckenmalereien den Innenraum von St. Bartholomäus. Den größten Raum nimmt eine Darstellung des Jüngsten Gerichts ein, die sich über einen weiten Teil der Langhausdecke erstreckt. Sie orientiert sich an der Komposition, die Peter von Cornelius für die Ludwigskirche in München schuf.
Im oberen Bereich erscheint Christus als Weltenrichter inmitten einer himmlischen Versammlung. Engel tragen die Werkzeuge der Passion, während weitere Engel mit Posaunen die Auferstehung der Toten und den Beginn des Gerichts verkünden. Unterhalb Christi steht ein Engel mit Schwert zwischen den beiden gegensätzlichen Bereichen des Bildes: Auf der einen Seite werden die Erlösten von Engeln aufgenommen, auf der anderen geraten die Verdammten in die Gewalt dämonischer Gestalten. Im unteren Teil erheben sich die Toten aus ihren Gräbern.
Ergänzt wird das Jüngste Gericht durch zwei kleinere Deckenbilder. Eine Darstellung zeigt das Lamm Gottes mit Kreuzfahne, umgeben von Engelsköpfen und mehreren knienden Gestalten. Das Lamm verweist innerhalb der christlichen Bildsprache auf Christus als Opfer und Sieger über den Tod.
Im Chor befindet sich außerdem ein rundes Gemälde mit Gottvater, der Sonne und Mond in seinen erhobenen Händen hält. Engel begleiten die zentrale Gestalt; im oberen Bereich sind mehrere Tierkreiszeichen zu erkennen. Die Darstellung verweist auf Gott als Schöpfer und Herrscher über den Kosmos und den Lauf der Zeit.
Die drei Deckenbilder greifen damit zentrale Themen der christlichen Glaubenswelt auf: Schöpfung, Erlösung, Auferstehung und Gericht. Ob sie von Beginn an als geschlossenes Bildprogramm geplant wurden, ist bislang ebenso wenig belegt wie ihre genaue Entstehungszeit und Urheberschaft.
Eine eigene Kunstdokumentation erläutert die einzelnen Bildbereiche, ihre Motive und den Bezug des Jüngsten Gerichts zum Werk von Peter von Cornelius ausführlich.
Weitere Ausstattung
Zur weiteren Ausstattung von St. Bartholomäus gehört ein Kreuzweg aus den Jahren 1891/92. Seine einzelnen Stationen begleiten in traditioneller Folge den Leidensweg Christi von der Verurteilung bis zur Grablegung. Nähere Angaben zu Künstler, Herkunft und Ausführung liegen bislang nicht vor.
Auch die separat vor den Seitenaltären aufgestellten Figuren prägen den heutigen Kirchenraum. Vor dem linken Seitenaltar steht eine Darstellung der Maria Immaculata mit Sternenkranz, Lilie, Weltkugel und Schlange. Vor dem rechten Seitenaltar befindet sich eine Figur des segnenden Jesuskindes mit Kreuzstab. Ob beide Figuren ursprünglich für ihre heutigen Standorte geschaffen wurden, ist nicht bekannt.
Die Ausstattung von St. Bartholomäus ist damit über mehrere Epochen gewachsen. Barocke Altaraufbauten, Gemälde und Kreuzweg des späten 19. beziehungsweise frühen 20. Jahrhunderts sowie spätere Figurenaufstellungen verbinden sich zu dem heute sichtbaren Innenraum.
Das Kriegerdenkmal an der Außenfassade
An der Außenwand von St. Bartholomäus befindet sich ein Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Männer aus Fischbach bei Dahn. Die Jahreszahlen 1914–1918 und die beiden seitlichen Namenstafeln machen seine Funktion als örtliches Gefallenendenkmal deutlich.
Im Zentrum steht eine plastische Figurengruppe. Ein verwundeter oder sterbender Soldat sitzt beziehungsweise liegt auf felsigem Untergrund und wird von einer geflügelten weiblichen Gestalt gestützt. Diese lässt sich als Engel oder sinnbildliche Trostfigur verstehen. Der Stahlhelm des Soldaten liegt vor ihm auf dem Boden.
Über der Figurengruppe befindet sich ein Eisernes Kreuz. Darunter steht die Inschrift:
„Niemand hat größere Liebe, als wer sein Leben gibt für seine Freunde!“
Der Satz greift ein Wort aus dem Johannesevangelium auf und verbindet das Gedenken an die Gefallenen mit einer christlichen Deutung ihres Todes. Die seitlichen Tafeln nennen die Namen der verstorbenen Soldaten.
Das Denkmal entstand in der Zwischenkriegszeit und gehört zu einer Vielzahl von Erinnerungszeichen, die nach 1918 in Städten und Dörfern errichtet wurden. Seine Einbindung in die Kirchenfassade verbindet das öffentliche Gedenken unmittelbar mit dem sakralen Bauwerk.
Quellenangaben
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz:
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreis Südwestpfalz, Mainz, aktuelle Fassung, abgerufen am 18. Juli 2026.
Quelle zur Einordnung als Kulturdenkmal sowie zu den Bauphasen: barocker Saalbau von 1798, Erweiterung von 1924, gotischer ehemaliger Chorturm und dessen Erhöhung im 18. Jahrhundert. Auch das Kriegerdenkmal für die Jahre 1914–1918 wird aufgeführt.
Deutsche Stiftung Denkmalschutz:
Bronzeplakette für St. Bartholomäus in Fischbach bei Dahn, veröffentlicht 2019, abgerufen am 18. Juli 2026.
Hauptquelle zur Herkunft der Altäre aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Stürzelbronn, zur Datierung der Seitenaltäre um 1770/1780, zur Ausführung in Stuckmarmor, zu den Altargemälden Basilio Colattis von 1913/14 sowie zur Restaurierung der Seitenaltäre im Jahr 2017.
Katholische Pfarrei Heiliger Petrus Dahner Felsenland:
Die Gemeinden der Pfarrei Heiliger Petrus, abgerufen am 18. Juli 2026.
Quelle zur heutigen kirchlichen Zugehörigkeit von St. Bartholomäus zur Pfarrei Heiliger Petrus in Dahn.
Bistum Speyer:
Pastorales Konzept der Pfarrei Heiliger Petrus Dahn, abgerufen am 18. Juli 2026.
Offizielle Quelle zur Pfarreistruktur und zur Gemeinde St. Bartholomäus Fischbach mit Ludwigswinkel.
Katholische Pfarrei Heiliger Petrus Dahner Felsenland:
Pfarrbrief November 2021, abgerufen am 18. Juli 2026.
Quelle zu den für 2022 geplanten umfangreichen Sanierungsarbeiten in St. Bartholomäus.
Katholische Pfarrei Heiliger Petrus Dahner Felsenland:
Pfarrbrief April 2023, abgerufen am 18. Juli 2026.
Quelle zur Durchführung der umfassenden Renovierung, für die die Kirche 2022 ausgeräumt wurde und die im Frühjahr 2023 noch andauerte.
German History in Documents and Images:
Peter Cornelius: Das Jüngste Gericht, 1836–1839, abgerufen am 18. Juli 2026.
Vergleichsquelle zum monumentalen Vorbild in der Münchner Ludwigskirche. Die genaue Übertragung der Komposition nach Fischbach ist bislang nicht durch eine ausführliche Fachquelle dokumentiert.
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