Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Mitten in einer ruhigen, von Wäldern umgebenen Landschaft nahe Marcilly-en-Bassigny liegt die abgelegene Chapelle Notre-Dame de Presles. Abseits der Ortschaft, rund fünf Kilometer vom Dorf entfernt, wirkt dieser Ort heute beinahe vergessen – und gerade dadurch besonders eindrucksvoll.
Die kleine Kapelle blickt auf eine lange Geschichte zurück und war über Jahrhunderte hinweg ein bedeutender Wallfahrtsort. Noch heute spürt man hier eine besondere Atmosphäre, die durch die Abgeschiedenheit, die Architektur und die erhaltenen Wandmalereien geprägt wird.
Geschichte
Die Entstehung der Kapelle wird unterschiedlich datiert. Während einige Quellen ihren Ursprung bereits im 12. Jahrhundert sehen, wird sie überwiegend dem frühen 14. Jahrhundert zugeordnet. Stilistisch entspricht das Bauwerk einer einheitlichen gotischen Anlage dieser Zeit.
Errichtet wurde die Kapelle vermutlich durch das Domkapitel von Langres, das in der Region großen Einfluss besaß. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich Notre-Dame de Presles zu einem wichtigen religiösen Ort, der besonders durch eine lebendige Wallfahrt geprägt war.
Während der Französischen Revolution wurde die Kapelle als Nationalgut verkauft und gelangte in Privatbesitz. Erst im 19. Jahrhundert erfolgten erneute Arbeiten und Anpassungen, bevor sie schließlich im Jahr 1909 als historisches Monument unter Schutz gestellt wurde.
Architektur
Die Kapelle zeigt sich als schlichtes, aber klar gegliedertes Bauwerk in gotischem Stil. Das einschiffige Gebäude besteht aus drei Jochen und schließt mit einer flachen Apsis ab.
Charakteristisch sind die Rippengewölbe im Inneren sowie die schlichten, aber kraftvollen Formen der Architektur. Das äußere Erscheinungsbild wirkt bewusst reduziert und nahezu schmucklos, was die Wirkung des Innenraums zusätzlich verstärkt.
Eine besondere bauliche Besonderheit befindet sich unterhalb des Chors:
👉 eine Krypta mit Tonnengewölbe, in der eine Quelle entspringt.
Diese Verbindung von Architektur und Natur macht den Ort einzigartig und erklärt zugleich seine Bedeutung als Wallfahrtsstätte.
Ausstattung – Fresken und Wandmalereien
Das bedeutendste kunsthistorische Element der Kapelle Notre-Dame de Presles sind ihre mittelalterlichen Wandmalereien, die überwiegend in das 14. Jahrhundert datiert werden.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Ausmalung im Bereich der Gewölbe:
Hier entfaltet sich ein farbenreiches Bildprogramm mit Engelsdarstellungen, die sich über die Rippen des Gewölbes hinweg bewegen. Ihre Körper sind elegant gestreckt, ihre Flügel weit ausgebreitet – ein typisches Merkmal der gotischen Malerei, die Bewegung und Leichtigkeit betonen wollte.
Im Zentrum der Gewölbeflächen erscheint eine thronende Christusdarstellung, die vermutlich im Zusammenhang mit dem Jüngsten Gericht steht. Begleitet wird sie von weiteren Figuren, darunter wohl der Evangelist Johannes sowie ursprünglich die Jungfrau Maria, deren Darstellung heute nur noch teilweise erhalten ist.
Auffällig ist die symbolische Farbgestaltung:
- warme Rottöne und Ockerflächen als Hintergrund
- kontrastierende Blau- und Grüntöne
- feine ornamentale Muster und Sternmotive
Diese Kombination verleiht dem Raum eine fast transzendente Atmosphäre, die den Blick des Besuchers bewusst nach oben lenkt.
Auch an den Wänden finden sich dekorative Elemente wie:
- geometrische Friese
- ornamentale Bänder
- heraldische Darstellungen (z. B. Lilien als Zeichen der französischen Krone)
👉 Diese Details deuten darauf hin, dass die Kapelle nicht nur ein einfacher Andachtsort war, sondern eine bedeutende Wallfahrtsstätte mit überregionaler Ausstrahlung.
Zustand und Restaurierung
Die Fresken zeigen heute einen auffallend guten Erhaltungszustand, was stark auf Restaurierungsmaßnahmen in neuerer Zeit hinweist.
Auch wenn genaue Datierungen der Restaurierung nicht eindeutig belegt sind, ist davon auszugehen, dass:
- die Malereien freigelegt
- gesichert
- und teilweise ergänzt wurden
👉 Dabei wurde offenbar darauf geachtet, den ursprünglichen Charakter zu bewahren, ohne die historischen Spuren vollständig zu überdecken.
Legende der Kapelle
Die Entstehung der Kapelle ist eng mit einer überlieferten Legende verbunden.
Ein Hirte, der seine Herde regelmäßig in das Tal von Presles führte, bemerkte eines Tages ein ungewöhnliches Phänomen: Einer seiner Ochsen kehrte immer wieder an denselben Ort zurück, und das Gras schien dort ungewöhnlich schnell nachzuwachsen.
Neugierig geworden, begann er zu graben – und entdeckte eine Statue der Jungfrau Maria mit dem Kind.
Die Statue wurde in die Dorfkirche gebracht, verschwand jedoch auf unerklärliche Weise und tauchte immer wieder genau an der Stelle ihrer Entdeckung auf. Nachdem sich dies mehrfach wiederholt hatte, deutete man dies als Zeichen.
Man war überzeugt, dass die Jungfrau an genau diesem Ort verehrt werden wollte.
👉 So entschied man sich, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten und eine Wallfahrt einzurichten.
Der Überlieferung nach galt dieser Ort insbesondere als hilfreich für Paare, die sich ein Kind wünschten.
Bedeutung
Die Chapelle Notre-Dame de Presles ist weit mehr als ein einfaches sakrales Bauwerk. Sie vereint Architektur, Natur, Legende und religiöse Tradition zu einem einzigartigen Ort.
Die Quelle in der Krypta, die Wallfahrtstradition sowie die erhaltenen Fresken machen sie zu einem besonderen Zeugnis des religiösen Lebens im ländlichen Raum Lothringens.
Heute ist die Kapelle ein stiller Ort der Erinnerung und Besinnung – und zugleich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie eng Glaube, Landschaft und Geschichte miteinander verbunden sein können.
Quellenangaben
Internetquellen
- Wikipedia: Chapelle Notre-Dame de Presles, Marcilly-en-Bassigny
- Bienvenue Haute-Marne: Chapelle Notre-Dame de Presles à Marcilly-en-Bassigny
- Inventaire Général du Patrimoine Culturel: Dossier PA00079145 – Chapelle de Presles
- Ministère de la Culture: Journées du patrimoine – Histoire, art et légende
Hinweis zur Darstellung
Die Angaben zur Geschichte und Architektur der Kapelle basieren auf den oben genannten Quellen und wurden sinngemäß zusammengefasst und neu formuliert.
Die Beschreibung der Wandmalereien sowie des Innenraums erfolgt teilweise auf Grundlage eigener Beobachtungen vor Ort.
