Landau (in der Pfalz) – Katharinenkapelle

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Katharinenkapelle im Zentrum von Landau in der Pfalz gehört zu den ältesten erhaltenen Sakralbauten der Stadt. Die im 14. Jahrhundert errichtete gotische Saalkirche war ursprünglich die Konventskirche einer Beginengemeinschaft. Trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe besitzt sie eine außergewöhnlich vielschichtige Geschichte.

Im Laufe der Jahrhunderte diente das Bauwerk nicht nur als Gotteshaus, sondern zeitweise als Garnisonskirche, gemeinsames Simultankirchengebäude verschiedener Konfessionen, Pulvermagazin, Gefängnis, Heulager und Markthalle. Besonders kunsthistorisch bedeutend sind die im Chor freigelegten Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die einen Passionszyklus darstellen und zu den wichtigsten mittelalterlichen Fresken Landaus zählen.

Die Geschichte der Katharinenkapelle

Die Beginen und die Entstehung der Kapelle (14. Jahrhundert)

Im März des Jahres 1315 gestattete der deutsche Gegenkönig Friedrich der Schöne die Gründung einer Beginenklause in Landau. Die Beginen waren religiöse Frauengemeinschaften, die ohne formale Ordensgelübde in geistlicher Lebensweise zusammenlebten. In Landau übernahmen sie wichtige soziale Aufgaben, insbesondere als Krankenpflegerinnen und Totenfrauen, wodurch sie für die Stadt eine bedeutende Rolle spielten.

Die Grundsteinlegung der zugehörigen Konventskirche erfolgte im Jahr 1344, wie aus einer erhaltenen Bauinschrift hervorgeht. Rat und Bürgerschaft der Stadt ließen die Kirche für die Beginengemeinschaft errichten. Es entstand eine kleine gotische Saalkirche mit eingezogenem, quadratischem Chor sowie einem Westturm.

Der Chor wurde mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestattet, dessen Schlusssteine die Wappen des Bistums Speyer und der Stadt Landau tragen. Das Langhaus hingegen erhielt eine flache Decke. Die Kapelle befand sich an der Nordost-Ecke des damaligen Straßenmarktes, unmittelbar gegenüber dem städtischen Kaufhaus, und war somit fest in das städtische Leben eingebunden.

Bereits im frühen 16. Jahrhundert änderten sich die religiösen Verhältnisse in Landau grundlegend. Nachdem sich seit 1522 der überwiegende Teil der Bürgerschaft dem lutherischen Bekenntnis angeschlossen hatte, stellte der Stadtrat 1526 fest, dass nur noch eine Begine in der Stadt lebte. Der Konvent ging daraufhin unter, und die Kirche verlor ihre ursprüngliche Funktion.

Nutzung als Totenkapelle und Garnisonskirche (17.–18. Jahrhundert)

Nach dem Ende der Beginengemeinschaft blieb die Katharinenkapelle weiterhin im Besitz der Stadt. Ab etwa der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde sie in den Wintermonaten als Totenkapelle genutzt und diente bei Beerdigungen als Aussegnungsort.

Mit der dauerhaften französischen Herrschaft über Landau ab dem Jahr 1680 erhielt das Bauwerk eine neue Funktion. Die französische Verwaltung bestimmte die Kapelle zur Garnisonskirche. In diesem Zusammenhang kam es zu baulichen Veränderungen im Inneren. Offenbar ließ man das Kirchenschiff durch Arkadenbögen unterteilen, wodurch sich im Inneren eine Gliederung in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe ergab.

Zudem verlängerte man nördlich und südlich des Chores die Langhausmauern nach Osten. Die dort befindlichen Strebepfeiler des ursprünglich eingezogenen Chores wurden abgetragen, wodurch zwei kleine Anbauten entstanden, die als Lagerraum und Sakristei dienten. Auf der Südseite ist diese Veränderung heute wieder rückgängig gemacht, sodass die ursprüngliche Bauform dort wieder deutlicher erkennbar ist.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Landau schwer beschädigt. Auch die simultan genutzte Stiftskirche war betroffen. In den Jahren 1702 bis 1704 diente daher die Katharinenkapelle Katholiken und Lutheranern gemeinsam als Gotteshaus.

In den Jahren 1709 beziehungsweise 1713 wurden in der Kapelle zwei Offiziere der kaiserlichen Reichsarmee bestattet. Ihre repräsentativen Grabmäler befinden sich bis heute an den östlichen Stirnseiten der Seitenschiffe. Einer der Bestatteten ist General Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld (1653–1709).

Profanierung und weltliche Nutzung (18.–19. Jahrhundert)

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde die Katharinenkapelle erneut profaniert. Sie blieb zwar im Besitz der Stadt Landau, verlor jedoch ihre kirchliche Funktion und wurde fortan für weltliche Zwecke genutzt. Zunächst diente das Gebäude als gemeindliches Pulvermagazin, später als Gefängnis und schließlich als Heulager.

Im Jahr 1791 erwarb ein Weinhändler das Bauwerk und nutzte es ebenfalls als Magazin. Die ehemalige Kirche befand sich im 19. Jahrhundert in einem zunehmend schlechten Zustand. 1847 galt sie als baulicher Missstand und wurde sogar als „Schandfleck“ bezeichnet. Ein Abriss stand zur Diskussion, wurde jedoch nicht umgesetzt.

Stattdessen kaufte die Stadtverwaltung das Gebäude zurück und richtete darin eine Fruchthalle beziehungsweise Markthalle ein. In diesem Zusammenhang wurden große Zugänge an der Nord- und Südseite geschaffen; der nördliche Zugang ist bis heute erhalten. Der historische Westturm wurde abgebrochen. Zudem entstand auf dem Speicher des Langhauses und des Chores eine kleine Wohnung für einen städtischen Aufseher.

Bei diesen Umbauten wurde der Chor im neugotischen Stil aufgestockt. Das neu geschaffene Obergeschoss erhielt nach Osten hin ein niedriges, dreiteiliges Spitzbogenfenster. Diese baulichen Eingriffe veränderten das mittelalterliche Erscheinungsbild erheblich und prägen die Kapelle bis heute.

Rückkehr zur kirchlichen Nutzung im 19. Jahrhundert und heutige Verwendung

Im Jahr 1872 fasste der Landauer Stadtrat den Beschluss, die Katharinenkapelle wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung als Gotteshaus zuzuführen. Das Bauwerk wurde der neu gegründeten Altkatholischen Gemeinde übergeben und entsprechend hergerichtet. In diesem Zusammenhang errichtete man den heutigen Dachreiter zur Aufnahme einer neuen Glocke.

Damit erhielt die Kapelle nach jahrzehntelanger weltlicher Nutzung erneut eine kirchliche Funktion. Seit 1960 wird sie zusätzlich von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) genutzt. Bis heute steht die Katharinenkapelle im Eigentum der Stadt Landau und dient beiden Gemeinden als Gotteshaus.

Mit der erneuten sakralen Nutzung rückte auch die historische Substanz stärker in den Fokus. Eine umfassende Renovierung in den Jahren 1958 bis 1960 führte schließlich zur Entdeckung bedeutender mittelalterlicher Wandmalereien im Chor, die die kunsthistorische Bedeutung der Kapelle nachhaltig unterstrichen.

Architektur und Baugestalt

Die Katharinenkapelle ist eine gotische Saalkirche aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Ihr Grundriss besteht aus einem rechteckigen Langhaus mit eingezogenem, quadratischem Chor. Ursprünglich besaß das Bauwerk einen Westturm, der jedoch im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde.

Der Chor ist mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestattet. Die Schlusssteine tragen die Wappen des Bistums Speyer sowie der Stadt Landau und verweisen damit auf die geistliche und städtische Trägerschaft des Bauwerks. Das Langhaus hingegen besitzt eine flache Decke.

Während der französischen Garnisonszeit im späten 17. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff durch Arkadenbögen unterteilt, wodurch im Inneren eine Gliederung in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe entstand. Gleichzeitig verlängerte man nördlich und südlich des Chores die Langhausmauern nach Osten und schuf dadurch zusätzliche Anbauten. Diese Veränderungen prägen den heutigen Raumeindruck wesentlich.

Im 19. Jahrhundert kam es im Zuge der Nutzung als Markthalle zu weiteren baulichen Eingriffen. Große Zugänge an Nord- und Südseite wurden geschaffen, und der Chor wurde im neugotischen Stil aufgestockt. Das nach Osten gerichtete, dreiteilige Spitzbogenfenster des Obergeschosses stammt aus dieser Zeit.

Der heutige Dachreiter wurde 1872 im Zusammenhang mit der erneuten kirchlichen Nutzung errichtet.

Epitaphien der kaiserlichen Offiziere

An den östlichen Stirnseiten der Seitenschiffe befinden sich zwei repräsentative Grabmäler aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie erinnern an Offiziere der kaiserlichen Reichsarmee, die während der kriegerischen Auseinandersetzungen um Landau in der Katharinenkapelle bestattet wurden.

Eines der Epitaphien gilt General Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld (1653–1709). Das kunstvoll gestaltete Grabmal dokumentiert Rang und gesellschaftliche Stellung des Verstorbenen. Wie für barocke Offiziersepitaphien typisch, verbindet es heraldische Elemente mit militärischer Symbolik und einer repräsentativen Inschrift. Es verweist zugleich auf die strategische Bedeutung Landaus im Spanischen Erbfolgekrieg.

Ein zweites Epitaph erinnert an Ernst Christoph von der Sachsen (1654–1713), ebenfalls Offizier der kaiserlichen Armee. Beide Grabmäler verweisen auf die militärische Vergangenheit der Stadt und die wechselnden Herrschaftsverhältnisse in der Pfalz.

Die Epitaphien stellen bedeutende Zeugnisse barocker Memorialkultur dar und bilden einen markanten Kontrast zur ursprünglich schlichten Beginenkirche des 14. Jahrhunderts. Während die mittelalterliche Architektur von Zurückhaltung geprägt ist, bringen die Grabmäler eine repräsentative, standesbewusste Formensprache des frühen 18. Jahrhunderts in den Raum ein.

Mittelalterliche Wandmalereien im Chor (2. Hälfte 14. Jahrhundert)

Bei einer umfassenden Renovierung der Katharinenkapelle in den Jahren 1958 bis 1960 wurden im Chor umlaufende Wandmalereien freigelegt. Sie stammen aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und gehören damit zur ursprünglichen Ausstattungsphase der Kirche.

Es handelt sich um einen Passionszyklus, der Szenen aus dem Leiden Christi zeigt. Die Malereien sind nur teilweise erhalten, vermitteln jedoch noch deutlich die Bildsprache und Theologie ihrer Entstehungszeit. Stilistisch stehen sie in der Tradition der südwestdeutschen Wandmalerei des Spätmittelalters.

Die Fresken verlaufen umlaufend im Chorraum und waren ursprünglich Teil eines geschlossenen ikonographischen Programms. Trotz späterer Übermalungen, baulicher Veränderungen und Beschädigungen haben sich wesentliche Teile des Zyklus erhalten.

🔹 Der Passionszyklus

Die dargestellten Szenen zeigen zentrale Stationen der Passion Christi. Dazu gehören unter anderem:

  • Gefangennahme Christi

  • Geißelung

  • Verspottung

  • Kreuztragung

  • Kreuzigung

  • Beweinung

Die Figuren sind in einer für das 14. Jahrhundert typischen linearen und erzählenden Bildweise dargestellt. Der Ausdruck ist weniger naturalistisch als symbolisch geprägt. Gewandformen, Gestik und Mimik folgen der spätmittelalterlichen Bildtradition.

🔹 Antijüdische Bildmotive im historischen Kontext

In mehreren Passionsszenen erscheinen als Peiniger Jesu Männer mit sogenannten „Judenhüten“. Diese spitz zulaufenden Kopfbedeckungen dienten im Mittelalter als ikonographisches Kennzeichen für jüdische Personen.

Die Darstellungen spiegeln die antijüdischen Vorurteile und theologischen Feindbilder ihrer Entstehungszeit wider. Sie sind Ausdruck der mittelalterlichen Bildtradition und nicht isoliert zu betrachten, sondern im historischen Kontext der christlichen Passionsikonographie einzuordnen.

Nach der Wiederentdeckung der Fresken kam es zu Diskussionen über den Umgang mit diesen Motiven. Zeitweise wurde sogar erwogen, die betreffenden Szenen erneut zu überdecken. Dies geschah jedoch nicht. Stattdessen entschied man sich für den Erhalt der Malereien als historisches Zeugnis ihrer Epoche.

Kopien einzelner Darstellungen befinden sich heute in der Dauerausstellung des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam sowie im Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin. Dort dienen sie der kritischen Auseinandersetzung mit historischen Bildtraditionen und deren Wirkungsgeschichte.

🔹 Ergänzungen durch Arthur Kalbhenn (1961)

Im Jahr 1961 malte der Restaurator Arthur Kalbhenn über dem Triumphbogen des Chores eine Kreuzigungsdarstellung mit Maria und Johannes. Diese orientiert sich an einer Vorlage aus der Buchmalerei. Zudem schuf er ein ornamentales Begleitmotiv am Chorbogen.

Ob an dieser Stelle ursprünglich mittelalterliche Malereien vorhanden waren oder ob es sich um eine freie Ergänzung handelt, ist nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass Kalbhenn bei anderen Restaurierungen mittelalterliche Befunde eigenwillig überarbeitet oder ergänzt hat.

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Quellenangaben

https://de.wikipedia.org/wiki/Katharinenkapelle_(Landau_in_der_Pfalz)

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