Einleitung
Der Dreifaltigkeitsaltar im Trierer Dom gehört zu den bedeutenden historischen Altären der Kathedrale. Zugleich ist er eng mit dem Grabgedächtnis des Trierer Erzbischofs Jakob von Eltz verbunden.
Sein heutiges Erscheinungsbild geht auf mehrere Bau- und Ausstattungsphasen zurück. Der ursprüngliche Grabaltar wurde 1597 von den Erben Jakobs von Eltz errichtet. Nach dem Dombrand von 1717 wurde der Altar abgebaut und 1725 nach Plänen von Joseph Walter in einem barocken Architekturrahmen neu aufgebaut. Zahlreiche Figuren, Reliefs, Wappen und Ornamente aus der Werkstatt Hans Ruprecht Hoffmanns blieben dabei erhalten und wurden in den neuen Aufbau integriert.
Gerade diese Verbindung aus älteren Bildwerken des späten 16. Jahrhunderts und einer barocken Neugestaltung des 18. Jahrhunderts macht den Dreifaltigkeitsaltar zu einem besonders vielschichtigen Zeugnis der Ausstattungsgeschichte des Trierer Domes.
Entstehung als Grabaltar Jakob von Eltz
Der Altar wurde ursprünglich als Grabaltar für Erzbischof Jakob von Eltz geschaffen. Jakob von Eltz war von 1567 bis 1581 Erzbischof und Kurfürst von Trier. Nach seinem Tod ließen seine Erben den Grabaltar errichten; 1597 wurde er aufgestellt.
Sein ursprünglicher Standort befand sich vor dem nordöstlichen Vierungspfeiler des Domes. Bereits im 17. Jahrhundert ist für das Werk die Bezeichnung Dreifaltigkeitsaltar überliefert. Der heutige Altar bewahrt damit nicht nur ein theologisches Bildprogramm, sondern zugleich die Erinnerung an einen bedeutenden Trierer Erzbischof.
Neuaufbau nach dem Dombrand
Der Dombrand von 1717 bedeutete einen tiefen Einschnitt für mehrere ältere Altäre des Trierer Domes. Auch der Dreifaltigkeitsaltar wurde anschließend abgebaut und in den folgenden Jahren neu gefasst.
1725 entstand nach Plänen des Architekten Joseph Walter ein neuer barocker Architekturrahmen. Der Altar wurde am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffs vor der romanischen Pilgerrampe neu aufgebaut und 1726 konsekriert.
Dabei griff man nicht auf eine vollständige Neuschöpfung zurück. Zahlreiche ältere Bestandteile aus der Werkstatt Hans Ruprecht Hoffmanns wurden übernommen und in den barocken Aufbau integriert. Dazu zählen Figuren, Reliefs, Wappen sowie Ornamente der oberen Geschosse.
Kräftige Gesimse aus rotem Marmor gliedern den Aufbau. Die Verbindung dieser barocken Architekturformen mit den älteren bildhauerischen Arbeiten verleiht dem Altar seinen besonderen Charakter.
Der heutige Dreifaltigkeitsaltar ist deshalb das Ergebnis mehrerer Zeitschichten: Ein spät16.-jahrhundertlicher Grabaltar bildet die historische Grundlage, während der barocke Neuaufbau des 18. Jahrhunderts sein heutiges Erscheinungsbild wesentlich bestimmt.
Das Bildprogramm des Dreifaltigkeitsaltars
Das Bildprogramm des Dreifaltigkeitsaltars ist vielschichtig aufgebaut und verbindet Szenen aus der Heilsgeschichte mit allegorischen Figuren und dem Gedächtnis an Jakob von Eltz.
Im Zentrum steht die Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit im Typus des Gnadenstuhls. Gottvater hält den gekreuzigten Christus, während der Heilige Geist in Gestalt einer Taube über der Szene erscheint. Die umgebenden Wolken und die Taube selbst dürften beim barocken Neuaufbau von 1725 ergänzt worden sein.
Begleitet wird die zentrale Darstellung von Engeln mit den Passionswerkzeugen Christi. Dadurch wird die Dreifaltigkeit unmittelbar mit Leiden, Tod und Erlösung verbunden.
Im nächsthöheren Geschoss befindet sich die Auferstehung Christi. Seitlich davon stehen die allegorischen Figuren Labor und Quies, also Arbeit und Ruhe. Sie verkörpern die beiden Pole des menschlichen Lebens: die vita activa und die vita contemplativa.
Damit greift der Altar nicht nur zentrale christliche Glaubensinhalte auf, sondern verbindet sie mit einer Vorstellung vom menschlichen Lebensweg zwischen irdischer Mühe und erhoffter himmlischer Ruhe.
Den oberen Abschluss bilden eine Madonna mit dem Jesuskind, darüber das Antlitz Christi und schließlich die Personifikation des Glaubens mit zwei Putten, die den Ruhm mit Posaunen verkünden.
Der Dreifaltigkeitsaltar ist damit kein einzelnes Bildwerk, sondern ein komplexes theologisches Ensemble, in dem Erlösung, Auferstehung, christliches Leben und Hoffnung auf die himmlische Vollendung miteinander verbunden werden.
Die Predella und die Szenen um Jakob
Unterhalb des zentralen Hauptbildes befindet sich die Predella des Altars. Dort ist ein Relief der Kreuztragung Christi angebracht, das heute teilweise durch das später eingefügte Tabernakel verdeckt wird.
Flankiert wird diese Darstellung von zwei kleineren Reliefs mit Jakobs Traum und Jakobs Begräbnis. Diese Szenen stellen die Verbindung zum Namenspatron Jakob her und binden damit das persönliche Gedächtnis des Erzbischofs in das religiöse Bildprogramm des Altars ein.
Gerade diese Kombination zeigt, dass der Dreifaltigkeitsaltar ursprünglich nicht nur liturgischer Altar, sondern zugleich Grab- und Erinnerungsmonument für Jakob von Eltz war.
Das Tabernakel und die Veränderungen um 1900
Das heutige Tabernakel gehört nicht zur ursprünglichen Ausstattung des Dreifaltigkeitsaltars. Es entstand um 1900 im Stil der Neorenaissance und wurde in der bedeutenden Kölner Werkstatt Gabriel Hermeling gefertigt.
Auf der Tür des Tabernakels befindet sich ein fein gearbeitetes Relief der Verkündigung an Maria. Die Architektur des Tabernakels wird durch kleine Säulen, vergoldete Ornamente und figürliche Elemente gegliedert. Auf der Balustrade sitzen Putten mit Rauchfässern.
Mit dem Einbau des Tabernakels wurde der Altar stärker auf seine sakramentale Funktion ausgerichtet. Bis zu dieser Umgestaltung befanden sich dort noch die kniende Bildnisfigur des Erzbischofs Jakob von Eltz und die Figur seines Patrons, des heiligen Jakobus.
Diese beiden Figuren wurden später entfernt und befinden sich heute im Bischöflichen Museum. Damit veränderte sich der Charakter des Altars erneut: Aus dem ursprünglichen Grab- und Erinnerungsmonument wurde zunehmend ein liturgisch genutzter Altar mit sakramentalem Schwerpunkt.
Restaurierungen im 19. und 20. Jahrhundert
Der Dreifaltigkeitsaltar wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach restauriert. Bereits unter Bischof Joseph von Hommer fanden Arbeiten am Altar statt. Eine weitere Restaurierung folgte um 1900.
Besonders umfangreich war die Restaurierung von 1974, die von polnischen Restaurierungswerkstätten durchgeführt wurde. Dabei wurde eine ältere Zementschlämme entfernt, die vermutlich um die Jahrhundertwende aufgetragen worden war.
Während der Arbeiten kamen zahlreiche Spuren früherer Farbfassungen zum Vorschein. Diese Befunde wurden dokumentiert und teilweise wieder sichtbar gemacht. Besonders die Wappen erhielten ihre historische Farbigkeit zurück.
Auch die farbliche Gliederung der Architektur wurde rekonstruiert. Die Gesimse und Rahmen erhielten wieder ihre kräftige Rotfassung, während einzelne Bereiche in Schwarz und Gold gestaltet wurden. Dadurch trat die ursprüngliche Wirkung des Altars wieder deutlich stärker hervor.
Die Restaurierung machte sichtbar, dass der Dreifaltigkeitsaltar nicht nur aus verschiedenen Bauphasen besteht, sondern auch hinsichtlich seiner Farbigkeit immer wieder verändert worden war.
Der Dreifaltigkeitsaltar als Zeugnis mehrerer Epochen
Der Dreifaltigkeitsaltar gehört zu den besonders vielschichtigen Ausstattungsstücken des Trierer Domes. Seine Geschichte reicht vom ursprünglichen Grabaltar des späten 16. Jahrhunderts über den barocken Neuaufbau von 1725 bis hin zu Veränderungen um 1900 und den Restaurierungen des 20. Jahrhunderts.
Gerade diese Überlagerung verschiedener Epochen macht seinen besonderen Reiz aus. Renaissancezeitliche Bildwerke, barocke Architektur, neorenaissancezeitliches Tabernakel und moderne Restaurierung bilden heute ein gemeinsames Ensemble.
Der Altar ist damit nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk, sondern zugleich ein anschauliches Dokument dafür, wie sich liturgische Nutzung, Erinnerungskultur und künstlerische Vorstellungen über mehrere Jahrhunderte hinweg verändert haben.
Quellenangaben
Ronig, Franz J. (Red.): Der Trierer Dom. Jahrbuch des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 1978/79. Neuss 1980, S. 260–261.
Angaben zum Dreifaltigkeitsaltar, seiner Entstehung, dem barocken Neuaufbau, dem Bildprogramm sowie späteren Veränderungen und Restaurierungen.Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Trier – Dom St. Peter.
Bau- und kunsthistorische Angaben zur Ausstattung des Trierer Domes und zum Dreifaltigkeitsaltar.Hohe Domkirche Trier / Dom-Information Trier: Informationen zur Bau- und Kunstgeschichte sowie zur Ausstattung des Trierer Domes.
