The Camino History · Kirchen & Sakralarchitektur · Rheinland-Pfalz
Traben – Katholische Kirche St. Peter und Paul
Neuromanischer Kirchenbau von 1910–1912. Schiefermauerwerk, ein markanter Turm und figürlich geschmückte Rundbogenportale prägen die katholische Kirche im Stadtteil Traben.
Fotografie: © The Camino HistoryTraben – St. Peter und Paul
Die katholische Kirche St. Peter und Paul in der Kirchstraße 39 entstand zwischen 1910 und 1912. Der neuromanische Bau verbindet eine hohe Turmfront mit Schiefermauerwerk, Rundbogenöffnungen und einer vorgelagerten Arkadenhalle. Das rheinland-pfälzische Denkmalverzeichnis führt die Kirche als zweischiffige Pseudobasilika.
Der erhöhte Standort und die breite Treppenanlage bestimmen die Gesamtansicht. In Traben steht mit der evangelischen Peterskirche ein zweites, erheblich älteres Gotteshaus. Beide Kirchen spiegeln unterschiedliche Epochen und konfessionelle Traditionen der Stadt Traben-Trarbach wider.
Die katholische Gemeinde in Traben
Die Geschichte der katholischen Gemeinde in Traben-Trarbach ist eng mit den konfessionellen Veränderungen seit dem 16. Jahrhundert verbunden. Mit der Reformation veränderten sich die kirchlichen Verhältnisse an der Mittelmosel grundlegend. Die katholische Gemeindechronik nennt um 1550 das Erlöschen des katholischen Gemeindelebens.
Während der französischen Besatzung von 1687 bis 1697 bestand in Traben und Trarbach ein Simultaneum. Französische Franziskaner übernahmen die katholische Seelsorge. 1808 wurde die katholische Pfarrei Trarbach gegründet. Die dortige Kirche St. Nikolaus entstand nach dem Stadtbrand von 1857 und wurde 1875 eingeweiht.
Im benachbarten Traben erhielt die katholische Gemeinde 1911 ein eigenes Gotteshaus. St. Peter und Paul wurde als Filialkirche errichtet; eine eigenständige katholische Pfarrei Traben entstand nicht.
Der Kirchenneubau von 1910 bis 1912
St. Peter und Paul wurde zwischen 1910 und 1912 nach Entwürfen des Trierer Architekten Peter Marx (1871–1958) erbaut. Der Kirchenneubau fällt in die späte Phase des Historismus, in der mittelalterliche Bauformen für neue Sakralbauten aufgegriffen und weiterentwickelt wurden.
Die katholische Gemeindegeschichte nennt 1911 als Jahr, in dem Traben seine eigene Kirche erhielt. Der Neubau schuf für die katholischen Gläubigen des Ortsteils einen eigenständigen Gottesdienstraum.
Rundbögen, gegliederte Giebelflächen und plastisch ausgearbeitete Säulen greifen romanische Vorbilder auf. Die Verbindung dieser Elemente mit dem örtlichen Schiefermauerwerk verleiht der Kirche ihr charakteristisches Erscheinungsbild.
Peter Marx und die neuromanische Formensprache
Der Trierer Architekt Peter Marx gab St. Peter und Paul eine klar gegliederte, neuromanische Gestalt. Der seitlich an der Hauptfassade aufragende Turm, die gestuften Giebelformen und die offene Bogenhalle prägen die Ansicht vom unteren Kirchplatz. Der Aufgang führt in mehreren Stufen vom Außenraum zu den beiden Kirchenportalen.
Das Denkmalverzeichnis beschreibt den Bau als zweischiffige Pseudobasilika. Bei dieser Bauform ist das Mittelschiff gegenüber dem Seitenschiff erhöht, ohne einen eigenen, durchfensterten Obergaden auszubilden. Die repräsentative Westseite verbindet die hoch aufragende Turmarchitektur mit der vorgelagerten Arkadenhalle.
Schiefer als prägendes Baumaterial
Die Außenwände bestehen aus sichtbar belassenem Schiefermauerwerk. Flach gelagerte, unterschiedlich große Steine bilden zusammen mit den hellen Fugen einen lebhaften, horizontal betonten Verband. Der dunkle Stein prägt sowohl die mächtigen Wandflächen als auch die Strebepfeiler.
Hellere Werksteine fassen die Portalbögen und Fenster ein und bilden einen Kontrast zum Schiefer. Besonders an den Eingängen tritt die plastische Gestaltung von Säulen, Kapitellen und Bogenläufen hervor. Steinmaterial und Architekturornamentik sind aufeinander abgestimmt.
Der Kirchturm und seine Giebel
Der hoch aufragende, rechteckige Glockenturm steht seitlich neben dem Westgiebel. Seine unteren Geschosse besitzen nur schmale Öffnungen. Im oberen Bereich liegen rundbogige Schallöffnungen; ein steiler Giebel bildet den markanten Abschluss.
Von den schmalen Wegen an der Kirche zeigt sich das Verhältnis zwischen dem fast geschlossenen Turmschaft, den niedrigen Dachflächen der angrenzenden Gebäudeteile und den gegliederten Seitenwänden. Der Turm bleibt aus mehreren Blickrichtungen das bestimmende Bauteil.
Westfassade und Rundbogenarkaden
Eine offene Arkadenhalle liegt vor der Westfassade. Ihre breiten Rundbogenöffnungen bilden einen geschützten Übergang zwischen dem Kirchplatz, der Treppe und den beiden Portalen. Die Halle ist in demselben Schiefermauerwerk ausgeführt wie der übrige Kirchenbau.
Über der Vorhalle erhebt sich der gestufte Westgiebel. Ein rundbogiges Fenster mit heller Werksteineinfassung bildet den Mittelpunkt der oberen Fassadenfläche. Das Zusammenspiel von Giebel, seitlich angeordnetem Glockenturm und offener Bogenhalle erzeugt eine asymmetrische, kraftvolle Silhouette.
Freitreppe und überdachter Zugang
Der Hauptzugang führt über eine breite, steinerne Freitreppe. Vor der Kirche steht ein Kruzifix in einer niedrigen, aus Schiefer errichteten Mauernische. Dahinter steigen die Stufen zur offenen Arkadenhalle und zu den Kirchenportalen an.
Der obere Treppenabschnitt verläuft unter einer Holzdecke. Die seitlichen Rundbögen öffnen den Blick auf die Umgebung, während das Mauerwerk der Vorhalle den Aufgang einfasst.
Auf dem Vorplatz befindet sich der „Begehbare Rosenkranz“ der Künstlerin Christine Fröhlich. Die 2005 aus Kylltaler Sandstein geschaffene Arbeit umfasst zehn kreisförmig angeordnete Steine mit Sätzen des Ave-Maria sowie einen zusätzlichen Vater-Unser-Stein. Im Januar 2006 wurde das Werk vor der Kirche aufgestellt; die Einsegnung erfolgte im Februar 2006 durch Pfarrer Andreas Scherer und Diakon Karl-Heinz Lequen.
Zwei reich gegliederte Kirchenportale
Zwei reich gegliederte Rundbogenportale liegen nebeneinander in der Vorhalle. Ihre hellen Gewände sind mit ornamentierten Bogenläufen, schlanken Säulchen und plastisch gearbeiteten Kapitellen versehen. Geometrische Muster und stilisierte Pflanzenformen gehören zum neuromanischen Schmuckprogramm.
Zwischen den beiden Eingängen erhebt sich ein hervorgehobener Mittelpfeiler. Oberhalb der Säulen erscheint eine Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz und zwei flankierenden Figuren. Das Relief verbindet die beiden Portale zu einer gemeinsamen, religiös geprägten Eingangsfassade.
Ornamentik und Engelsfigur an den Säulen
Die Säulenkapitelle der Portalzone zeigen unterschiedliche Formen plastischen Schmuckes. Neben stilisierten Blättern und Blüten findet sich eine geflügelte Figur mit gefalteten Händen. Über den Kapitellen verlaufen ornamentierte Kämpferbänder mit wiederkehrenden Schmuckmotiven.
Die Kombination von Pflanzenornamenten, Säulenbündeln und figürlichen Reliefs greift Elemente der mittelalterlichen Romanik auf und fügt sie in die neuromanische Gesamtgestaltung des Kirchenbaus ein.
Die reich beschlagenen Holztüren
Die beiden Kirchenportale besitzen doppelflügelige Holztüren mit aufwendig gestalteten Metallbeschlägen. Breite, horizontal angeordnete Bänder aus Spiralen gliedern die Türflächen. In den mittleren Feldern liegen kreuz- und sternartig ausgreifende Schmuckformen mit ringförmigen Griffen.
Im oberen Bereich erscheinen strahlenförmige Rundmotive mit Gesichtern. Die reich verzierten Beschläge setzen den ornamentalen Charakter der steinernen Portalrahmen auf den Türflügeln fort.
Rundbogenfenster und Strebepfeiler
Hohe Rundbogenfenster gliedern die Seitenwände der Kirche. Zwischen den Öffnungen stehen kräftige Strebepfeiler, die das Schiefermauerwerk rhythmisch unterteilen. Die hellen Fenstergewände heben die Bogenformen deutlich von den dunkleren Wandflächen ab.
Die Verglasungen besitzen kleinteilige Bleifassungen mit geometrischen Feldern und einzelnen figürlichen Motiven. Die regionale Denkmaldatenbank unterscheidet die Glasfenster vom übrigen, weitgehend erhaltenen historischen Ausstattungsbestand.
Der polygonale Chorabschluss
Im Osten endet der Bau in einem polygonalen Chorabschluss. Die aus Schiefer gemauerten Wandflächen folgen einem mehrfach gebrochenen Grundriss. Ein hohes Rundbogenfenster belichtet den Chorbereich.
Die ruhige Gliederung des Chores mit schmalen Fenstern, klaren Mauerkanten und einer umlaufenden Dachlinie setzt die Formensprache der seitlichen Kirchenwände fort. Der Schwerpunkt der äußeren Bauplastik liegt dagegen an der reich gestalteten Westfassade.
Anbauten, Seitenwege und Grundstück
Entlang der Kirche verlaufen schmale Wege zwischen dem Sakralbau, den Grundstücksmauern und den angrenzenden Häusern. Niedrigere Nebengebäude mit Schieferdächern stehen in unmittelbarer Nähe der hohen Kirchenwände.
Gerade an den Seitenwegen treten die Mauerstruktur und die abgestuften Strebepfeiler deutlich hervor. Die engen Wege verdeutlichen die Einbindung des Kirchenbaus in die Bebauung des Moselortes.
Reliefplatten in der Vorhalle
An einer Bruchsteinwand der überdachten Vorhalle sind mehrere dunkle, reliefierte Tafeln befestigt. Die Stücke besitzen unterschiedliche Formate und zeigen figürliche Szenen, ornamental gerahmte Bildfelder und weitere plastisch ausgearbeitete Motive.
Die dicht beieinander angeordneten Reliefs setzen mit ihren dunklen Oberflächen einen eigenen Akzent vor dem kleinteiligen Schiefermauerwerk. Ihre bildlichen Darstellungen bereichern die Ausstattung der offenen Eingangshalle.
Das fränkische Gräberfeld am Bauplatz
Beim Bau von St. Peter und Paul wurde auf dem Grundstück ein fränkisches Gräberfeld entdeckt. Die Entdeckung wird sowohl in der regionalen Kulturgüterdatenbank als auch in der örtlichen Geschichtsdarstellung erwähnt.
Das Gräberfeld verweist auf eine Bestattungsnutzung des Areals, die lange vor dem Kirchenneubau des frühen 20. Jahrhunderts liegt. Damit verbindet sich die Geschichte des heutigen Gotteshauses mit einem frühmittelalterlichen Fundplatz in Traben.
Innenausstattung, Apsisbild und Renovierung
Zur historischen Innenausstattung zählt ein Apsisbild des Künstlers Franz Schilling. Die Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier führt das Werk ausdrücklich auf und beschreibt die ursprüngliche Kirchenausstattung mit Ausnahme der Glasfenster als erhalten.
Im Jahr 1975 wurde St. Peter und Paul renoviert. Die Kirche gehört weiterhin zum katholischen Gemeindeleben in Traben-Trarbach; der Förderverein St. Peter und Paul setzt sich für das Gotteshaus ein.
Die Kirche in der Kirchstraße
St. Peter und Paul steht in der Kirchstraße 39 im Ortsteil Traben. Die evangelische Peterskirche an der Kirchstraße 79 ist ein anderer Kirchenbau mit deutlich älteren Bauphasen. St. Peter und Paul entstand dagegen als katholische Filialkirche des frühen 20. Jahrhunderts.
Vom unteren Platz führt die Freitreppe zur erhöht gelegenen Westfassade. Entlang der Seitenwände verlaufen schmale Wege, von denen sich der Schieferbau mit seinen Rundbogenfenstern, Strebepfeilern und dem hohen Turm erschließt.
Häufige Fragen
Wo steht St. Peter und Paul in Traben?
In der Kirchstraße 39 im Stadtteil Traben der Stadt Traben-Trarbach an der Mosel.
Wann wurde die katholische Kirche gebaut?
Die amtliche Denkmalliste datiert den Neubau auf 1910 bis 1912. Die örtliche katholische Chronik nennt 1911 als Jahr, in dem Traben seine eigene Kirche erhielt.
Wer hat St. Peter und Paul entworfen?
Die regionale Denkmaldatenbank nennt den Trierer Architekten Peter Marx (1871–1958).
Zu welchem Baustil gehört die Kirche?
Sie ist ein neuromanischer Bau des frühen 20. Jahrhunderts. Das Denkmalverzeichnis bezeichnet sie als zweischiffige Pseudobasilika aus Schiefer.
Was wurde beim Bau der Kirche entdeckt?
Beim Neubau wurde nach Angaben der regionalen Kulturgüterdatenbank ein fränkisches Gräberfeld auf dem Grundstück entdeckt.
Was zeigen die Reliefplatten in der Vorhalle?
In der Arkadenhalle sind mehrere dunkle, reich reliefierte Tafeln mit Figuren, Bildfeldern und ornamentalen Rahmungen an der Bruchsteinwand angebracht.
Gibt es einen bekannten Künstler für die Innenausstattung?
Die regionale Kulturgüterdatenbank nennt den Künstler Franz Schilling als Urheber eines Apsisbildes.
Ist die evangelische Peterskirche dasselbe Gebäude?
Nein. Die evangelische Peterskirche steht in der Kirchstraße 79 und besitzt wesentlich ältere Bauphasen. St. Peter und Paul in der Kirchstraße 39 wurde zwischen 1910 und 1912 neu errichtet.
Quellen und Literatur
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Denkmalverzeichnis Kreis Bernkastel-Wittlich, „Traben-Trarbach – Traben: Katholische Kirche St. Peter und Paul“, Kirchstraße 39, Stand 3. Juli 2024. Quelle aufrufen
- Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier. „Sankt Peter und Paul“, Objekt 377, nach Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Rheinland-Pfalz/Saarland (1984); Angaben zu Peter Marx, Bauzeit und Apsisbild. Quelle aufrufen
- Pfarrei Mittlere Mosel. „Traben-Trarbach“, kirchengeschichtliche Kurzchronik mit dem Kirchenneubau 1911 und der Renovierung 1975. Quelle aufrufen
- Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier. „Fränkisches Gräberfeld“, Objekt 14651, Kirchstraße, Traben; Fundhinweis zum Kirchenneubau. Quelle aufrufen
- Moselregion Traben-Trarbach Kröv / Outdooractive. „Katholische Peter und Paul Kirche Traben“, touristischer Objekteintrag zum Kirchenneubau und zum entdeckten Gräberfeld. Quelle aufrufen
- Christine Fröhlich. „Begehbarer Rosenkranz“, Werk aus Kylltaler Sandstein von 2005, Aufstellung vor St. Peter und Paul im Januar 2006 und Einsegnung im Februar 2006. Quelle aufrufen
Fotografien: © The Camino History.
