The Camino History · Sakralbauten an der Mosel

Evangelische Peterskirche in Traben

Romanische Ursprünge, zwei gotische Chöre und eine gewachsene Baugeschichte zwischen Mittelalter und Moderne.

Evangelische Peterskirche in Traben mit schiefergedecktem Turm und zwei weiß verputzten Giebeln
Peterskirche · Traben · © The Camino History
1007Erste urkundliche Erwähnung laut Tourismusinformation
1491Spätgotischer Umbau
1524Hoher Turmhelm
1968/69Neuspätgotische Erweiterung
01 · Einführung

Evangelische Peterskirche in Traben

Die evangelische Peterskirche steht im Stadtteil Traben der Doppelstadt Traben-Trarbach. Ihr Baukörper vereint ältere romanische Bestandteile mit einer weitreichenden spätgotischen Umgestaltung. Vor allem der hoch aufragende Turmhelm, die mehrfach gegliederten Chöre und die charakteristischen Spitzbogenfenster prägen ihr Bild.

Die Kirche ist kein einheitlich in einer Epoche errichtetes Gebäude. Romanische Teile des Turms, die Erweiterungen des 15. und 16. Jahrhunderts sowie jüngere Eingriffe machen unterschiedliche Bauphasen sichtbar. In dieser Entwicklung spiegelt sich zugleich die Geschichte einer Gemeinde, deren Gotteshaus über längere Zeit von zwei Konfessionen genutzt wurde.

OrtTraben · Traben-Trarbach
AdresseKirchstraße 79
BaugestaltRomanischer Kern · Spätgotik
DenkmalstatusIm amtlichen Denkmalverzeichnis
02 · Lage

Kirche und historischer Ortskern

Die Peterskirche liegt in der Kirchstraße 79 im älteren Siedlungsbereich von Traben. Der umgebende Kirchhof und die Stützmauern bilden mit dem Gotteshaus ein zusammenhängendes historisches Ensemble. Von der Straße öffnet sich der Blick auf den westlichen Turm und die unterschiedlich hohen Baukörper der Kirche.

Die Lage macht deutlich, dass das Gebäude nicht nur für Gottesdienste Bedeutung besaß, sondern zugleich Teil der öffentlichen und sozialen Geschichte des Ortes war. Der Kirchhof ist als Begräbnis- und Erinnerungsraum überliefert; die amtliche Denkmalliste nennt ausdrücklich umfriedete Gräberfelder im Umfeld der Kirche.

03 · Ursprünge

Von der frühen Überlieferung zur romanischen Kirche

Die regionale Tourismusinformation nennt 1007 als Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung der Kirche. Die Kulturgüterdatenbank führt für die Trabener Kirchengeschichte zudem ältere Nachrichten über kirchliche Rechte und Besitzverhältnisse an. Die Angaben beschreiben unterschiedliche Ebenen der Überlieferung und sind nicht mit einem exakt feststehenden Gründungsdatum gleichzusetzen.

Um 1100 bestand nach der regionalgeschichtlichen Beschreibung eine romanische Peterskirche. Aus dieser Bauphase beziehungsweise aus ihrem romanischen Bestand hat sich der Turm in Teilen erhalten. So ist die mittelalterliche Geschichte des Bauwerks bis heute nicht nur über Quellen, sondern auch über seine Architektur fassbar.

Die Pfarrkirche hatte nach der älteren Darstellung einen größeren Einzugsbereich: Zur Pfarrei zählten zeitweise neben Traben auch Trarbach, Rißbach, Irmenach, Beuren und Starkenburg. Die Kirche gehörte damit zu einem kirchlichen Zusammenhang, der über den unmittelbaren Ort hinausreichte.

04 · Romanik

Der ältere Turmkern

Zu den wichtigsten baulichen Zeugnissen der frühen Kirche gehört der Turmkern. Die Kulturgüterdatenbank ordnet ihn bis zur Glockenstube dem romanischen Vorgängerbau zu. An den verschieden gestalteten Öffnungen und der massiven, schlicht verputzten Wandfläche lässt sich die lange Baugeschichte des Turms besonders gut nachvollziehen.

Die romanischen Bauteile stehen heute in einem veränderten Gesamtbau. Ihre historische Bedeutung erschließt sich daher vor allem im Vergleich zur jüngeren gotischen Architektur der übrigen Kirche. Die Verbindung verschiedener Epochen ist eines der prägenden Merkmale der Peterskirche.

Romanische und später veränderte Öffnungen am Kirchturm. © The Camino History
05 · Gotik

Zwei Chöre aus unterschiedlichen Bauphasen

Nach der regionalen Baugeschichtsschreibung wurde der ursprünglich romanische Hauptchor um 1400 gotisch verändert. 1459 folgte ein zweiter Chor. Die beiden polygonalen Chorbauten besitzen voneinander getrennte Dächer und bleiben dadurch auch von außen als eigenständige Teile erkennbar.

Ihre hohen Fenster und die kantigen Abschlüsse zeigen die Hinwendung zur gotischen Bauform. Die Baukörper wirken aus der Nähe besonders vielgestaltig, weil sich Wandflächen, Dachlinien und schmale Fensterachsen mehrfach überschneiden.

Anders als bei vielen regelmäßigen mittelalterlichen Kirchen ist die Choranlage hier also nicht nur ein einzelner einheitlicher Abschluss: Die Erweiterungen haben einen historisch gewachsenen Doppelchor entstehen lassen.

Die gestaffelten, polygonalen Chorteile der Peterskirche. © The Camino History
06 · Spätgotik

Die grundlegende Umgestaltung von 1491

Der Umbau von 1491 prägt die Peterskirche bis heute. Nach dem amtlichen Denkmalverzeichnis wurde das spätromanische Langhaus durch einen zweischiffigen Einstützenraum ersetzt. Als Architekt nennt die Denkmalliste Jost Murer, der auch unter der Namensform Joist Murer überliefert ist.

Die regionalgeschichtliche Darstellung beschreibt die Erweiterung durch ein nördliches Seitenschiff. Dadurch erhielt der zuvor anders gegliederte Raum die Gestalt einer zweischiffigen Hallenkirche. Im Unterschied zu einer dreischiffigen Basilika bestimmt hier die Kombination zweier Schiffe die Raumorganisation.

Der spätgotische Umbau ist nicht mit dem vollständigen Neubau der Kirche gleichzusetzen: Der ältere Turm blieb bestehen, während andere Teile verändert oder ergänzt wurden. Diese Mischung erklärt, warum romanische und gotische Merkmale an einem einzigen Gebäude zusammentreffen.

07 · Architektur

Dachlandschaft, Giebel und Maßwerk

Die Peterskirche besitzt eine ungewöhnlich bewegte Dachlandschaft. Über den beiden Chören liegen getrennte Dächer, während die Kirchenschiffe unter einer zusammenhängenden Dachkonstruktion stehen. Die unterschiedlich gerichteten Dachflächen und spitzen Giebel lassen die komplexe Gliederung des Baus von der Straße aus erkennen.

Rot eingefasste Spitzbogenfenster mit Maßwerk durchbrechen die hell verputzten Außenwände. Der Farbkontrast zwischen Fenstergewänden, weißen Wandflächen und dunklem Schieferdach ist ein markantes Kennzeichen des heutigen Erscheinungsbildes.

Die Formen vermitteln trotz späterer Eingriffe weiterhin die Grundzüge der spätgotischen Architektur: hohe Fenster, mehrfach geknickte Grundrisse und steil aufragende Dächer.

Gesamtansicht der Peterskirche von der Straße. © The Camino History
08 · 16. Jahrhundert

Der Turmhelm von 1524

Der schlanke, steile Turmhelm wurde nach der regionalen Überlieferung 1524 von Meister Peter errichtet. Damit erhielt der ältere Turm jene weithin sichtbare Silhouette, die das Erscheinungsbild der Peterskirche noch heute bestimmt.

Der hohe, schiefergedeckte Helm steht über dem vergleichsweise massiven Turmschaft. Diese deutliche Zweiteilung macht den Übergang von romanischem Unterbau und spätmittelalterlicher Weiterentwicklung anschaulich.

Die Verbindung aus mittelalterlichem Mauerwerk und späterem Helm bildet eine architektonische Zeitachse: An einem einzigen Bauteil lässt sich nachvollziehen, dass der Bau über Jahrhunderte hinweg verändert wurde, ohne seine ältere Substanz vollständig zu verlieren.

Die steile Turmspitze prägt das Erscheinungsbild der Kirche. © The Camino History
09 · Kirchengeschichte

Reformation und gemeinsame Kirchennutzung

Die Kulturgüterdatenbank verzeichnet die Einführung der Reformation 1557 unter Herzog Friedrich dem Frommen. Damit änderte sich die konfessionelle Zugehörigkeit der Gemeinde und die Nutzung des überkommenen Kirchengebäudes.

Von 1687 bis 1890 war die Peterskirche nach der örtlichen Überlieferung eine Simultankirche. Evangelische und katholische Christen nutzten in dieser Zeit dasselbe Gotteshaus. Der Begriff bezeichnet eine gemeinsame Nutzung durch verschiedene Konfessionen; er bedeutet nicht, dass es keinerlei Spannungen oder wechselnde Nutzungsregelungen gegeben hätte.

Nach der Aufhebung des Simultaneums wurde die Kirche wieder ausschließlich evangelisch genutzt. Die Geschichte dieser Phase gehört zur besonderen historischen Bedeutung der Peterskirche, weil sie den Umgang mit kirchlichen Räumen in einer konfessionell vielfältigen Region verdeutlicht.

10 · 19. und 20. Jahrhundert

Erneuerung und Erweiterung

Im Anschluss an die Beendigung der gemeinsamen Kirchennutzung gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten nach der regionalen Darstellung Renovierungsarbeiten und die Anlage einer Vorhalle. Die Eingangssituation macht damit auch einen jüngeren Abschnitt der Baugeschichte sichtbar.

Ein weiterer erheblicher Eingriff ist für 1968/69 dokumentiert. Das amtliche Denkmalverzeichnis beschreibt eine neuspätgotische Erweiterung. Die Verwendung historisierender Formen zeigt, dass man den jüngeren Bauabschnitt bewusst an das ältere Erscheinungsbild anpasste.

Gerade diese Bauphase verdeutlicht den Unterschied zwischen spätgotischer Originalsubstanz und späteren Ergänzungen im spätgotischen Formenvokabular. Nicht jedes Spitzbogenfenster muss daher aus dem 15. Jahrhundert stammen.

Die Eingangsvorhalle mit zweiflügeliger Holztür. © The Camino History
11 · Kunst und Ausstattung

Überlieferte Ausstattung des Kircheninneren

Die regionalgeschichtliche Beschreibung überliefert für die Peterskirche mehrere bedeutende Ausstattungsstücke. Genannt werden unter anderem ein Taufstein, der um 1200 datiert wird, Wappenschlusssteine im Gewölbe und eine Orgeltradition, die mindestens bis in die Frühe Neuzeit zurückreicht.

Als weiteres Zeugnis der jüngeren Ausstattung nennt die Quelle eine im Zusammenhang mit dem Umbau des 20. Jahrhunderts geschaffene Bronzekanzel in Form eines Schiffskiels. Auch die Geschichte des Geläuts und der Orgel ist in der regionalen Literatur dokumentiert.

Diese überlieferten Objekte ergänzen die von außen erkennbare Baugeschichte um die Ausstattungsschichten des Kirchenraums. Sie zeigen, dass sich die Peterskirche nicht nur durch An- und Umbauten, sondern auch durch ihre liturgischen und künstlerischen Gegenstände über die Jahrhunderte veränderte.

12 · Denkmalumfeld

Der historische Kirchhof und seine Grabdenkmäler

Der historische Kirchhof gehört unmittelbar zur Peterskirche. Die amtliche Denkmalliste nennt die umfriedeten Gräberfelder ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Kirchenbau. Kirche, Kirchhof und Stützmauern bilden damit ein zusammenhängendes historisches Ensemble.

Auf dem Gelände sind unterschiedliche Formen des Totengedenkens erhalten. An den Kirchenwänden befinden sich beschriftete Sandsteinplatten mit Wappendarstellungen; auf dem Kirchhof stehen eiserne und steinerne Grabkreuze sowie weitere Grabsteine. Sie veranschaulichen die Entwicklung der Grabmalsgestaltung und die Erinnerungskultur im Umfeld der Kirche.

Inschrifttafeln und Wappensteine

Zwei Sandsteinplatten an einer weiß verputzten Wand tragen vertiefte Schriftfelder und heraldischen Schmuck. Zu sehen sind unter anderem ornamentierte Wappenschilde. Die erhaltenen Oberflächen zeigen altersbedingte Veränderungen und stellenweise schwer lesbare Schriftzüge.

Grabkreuze auf dem Kirchhof

Zu den sichtbaren Denkmälern gehören drei schlanke Eisenkreuze mit reich gegliederten Kreuzarmen. Daneben steht ein steinernes Grabdenkmal mit Kruzifix und eingelassener Inschrifttafel. Ein weiterer Stein besitzt einen giebelartigen Abschluss mit aufgesetztem Kreuz und floralem Ornament.

Kirche und Begräbnisplatz als Ensemble

Wege, Treppen, Mauern und einzelne Denkmäler verknüpfen den Kirchhof unmittelbar mit der Peterskirche. Die erhaltenen Zeugnisse dokumentieren die frühere Bedeutung des Begräbnisplatzes für das Gemeindeleben und gehören zur Geschichte des Kirchenstandorts.

13 · Einordnung

Eine Kirche mit vielen Bauzeiten

Der Denkmalwert der Peterskirche liegt in der erkennbaren Abfolge ihrer Bauphasen. Romanische Bestandteile des Turms, die gotische Umgestaltung der Chöre, der Umbau von 1491, der Turmhelm von 1524 und die baulichen Ergänzungen des 19. und 20. Jahrhunderts sind Bestandteile eines gewachsenen Ganzen.

Für die regionale Architekturgeschichte ist besonders die zweischiffige Anlage von Bedeutung. Sie verbindet die Peterskirche mit anderen mittelalterlichen Kirchen entlang der Mosel, die ebenfalls durch mehrphasige Erweiterungen geprägt wurden.

Die Nutzung als Simultankirche ergänzt den baugeschichtlichen Befund um ein konfessionsgeschichtliches Kapitel. Architektur und Ortsgeschichte lassen sich hier deshalb nicht voneinander trennen.

14 · Standort

Die Kirche in Traben-Trarbach

Die Peterskirche befindet sich in der Kirchstraße 79, 56841 Traben-Trarbach. Sie liegt im Stadtteil Traben und ist von der evangelischen Kirche im Stadtteil Trarbach zu unterscheiden.

Auch die katholische Kirche St. Peter und Paul in Traben ist ein eigenständiger Bau; sie wurde erst im frühen 20. Jahrhundert errichtet. Die gleichartigen Patrozinien sind daher kein Hinweis auf ein gemeinsames Kirchengebäude.

Die Mosellandtouristik führt die Peterskirche als Sehenswürdigkeit. Besuchs- und Öffnungszeiten können sich ändern und werden auf der jeweiligen Informationsseite bekanntgegeben.

15 · Wissenswertes

Häufige Fragen zur Peterskirche

Wo steht die evangelische Peterskirche?

In der Kirchstraße 79 im Stadtteil Traben der Stadt Traben-Trarbach an der Mosel.

Aus welcher Zeit stammt die Kirche?

Der Bau besitzt ältere romanische Bestandteile. Die prägende spätgotische Umgestaltung erfolgte 1491; weitere Bauphasen reichen bis in das 20. Jahrhundert.

Wer war am Umbau von 1491 beteiligt?

Das amtliche Denkmalverzeichnis nennt Jost Murer als Architekten der spätgotischen Bauphase.

Wann erhielt der Turm seine hohe Spitze?

Der überlieferte Turmhelm wurde 1524 von einem Meister Peter errichtet.

War die Peterskirche zeitweise katholisch und evangelisch?

Ja. Nach der örtlichen Überlieferung wurde das Gotteshaus zwischen 1687 und 1890 von beiden Konfessionen als Simultankirche genutzt.

Gibt es historische Grabdenkmäler an der Kirche?

Ja. Im historischen Kirchhof sind Grabsteine und Grabkreuze erhalten. Die fotografischen Ansichten gehören zur Historischen Grabmalgalerie.

16 · Quellen

Quellen und Literatur

Die historischen Angaben sind anhand der amtlichen Denkmalliste, regionaler Denkmalbeschreibungen und ergänzender Literatur- und Archivnachweise zusammengestellt.

  1. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Denkmalverzeichnis Kreis Bernkastel-Wittlich, Eintrag „Ev. Pfarrkirche Kirchstraße 79“, S. 80; Landesdenkmalliste (Stand 3. September 2020). Nachweis ansehen
  2. Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier. „Evangelische Kirche“, Traben, Kirchstraße; Auswertung einer Informationstafel und des Kirchenführers von Dieter Diether, mit Bauphasen und Ausstattung. Nachweis ansehen
  3. Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier. „Evangelische Kirche – Grabsteine“, Traben, Kirchstraße; Quelle zur historischen Kirchhofanlage. Nachweis ansehen
  4. Mosellandtouristik / VisitMosel. „Evangelische Peterskirche Traben“: Standort, ältere Baugeschichte, Datierungen 1007 und 1491. Nachweis ansehen
  5. Hermann Kießling. „Zur Baugeschichte der St.-Peters-Kirche in Traben 1516 und 1524“, Jahrbuch für den Kreis Bernkastel-Wittlich 1990, S. 109–115 (bibliographischer Nachweis). Nachweis ansehen
  6. Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland. Findbuch zum Gemeindearchiv Traben-Trarbach-Wolf, Bestände zur Geschichte der Peterskirche und zur Urkunde von 1491 (archivalischer Bestandsnachweis). Nachweis ansehen

Bildnachweis: The Camino History · Fotografien der evangelischen Peterskirche in Traben.

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