Trarbach – Evangelische Kirche (ehemals St. Nikolaus)
Eine mittelalterliche Kirche über der Mosel: gotische Chöre, Sponheimer Grablege, Reformationsgeschichte, Stumm-Orgel und historische Grabdenkmäler.

Eine gotische Kirche über Trarbach
Die evangelische Kirche erhebt sich über der historischen Ortslage von Trarbach auf dem als „Kästel“ bezeichneten Höhenbereich. Von unten erschließt eine lange, zwischen Bruchsteinmauern geführte Treppe den Kirchenstandort. Der Aufstieg führt aus dem Talraum zur Kirche und macht bereits die besondere Lage des Bauwerks sichtbar. In der regionalen Beschreibung ist von 91 Stufen die Rede.
Der weiß verputzte Kirchenbau mit rot abgesetzten Werksteingewänden, steilen Schieferdächern und dem schlanken Turm ist aus unterschiedlichen Bauzeiten hervorgegangen. Gotische Teile des Langhauses, spätmittelalterliche Gewölbe und nach dem Stadtbrand des 19. Jahrhunderts erneuerte Bauteile bestimmen gemeinsam sein Erscheinungsbild. Die Baugeschichte der Kirche ist damit eng mit der Entwicklung Trarbachs als sponheimischem Verwaltungsort verbunden.
Heute ist das Gotteshaus eine evangelische Kirche. Sein mittelalterliches Patrozinium war jedoch dem heiligen Nikolaus gewidmet. Die überlieferte Bezeichnung „Nikolauskapelle“ verweist auf die Anfänge des Baus und unterscheidet ihn sowohl von der evangelischen Peterskirche in Traben als auch von der späteren katholischen Nikolauskirche in Trarbach.
Trarbach und die Hintere Grafschaft Sponheim
Trarbach entwickelte sich im Mittelalter zu einem wichtigen Sitz der Hinteren Grafschaft Sponheim. Die Grafen prägten die Siedlung durch die nahe Grevenburg, durch Verwaltungsfunktionen und durch ihre kirchliche Repräsentation. Die herausgehobene Stellung des Ortes wirkte sich auch auf den Ausbau der mittelalterlichen Nikolauskapelle aus.
Die Grafschaft war kein geschlossenes Territorium eines einzelnen späteren Landesherrn. Nach dem Ende des älteren Grafenhauses wurde sie von erbberechtigten Fürstenlinien gemeinschaftlich beherrscht. Das erklärt die komplizierte konfessionelle und herrschaftliche Entwicklung der Region in der Neuzeit.
Von der Kirche aus lässt sich somit ein wesentlicher Abschnitt der Trarbacher Geschichte erzählen: der Übergang von der herrschaftlichen Kapelle zur gotisch erweiterten Kirche, ihr Rang als Begräbnisort und später ihre Stellung im evangelischen Kirchenwesen der Mittelmosel.
1330 – die Nikolauskapelle
Im Jahr 1330 erscheint das Gotteshaus in der Überlieferung als Nikolauskapelle. Zu dieser Zeit war es kirchlich mit der Peterskirche im benachbarten Traben verbunden. Beide Orte bildeten unterschiedliche Siedlungsräume an der Mosel, besaßen jedoch gemeinsame ältere kirchliche Beziehungen.
Das Nikolauspatrozinium steht in der Tradition mittelalterlicher Heiligenverehrung. Der heilige Nikolaus von Myra wurde besonders als Fürsprecher von Reisenden und Schiffern verehrt. Im Handels- und Verkehrsraum der Mosel berührt das Nikolauspatrozinium auch die religiösen Traditionen von Schiffern, Reisenden und Kaufleuten.
Im Laufe des 14. Jahrhunderts gewann die Kapelle erheblich an Bedeutung. Aus dieser Zeit stammen Teile des mittelalterlichen Kirchenbaus; eine Baunachricht aus dem Jahr 1379 dokumentiert den weiteren Ausbau.
Die Erweiterungen unter den Grafen von Sponheim
Im späten 14. Jahrhundert veranlasste Graf Johann III. von Sponheim den Ausbau der Kirche. Die regionale Bauüberlieferung verbindet diese Erweiterungen mit dem wachsenden Rang Trarbachs. Ein wesentlicher Teil der Bauentwicklung betraf die Chorbereiche: Dem älteren Nordchor wurde ein größerer Südchor zur Seite gestellt.
Ein mehrschiffiger, in verschiedene Bauabschnitte gegliederter Sakralbau war Ausdruck sowohl des gewachsenen Platzbedarfs als auch adeliger Repräsentation. Die Chöre dienten dem liturgischen Geschehen und boten zugleich einen besonderen Rahmen für Herrschaftsgedenken und Begräbniswesen. Der Bau ist dadurch ein Beispiel für die enge Verbindung von Sakralarchitektur und Territorialgeschichte.
Die Unterstützung des Bauvorhabens wird in der Überlieferung außerdem mit einem päpstlichen Ablassbrief verbunden. Solche Ablassvergünstigungen konnten im Spätmittelalter als Mittel der Baufinanzierung und Stiftungspraxis eine wichtige Rolle spielen.
Das spätgotische Gewölbe von 1491
Eine zentrale Zäsur der Baugeschichte ist das Jahr 1491. Damals entstand das noch heute prägende gotische Gewölbe der Kirche. Die Maßnahme gehört in eine Phase bedeutender kirchlicher Bautätigkeit im Moselraum; auch die evangelische Peterskirche auf der gegenüberliegenden Moselseite wurde 1491 umfassend verändert.
Gotische Gewölbe gaben dem Kirchenraum nicht allein eine neue räumliche Gliederung. Sie ermöglichten außerdem eine reiche Ausbildung von Rippen, Schlusssteinen und Konsolen, in denen sich liturgische, repräsentative und heraldische Programme verbinden konnten. Ein Gewölbeschlussstein der Trarbacher Kirche trägt das Wappen der Grafen von Sponheim.
Die verschiedenen Giebel, die vielgestaltigen Dachflächen und die unterschiedlich großen Fensteröffnungen lassen auch am heutigen Außenbau die komplexe Baugeschichte erkennen. Es handelt sich nicht um einen in einem einzigen Bauzug entstandenen Sakralbau, sondern um das Resultat mehrerer Jahrhunderte.

Jost Murer, Claes Murer und die Westvorhalle
Für die Jahre 1518 und 1519 ist die Errichtung der westlichen Vorhalle durch den Baumeister Jost Murer und seinen Sohn Claes überliefert. Der Name Murer gehört damit ausdrücklich zur Baugeschichte der Kirche. Auch in der Umgebung wirkten im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit Bauleute, die an Kirchen, Klöstern und repräsentativen Steingebäuden arbeiteten.
Die Westvorhalle besitzt ein Netzgewölbe und steht für die entwickelte spätgotische Werksteinarchitektur des frühen 16. Jahrhunderts. Der überdachte Zugangsbereich bildete den Übergang vom öffentlichen Raum zum Kircheninneren. Mit der qualitätvollen Gewölbeausbildung erhielt auch diese Schwelle eine architektonische Auszeichnung.
Die Bautätigkeit an der Nikolauskirche setzte sich nach der Gewölbeerneuerung von 1491 fort. Zwischen 1509 und 1523 sind weitere Arbeiten überliefert. In diesen Zeitraum fällt auch die historische achteckige Kanzel aus Stein, die bis heute zur bedeutenden Ausstattung des Gotteshauses gehört.
Zweigieblige Front und Maßwerkfenster
An der Fassade bilden mehrere steil ansteigende Giebel eine markante Silhouette. Rot gefasste Spitzbogenfenster, kleine Rundöffnungen und die differenzierten Dachanschlüsse verstärken die vertikale Gliederung. Die heutige zweigieblige Westfront gehört zu den Veränderungen des Wiederaufbaus im 19. Jahrhundert.
An den Fenstern treten gotische Maßwerkformen besonders deutlich hervor. Schlanke Teilungsstäbe gliedern die Öffnungen; im oberen Bereich verzweigen sie sich zu ornamentalem Steinwerk. Ihre Formen verbinden die Außenansicht der Kirche mit ihrer spätmittelalterlichen Baugeschichte.
Die Fassaden sind hell verputzt; die rot abgesetzten Fenstergewände und die mit Schiefer gedeckten Dachflächen schaffen eine kontrastreiche Wirkung. Strebepfeiler sichern und gliedern die seitlichen Wandflächen.
Der Kirchturm nach dem Brand von 1857
Der Kirchturm gehört zu den weithin sichtbaren Merkmalen des Kirchenbaus. Er trägt eine Uhr, eine hohe, schlanke Schieferhaube und darüber einen Wetteraufsatz. Die heutige Gestalt ist wesentlich vom Wiederaufbau nach dem großen Trarbacher Stadtbrand des Jahres 1857 geprägt.
Die Brandkatastrophe vernichtete den oberen Teil des Kirchturms und das Dach der Kirche. Auch die damaligen Glocken schmolzen in den Flammen. Die anschließende Wiederherstellung wurde 1876 abgeschlossen und veränderte das Äußere des Bauwerks nachhaltig.
In der Turmstube befinden sich nach der historischen Beschreibung drei Bronzeglocken, deren Gewichte mit 32, 24 und 16 Zentnern angegeben werden. Neben dem Geläut prägt vor allem die Turmuhr die Sicht auf die Kirche vom Treppenaufgang her.

21. Juli 1857 – der große Brand von Trarbach
Am 21. Juli 1857 begann in Trarbach ein verheerender Stadtbrand. Unter schwierigen Löschbedingungen breitete sich das Feuer durch die dichte Bebauung aus. Zeitgenössische Nachrichten berichteten von ungefähr 250 zerstörten Häusern und ausdrücklich auch von der schwer beschädigten Kirche.
Die Katastrophe veränderte den Stadtkern und die Kirche tiefgreifend. Dächer und Bauteile mussten erneuert werden. Für die Nikolauskirche bedeutete die Wiederherstellung nicht die vollständige Rekonstruktion des früheren Erscheinungsbildes; die Turmgestalt und die Westfront erhielten neue Formen.
Der 1876 beendete Wiederaufbau fällt in eine Zeit, in der sich auch die konfessionelle Nutzung der Trarbacher Kirchen neu ordnete. So lassen sich Baugeschichte, Stadtgeschichte und Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts an diesem Ort nicht voneinander trennen.
Die Einführung der Reformation 1557
Im Jahr 1557 wurde die Reformation in der Hinteren Grafschaft Sponheim durch landesherrliche Anordnungen vorangetrieben. Herzog Friedrich II. von Pfalz-Simmern beauftragte am 16. Juli 1557 den Trarbacher Oberamtmann Friedrich von Schönburg mit der Neuordnung von Predigt, Lehre und kirchlichem Leben. Eine Visitation erfasste die Gemeinden des Herrschaftsgebiets.
Bei der Neuordnung wurden Gottesdienst und Seelsorge an der evangelischen Lehre ausgerichtet. Die Verbindungen zwischen landesherrlicher Verwaltung und kirchlicher Organisation waren besonders eng. Trarbach nahm als Amtssitz eine wichtige Rolle ein; später wurde der Ort auch Zentrum evangelischer Aufsichtsfunktionen in der Region.
Eine weitere Visitation folgte 1560 unter Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken. Die Hintere Grafschaft Sponheim entwickelte eine lutherische Tradition, die sich in der konfessionellen Landschaft des Hunsrücks und der Mosel von benachbarten reformierten Gebieten unterschied.
Zwei Konfessionen unter einem Kirchendach
In der frühen Neuzeit änderte sich die konfessionelle Nutzung der früheren Nikolauskirche mehrfach. Nach den religiösen und politischen Umbrüchen des 17. Jahrhunderts wurde sie über lange Zeit von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam genutzt. Für die Phase der geregelten gemeinsamen Nutzung wird in der regionalen Überlieferung der Zeitraum von 1697 bis 1875 genannt.
Diese gemeinsame Kirchennutzung wird als Simultaneum bezeichnet. Sie stellte die Gemeinden vor praktische Fragen zu Gottesdienstzeiten, Ausstattung und Rechten an demselben Gebäude. In Trarbach wurde die Auseinandersetzung um die kirchlichen Räume schließlich durch den Bau einer eigenen katholischen Nikolauskirche gelöst.
Die neue katholische Kirche St. Nikolaus wurde 1875 eingeweiht. Die historische Nikolauskirche blieb danach in alleiniger evangelischer Nutzung. So existieren in Trarbach eine alte, heute evangelische Kirche mit ursprünglichem Nikolauspatrozinium und ein jüngerer katholischer Kirchenbau gleichen Patroziniums.
Kanzel, Chöre und historische Gewölbeschmuckformen
Zur bedeutenden erhaltenen Ausstattung der Kirche zählt eine achteckige Steinkanzel, deren Entstehung in die Bauphase zu Beginn des 16. Jahrhunderts fällt. Als Predigtort erhielt sie nach der Reformation zusätzliche Bedeutung im evangelischen Gottesdienst. Die Kanzel steht zugleich für die lange Dauer der spätgotischen Steinmetzarbeit am Bau.
Im Südchor ruht das Gewölbe auf fünf figürlich gestalteten Konsolen. Drei davon werden in der lokalen Überlieferung als „der Beter“, „der Gähnende“ und „der Schlafende“ beschrieben. Diese charaktervollen Steinmasken verbinden humorvolle und moralisierende Züge mit der architektonischen Funktion der Gewölbeauflager.
Bei einer Innenrenovierung wurden 1973 Blumenornamente aus der Zeit um 1350 freigelegt und restauriert. Sie ergänzen die Bauzeugnisse der Gotik um die Ebene mittelalterlicher Wandgestaltung. Die Kirche bewahrt damit nicht nur konstruktive, sondern auch dekorative Spuren ihrer frühen Geschichte.
Die Stumm-Orgel von 1750
Die Trarbacher Orgel ist ein wichtiges Zeugnis der Orgelbaukunst des Hunsrücks. Das Instrument stammt von Johann Nikolaus Stumm aus Kastellaun und wird auf das Jahr 1750 datiert. Es besitzt ein reich geschnitztes Gehäuse aus der Rokokozeit und ist ein bedeutsamer Bestandteil der Kirchenmusikgeschichte an der Mittelmosel.
Die Werkstatt Stumm prägte über Generationen den Orgelbau zwischen Hunsrück, Nahe, Rhein und Mosel. Ihre Instrumente verbanden regionale Klangtraditionen mit einer charakteristischen Prospektgestaltung und ausgefeilten Dispositionen. Das Trarbacher Werk zählt zu den historischen Orgeln der zweiten Generation der Familie.
Das Instrument erfuhr im Laufe seiner Geschichte verschiedene Eingriffe. Die Firma Orgelbau Müller in Merxheim führte 2009 bis 2011 eine umfassende Restaurierung durch. In ihrer Referenzliste wird die Trarbacher Orgel als Werk von Johann Niclas Stumm aus dem Jahr 1750 mit zwei Manualen und Pedal geführt.
Emporen und Umbauten des 20. Jahrhunderts
Zur Wiederherstellung des 19. Jahrhunderts gehörte auch der Einbau einer großen Orgelempore. Die Veränderung reagierte auf die Bedürfnisse der damaligen Gottesdienstgestaltung und prägte über Jahrzehnte die Wahrnehmung des Innenraums.
Beim Umbau von 1935 wurde diese Empore wieder entfernt. Für die Orgel wurde ein eigener Anbau geschaffen. Diese Veränderungen zeigen, wie eng Liturgie, Kirchenmusik und Raumorganisation miteinander verbunden sind. Auch ein mittelalterlicher Kirchenbau blieb im Verlauf der Neuzeit ein veränderbarer Nutzungsraum.
Die Restaurierungen des 20. und 21. Jahrhunderts schufen zugleich Voraussetzungen dafür, mittelalterliche Ausstattung, Wandmalerei und historische Orgelbausubstanz wieder stärker wahrzunehmen.
Die Grablege Johanns V. von Sponheim
Eine herausragende Bedeutung besaß die Kirche als Grablege des letzten Grafen aus dem älteren Haus Sponheim. Graf Johann V. von Sponheim starb am 24. Oktober 1437 und wurde in Trarbach bestattet. Er hatte damit einen anderen Begräbnisort gewählt als ältere Angehörige seiner Familie, die im Kloster Himmerod ihre Gräber fanden.
Der Graf erhielt ein besonders aufwendiges Grabdenkmal aus Messing. Es zeigte ihn lebensgroß in Rüstung. Dieses Werk ist nicht erhalten: In den 1830er-Jahren wurde es als Altmetall verkauft und eingeschmolzen. Der Verlust betrifft eines der bedeutenden historischen Zeugnisse der sponheimischen Herrschaftsrepräsentation.
Das im Gewölbe erhaltene Sponheimer Wappen hält die Erinnerung an das Grafengeschlecht im Bauwerk selbst wach. Zusammen mit der überlieferten Bestattung veranschaulicht es den Rang, den die Kirche im politischen und religiösen Leben der Hinteren Grafschaft einnahm.
Historische Grabplatten an der Kirchenwand
Die Außenwände der Kirche bewahren mehrere steinerne Grab- und Inschriftdenkmäler. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des historischen Erscheinungsbildes. Ihre Wappen, Schriftfelder und religiösen Bildmotive spiegeln eine Grabkultur, in der Herkunft, Familie, Amt und christlicher Glaube miteinander verbunden wurden.
Auch andere Persönlichkeiten der Trarbacher Verwaltung und des kirchlichen Lebens fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Zu den überlieferten Bestattungen zählen der sponheimische Oberamtmann Ernst Matthias von Koppenstein, der das Oberamt von 1685 bis 1710 leitete, und der 1699 verstorbene Superintendent Rodaug. Die Kirche war somit über Jahrhunderte ein Ort des Gedenkens an landesherrliche wie kirchliche Amtsträger.
Die an der Außenwand erhaltenen Platten zeigen verschiedene Formen der Grabmalgestaltung. Neben großformatigen Sandsteintafeln mit Wappen und Inschriften tritt ein besonders eindringliches Denkmal mit einem Skelettmotiv hervor. Es verknüpft das Erinnern an Verstorbene mit der christlichen Auseinandersetzung über Tod und Erlösung.
Das Grabdenkmal mit personifiziertem Tod
Ein dunkles Relief an der Kirche zeigt in seinem oberen Bildfeld ein Skelett in aufgerichteter Haltung. Ein Arm ist emporgehoben; ein länglicher Gegenstand wird von der Figur gehalten. Darunter erscheinen heraldische Formen und weitere Sinnbilder. Die ungewöhnlich direkte Darstellung des Todes gehört zur Bildsprache des Memento mori – der Erinnerung an die Endlichkeit des menschlichen Lebens.
Das Inschriftfeld unter dem Relief eröffnet mit „Leichtext – Psalm 39“ und führt den Gedanken der Vergänglichkeit in die Sprache der Bibel. Ihm folgen Zeilen aus dem Sterbelied „Christus, der ist mein Leben“. Bild und Inschrift bilden eine geschlossene religiöse Aussage: Die Betrachtung des Todes wird mit der christlichen Hoffnung auf die Überwindung von Leid und die Versöhnung mit Gott verbunden.
Im Zusammenhang des Trarbacher Kirchenbaus dokumentiert dieses Denkmal die vielfältigen Formen evangelischer Erinnerungskultur der Frühen Neuzeit. Sein Bildprogramm steht neben den älteren Herrschaftsgräbern und den weiteren erhaltenen Grabplatten für eine andere, stärker auf persönliches Sterben und Glaubensgewissheit gerichtete Sprache.



Die Kirche und ihr bauliches Umfeld
Die evangelische Kirche liegt nicht isoliert im Trarbacher Stadtgebiet. Unmittelbar an ihre Mauern schließen weitere historische Gebäude und Wege an. An der Seite befindet sich ein baulicher Zusammenhang mit einem mehrgeschossigen Haus und einem kleinen Rundturm, dessen Fenster und Dächer ebenso wie die Kirche weiß verputzte Wandflächen mit farbig gefassten Gewänden aufweisen.
Der Kirchenstandort ist daher als ein historisch gewachsenes Ensemble zu verstehen. Schmale Wege, Mauern, Treppen und benachbarte Gebäude erschließen die Höhenlage und verknüpfen das Gotteshaus mit dem älteren Ortskern. Die verschiedenen Gebäudehöhen und Dachformen machen diese gewachsene Struktur bis heute anschaulich.
Die Lage auf dem Kästel verbindet eine weithin sichtbare Silhouette mit einem im unmittelbaren Umfeld kleinteiligen Gefüge. Besonders beim Blick von der seitlichen Giebelwand wird deutlich, wie dicht Kirchenbau und Nachbarbebauung miteinander verbunden sind.

Trarbach als Station am Mosel-Camino
Die Doppelstadt Traben-Trarbach ist eine Station am Mosel-Camino. Der Jakobsweg führt von Koblenz-Stolzenfels über Orte der Moselregion nach Trier und verbindet historische Kirchen, Klöster und Kulturlandschaften. In Trarbach begegnet der Weg einer Kirche, deren Geschichte weit vor die moderne Markierung des Pilgerwegs zurückreicht.
Der Mosel-Camino wurde seit 2008 auf einer Strecke von ungefähr 180 Kilometern als Pilgerweg ausgeschildert. Die Route führt unter anderem über Alken, Beilstein, Zell, Enkirch, Starkenburg und Traben-Trarbach weiter in Richtung Bernkastel-Kues und Trier. Sie macht Kirchen wie die Trarbacher Nikolauskirche als geschichtliche Stationen zugänglich.
Die mittelalterliche Kirche besitzt eine lange Geschichte als Gottesdienstort, herrschaftliche Grablege und Zentrum evangelischer Gemeindekultur. Diese historischen Schichten bereichern heute die Kulturlandschaft und die Wegstation Traben-Trarbach am Mosel-Camino.
Zeittafel der evangelischen Kirche Trarbach
Erste Erwähnung als Nikolauskapelle.
Gotischer Ausbau unter Graf Johann III. von Sponheim.
Bestattung des Grafen Johann V. von Sponheim in der Kirche.
Entstehung des spätgotischen Gewölbes.
Errichtung der Westvorhalle durch Jost und Claes Murer.
Einführung der Reformation in der Hinteren Grafschaft Sponheim.
Überlieferte Phase gemeinsamer evangelischer und katholischer Kirchennutzung.
Stumm-Orgel von Johann Nikolaus Stumm.
Großer Trarbacher Stadtbrand mit schweren Kirchenschäden.
Ende der gemeinsamen Nutzung; Abschluss des Wiederaufbaus.
Änderung der Emporen- und Orgelaufstellung.
Freilegung und Restaurierung mittelalterlicher Blumenornamente.
Restaurierung der historischen Stumm-Orgel.
Häufige Fragen zur evangelischen Kirche
Wie heißt die evangelische Kirche in Trarbach ursprünglich? +
Die heutige evangelische Kirche wurde 1330 als Nikolauskapelle erwähnt. Ihr historisches Patrozinium galt dem heiligen Nikolaus.
Wann entstand die gotische Kirche in Trarbach? +
Teile des Baus stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die gotische Erweiterung ist mit der Zeit nach 1379 verbunden; das historische Gewölbe entstand 1491.
Wer errichtete die Westvorhalle? +
Die Westvorhalle wurde 1518/19 von Jost Murer und seinem Sohn Claes gebaut.
Welcher Graf von Sponheim ist dort bestattet? +
Graf Johann V. von Sponheim wurde 1437 in der Kirche bestattet. Sein Messinggrabdenkmal wurde in den 1830er-Jahren eingeschmolzen.
Was geschah beim Stadtbrand von 1857? +
Die Kirche verlor große Teile des Daches und den oberen Bereich des Turms. Der Wiederaufbau wurde 1876 abgeschlossen.
Warum gibt es in Trarbach zwei Nikolauskirchen? +
Die ältere Nikolauskirche ist heute evangelisch. Nach einer längeren Phase gemeinsamer Kirchennutzung erhielt die katholische Gemeinde eine eigene Nikolauskirche, die 1875 eingeweiht wurde.
Welche historische Orgel besitzt die Kirche? +
Eine Stumm-Orgel von Johann Nikolaus Stumm aus dem Jahr 1750, die 2009 bis 2011 durch Orgelbau Müller restauriert wurde.
Was zeigt das Skelettgrabmal? +
Das Relief stellt den Tod als Skelett dar. Seine Inschriften beziehen sich auf Psalm 39 und auf ein evangelisches Sterbelied; beide verbinden die Erinnerung an die Sterblichkeit mit christlicher Hoffnung.
Liegt die Kirche am Mosel-Camino? +
Traben-Trarbach liegt an der über Koblenz-Stolzenfels und Trier geführten Route des Mosel-Caminos.
Quellen und weiterführende Literatur
- Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier: Evangelische Pfarrkirche (2), Objekt 2781; nach Georg Dehio und Dieter Diether.
- LVR, Portal Rheinische Geschichte: Johann V. von Sponheim.
- Katholische Pfarrei Mittlere Mosel: Geschichte der Kirchen in Traben-Trarbach.
- Orgelbau Müller: Restaurierungsreferenz Trarbach, Johann Niclas Stumm 1750.
- Trierer Orgelpunkt: Orgelbauerfamilie Stumm, Orgel Trarbach 1750.
- Kuladig: Wohnhaus Mittelstraße 7 in Traben-Trarbach, Abschnitt zum großen Stadtbrand 1857.
- Evangelische Kirche im Rheinland, Archiv: Hintersponheimisches Archiv, Abt. II (Trarbach 1425–1885).
- Evangelische Kirchengemeinde Hochwald: Geschichte der Reformation in der Hinteren Grafschaft Sponheim.
- Klausen: Pilgerroute Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels nach Trier.
- Deutsche Bibelgesellschaft: Psalm 39 in der Lutherbibel.
- Bach Cantatas: „Christus, der ist mein Leben“, Liedtext, 1609 belegt.
- Moselregion/VisitMosel: Evangelische Kirche Trarbach.




