Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Pfarrkirche St. Mauritius in Rülzheim (Landkreis Germersheim, Rheinland-Pfalz) ist ein geschichtsträchtiges Gotteshaus am Deutschordensplatz. Sie gehört zur Großpfarrei Heiliger Theodard im Bistum Speyer und steht unter Denkmalschutz.
Seit Jahrhunderten prägt sie nicht nur das Ortsbild, sondern auch das geistliche Leben der Gemeinde. Ihr Patrozinium des heiligen Mauritius, Anführer der legendären Thebäischen Legion, verleiht der Kirche eine besondere symbolische Bedeutung.
Geschichte der Kirche
Frühere Kirche und Neubau im Spätmittelalter
Bereits im Hochmittelalter befand sich an dieser Stelle eine Kirche. Doch war sie im 15. Jahrhundert baufällig und zu klein geworden. Im Jahr 1497 wurde der alte Bau abgebrochen.
Nur ein Jahr später, 1498, erfolgte die Grundsteinlegung für einen gotischen Neubau. Der Bau begann schwungvoll, kam aber durch finanzielle Engpässe fast zum Erliegen. Eigentlich wäre der Deutschritterorden verpflichtet gewesen, da er seit 1367 das Zehntrecht innehatte. Doch die Ordensherren verweigerten ihre Zahlung. Erst ein Urteil des geistlichen Gerichts in Speyer zwang sie, zumindest 45 Gulden beizusteuern – viel zu wenig für den eigentlichen Bedarf.
Daraufhin wandte sich die Gemeinde an den Speyerer Bischof Ludwig von Helmstatt, der am 19. Oktober 1497 ein Sammelpatent erließ. Pfarrer im gesamten Bistum baten daraufhin ihre Gläubigen um Spenden, sodass der Bau bereits 1498 vollendet werden konnte.
Aus dieser Zeit sind bis heute die unteren Stockwerke des Kirchturmes erhalten geblieben.
Schäden im Dreißigjährigen Krieg und barocker Neubau
Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erlitt die Kirche schwere Zerstörungen. Daraufhin beschloss man einen grundlegenden Neubau. Das Langhaus wurde im Jahr 1767 im Stil des Rokoko errichtet. Der Neubau war deutlich breiter als sein gotischer Vorgänger, doch Chor und Turm blieben bestehen.
Erweiterungen im 19. Jahrhundert
beschloss man einen grundlegenden Neubau. Das Langhaus wurde im Jahr 1767 im Stil des Rokoko errichtet. Der Neubau war deutlich breiter als sein gotischer Vorgänger, doch Chor und Turm blieben bestehen.
Erweiterungen im 19. Jahrhundert
Im Jahr 1824 erfolgte eine Verlängerung der Kirche nach Osten und ein vollständiger Neubau des Chores mit Halbkreisabschluss. Dabei wurden auch Steine des kurz zuvor abgebrochenen Dieterskirchels wiederverwendet.
Ein Blitzeinschlag 1844 zerstörte den Turmhelm. Schon 1845 wurde der Turm in seiner heutigen Form mit einem achteckigen Obergeschoss neu errichtet.
Weitere Maßnahmen folgten:
1865: umfassende Renovierung
1877: Einbau einer neuen Orgel
1883: Bau der beiden charakteristischen Stiegenhäuser neben dem Hauptportal
1896: erneute Renovierung (Bodenbeläge, Wand- und Deckenflächen, Chorgestaltung)
Umgestaltungen im 20. Jahrhundert
1931–1937: Elektrifizierung, neue Heizung, Umgestaltung des Hochaltars, neue Außenfassade, Seitenaltäre mit neuen Bildern, Renovierung der Sakristei
1945: Schäden durch den Zweiten Weltkrieg (Fenster und Dach)
1952: Innensanierung
1955: Neue Orgel (30 Register, drei Manuale, Pedal)
1959–1963: große Gesamtrenovierung mit neuem Turmhelm, Chordach und Außenputz
1986: Innenanstrich und Orgelumbau
1992: Neue Heizung
1993: Neue Glocken und Sanierung des Glockenturms
1996: Erneuerung des gesamten Daches und Außenrenovierung
2000–2001: umfassende Innenrenovierung
Im Jahr 1998 feierte die Gemeinde feierlich das Jubiläum „500 Jahre Pfarrkirche St. Mauritius“.
Architektur
Die Kirche ist ein Saalkirchbau mit klarer Gliederung.
Chor: 8,70 m lang und 9 m breit
Langhaus: 35 m lang und 14,60 m breit
Turmhöhe: ca. 50 m
Sitzplätze: 840 (626 im Schiff, 214 auf der Empore)
Besonders markant ist der Kirchturm, dessen spätgotischer Unterbau von 1498 bis heute erhalten ist. Der barocke und später neugestaltete Aufbau prägt das Ortsbild weithin sichtbar.
Ausstattung
Die Kirche verfügt über eine reichhaltige Ausstattung aus mehreren Jahrhunderten:
Gemälde des hl. Mauritius (18. Jh.), zugeschrieben dem Hofmaler Leidensdorf (Mannheim)
Kanzel (Zur Doku), Evangelistenreliefs, Beichtstühle und Kirchenbänke aus dem 18. Jahrhundert
Kelch von 1753
Augsburger Monstranz (1737–1739), signiert „D.T.S.“ (vermutlich David Th. Saller)
Sandsteinkruzifix mit barockem Sockel (1882)
Diese Objekte spiegeln nicht nur den künstlerischen Reichtum, sondern auch die tiefe Verwurzelung der Gemeinde in ihrer Glaubenstradition wider.
Patron: Heiliger Mauritius
Der heilige Mauritius († ca. 290 in Agaunum, Wallis) war Anführer der Thebäischen Legion. Als die Soldaten den Befehl erhielten, gegen Christen zu kämpfen, verweigerten sie den Gehorsam. Nach wiederholten Dezimierungen ließ Kaiser Maximian die gesamte Legion töten.
Mauritius wurde dadurch zum Märtyrer und Schutzpatron von Soldaten, Schmieden und Handwerkern. Sein Gedenktag ist der 22. September.
In Rülzheim prägt er nicht nur das Kirchenpatrozinium, sondern auch das Ortswappen.
Bedeutung für die Gemeinde
Die Pfarrkirche St. Mauritius ist mehr als ein Denkmal. Sie ist seit über 500 Jahren geistliches Zentrum und ein Ort, an dem Generationen gebetet, gefeiert, getrauert und Hoffnung geschöpft haben. Jede Bauphase, jede Renovierung und jede Ergänzung zeigt, wie stark sich die Menschen mit „ihrer“ Kirche verbunden fühlen.
Für Pilger auf dem Pfälzer Jakobsweg ist sie ein Ort der Stille und zugleich ein markantes Bauwerk auf ihrem Weg.
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Quellenangaben
Wikipedia: St. Mauritius (Rülzheim)
Pfarrei Rülzheim: Pfarrkirche St. Mauritius