Nordrhein-Westfalen · Köln

Kirchenfenster
von St. Andreas

Historistische Glasmalerei, die Fenster von Markus Lüpertz und die Bildprogramme einer Kölner Kirche

Historistische Chorfenster · St. Andreas, Köln · Foto: The Camino History
KircheSt. Andreas · Köln
Historische Fenster1899 und 1918
Lüpertz-Zyklusseit 2005
Fotografien7 Bilddateien

Kirchenfenster in St. Andreas – Jahrhunderte aus Glas

Die Glasmalereien von St. Andreas gehören zu den kunsthistorisch aufschlussreichen Ausstattungsstücken der Kölner Kirche. Wer den spätgotischen Chor betritt, begegnet einer farbigen Bildwelt des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Nur wenige Schritte entfernt verwandelt die expressive Glaskunst von Markus Lüpertz die Seitenchöre, Kapellen und Teile des Langhauses in einen Ort intensiver Farben. Beide Werkgruppen sind eigenständig – und beide stehen in enger Beziehung zur Geschichte und Nutzung des Bauwerks.

Der historische Chor führt die Heiligenverehrung und das Selbstverständnis der damaligen Gemeinde vor Augen. Die zeitgenössischen Fenster dagegen greifen die Passion Christi, die Makkabäer, Maria, Albertus Magnus und weitere biblische Motive auf. Sie machen sichtbar, wie Künstler unterschiedliche Epochen mit dem gleichen Medium verbinden können: farbigem Glas, Bleiruten und wechselndem Tageslicht.

Der vorliegende Rundgang erläutert die Entstehung, Bildprogramme und handwerkliche Umsetzung und zeigt dazu Fotografien aus St. Andreas. Ein Schwerpunkt liegt auf der genauen Unterscheidung von historistischen Chorfenstern und den modernen Glasgemälden.

Von der spätgotischen Verglasung zu den Fenstern des 19. Jahrhunderts

Die heutige Fensterlandschaft entstand nicht in einem einzigen Bauabschnitt. Der spätgotische Chor besaß zunächst eine eigene farbige Verglasung. Im Zuge der barocken Umgestaltung wurde diese um 1770 entfernt und durch eine schlichte Verglasung ersetzt. Die Ausstattung, die heute im östlichen Chorraum zu sehen ist, gehört daher nicht zum originalen mittelalterlichen Glasbestand.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert setzte eine neue Wertschätzung figürlicher Kirchenfenster ein. Glasmaler griffen auf historische Formen und Kompositionsprinzipien zurück, verstanden die Bilder aber zugleich als Ausdruck ihrer eigenen Zeit. In St. Andreas wurde der Chor 1899 wieder mit einer zusammengehörigen Komposition aus drei farbigen Fenstern ausgestattet. 1918 kamen zwei weitere figürliche Chorfenster hinzu, deren Bildinhalt auf die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs reagierte.

Während des Zweiten Weltkriegs lagerte man die wertvollen Chorfenster rechtzeitig aus. Sie konnten erhalten und im Zuge des Wiederaufbaus wieder eingesetzt werden. Damit stehen sie heute neben der modernen Lüpertz-Verglasung als bedeutendes Zeugnis einer älteren Phase der Kölner Glaskunst.

1770Ältere spätgotische Verglasung entfernt
1899Drei historistische Heiligenfenster
1918Zwei weitere Fenster mit Kriegsmotiven
2005–10Neue Lüpertz-Fenster in beiden Seitenchören

Die Heiligenfenster von 1899 – drei Fenster als Einheit

Die drei mittleren Fenster des Hauptchores wurden 1899 von der Kölner Glasmalerei-Anstalt Schneiders und Schmolz ausgeführt. Sie bilden eine einheitliche Komposition im historistischen Stil, deren Figurenanordnung besonders auf Vorbilder der Renaissance verweist. Schon diese Herkunft ist wichtig: Trotz ihrer Platzierung in gotischen Fensteröffnungen sind sie keine erhaltenen Glasmalereien des Mittelalters.

Im oberen Bildbereich erscheinen zahlreiche Heilige. Die unteren Zonen zeigen kniende weltliche Personen unterschiedlicher Stände, die sich in Andacht den Heiligen zuwenden. Die Glasbilder verbinden damit einen himmlischen und einen irdischen Bereich. Ihre zentrale Aussage liegt in der Verbindung zwischen der Gemeinschaft der Gläubigen und den Heiligen, die als Vorbilder und Fürsprecher verehrt werden.

Die aufwendig gestalteten Figuren, Gewänder, architektonischen Rahmungen und ornamentalen Partien führen den Blick durch mehrere Register. Licht und Farbe machen das Bildprogramm im Kirchenraum erfahrbar, zugleich bewahren die Fenster ein wichtiges Stück Frömmigkeits- und Ausstattungsgeschichte des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Auf der Gesamtaufnahme ist die dichte figürliche Gliederung gut zu erkennen. Einzelne Heilige sollten erst dann anhand ihrer Attribute namentlich benannt werden, wenn die jeweiligen Bildfelder in einer ausreichend nahen Aufnahme identifizierbar sind.

Drei mittlere Heiligenfenster im Chor · Glasmalerei-Anstalt Schneiders und Schmolz, 1899Fotografie: The Camino History · eigene Aufnahme

Die Chorfenster von 1918 – Krieg, Opfer und Hoffnung

Neben den drei Mittelfenstern entstanden 1918 zwei weitere Fenster der Glasmalerei-Firma Franz Reuter. Sie greifen den Stil der älteren Chorverglasung auf, setzen jedoch andere Akzente: Hier wird der Erste Weltkrieg ausdrücklich zum Gegenstand der religiösen Bildsprache.

Beide zweibahnigen Maßwerkfenster sind in zwei große Bildzonen untergliedert. Im oberen Teil erscheinen jeweils sechs Heilige. Darunter werden weitere Heiligenfiguren, Szenen aus dem Krieg und Inschriften miteinander kombiniert. Das linke Fenster zeigt Soldaten, die sich vor einer Schlacht zum Kampf bewegen. Auf dem rechten Fenster ist ein verwundeter Soldat zu sehen, der gestützt wird; daneben erscheint ein Engel mit einem Palmzweig.

Der Palmzweig ist in der christlichen Ikonographie ein Zeichen für Martyrium und Sieg über den Tod. In der Szene des Jahres 1918 gibt er dem militärischen Leid eine religiöse Deutung. Die Fenster dokumentieren damit nicht bloß ein künstlerisches Motiv, sondern die zeitgebundene Erinnerungskultur ihrer Entstehungszeit. Ihre Bildsprache sollte aus diesem historischen Zusammenhang verstanden werden, nicht als zeitlose oder unkritische Verherrlichung des Krieges.

Auch diese beiden Fenster wurden im Zweiten Weltkrieg ausgelagert und blieben erhalten. Zusammen mit den Fenstern von 1899 machen sie den Hauptchor zu einer eindrucksvollen Quelle für die Entwicklung der sakralen Glasmalerei um 1900.

Markus Lüpertz – Glasmalerei als zeitgenössische Bildsprache

Mit den Entwürfen von Markus Lüpertz erhielt St. Andreas seit 2005 ein neues künstlerisches Gesicht. Der Maler, Bildhauer und Grafiker verzichtete auf eine bloße Nachahmung historischer Kirchenfenster. Stattdessen setzte er auf kräftige Farben, dichte Liniengeflechte und eine expressive Gestaltung, die ihre Figuren nicht immer auf den ersten Blick preisgibt.

Zwischen 2005 und 2010 entstanden zwölf Fenster in den beiden Querhäusern, dem Machabäer- und dem Marienchor. Der Künstler nahm dabei gezielt auf die dort verehrten Heiligen, Reliquien und historischen Bildwerke Bezug. Später wurde das Programm auf weitere Räume und das Langhaus ausgeweitet. Die Glaskunst ist damit nicht allein Dekoration, sondern tritt in einen Dialog mit der Architektur und den älteren Kunstwerken.

Die Entwürfe wurden für die Verglasung in Glas und Bleiruten übertragen, unter anderem von den Derix Glasstudios in Taunusstein. Die auf den Bildern sichtbaren schwarzen Linien sind nicht nur Konturen einer Zeichnung: Als Bleiruten gehören sie zur Konstruktion der Glasfenster und formen zugleich deren Ausdruck.

Der Machabäerchor – Leidensgeschichten und Märtyrergedenken

Im südlichen Querhaus befindet sich der Machabäerchor. Seine Benennung verweist auf den spätgotischen Machabäerschrein, der die Reliquien der sieben Makkabäerbrüder und ihrer Mutter bewahrt. Für das Bildprogramm der Fenster war dieses historische Reliquiar von entscheidender Bedeutung. Die Geschichte der Makkabäer aus dem Zweiten Buch der Makkabäer wird in Beziehung zur Passion Christi gesetzt.

Diese Verknüpfung ist theologisch bedeutsam: Die Standhaftigkeit der Märtyrer angesichts der Verfolgung findet in der christlichen Betrachtung eine Parallele zum Leiden Jesu. Lüpertz setzte die erzählerische Grundlage nicht als historisierende Nacherzählung um. Er verdichtete Figuren, Farben und Bewegung zu eigenständigen Glasbildern, die den mittelalterlichen Schrein aus einer modernen Perspektive begleiten.

Die kräftigen roten und blauen Felder, das dicht verschlungene Netz der Bleiruten und die sich über mehrere Fensterbahnen erstreckenden Figuren prägen die Wirkung des Raumes. Je nach Tageslicht lassen sich unterschiedliche Details entdecken. Die Fotografie zeigt eine weite Raumansicht des Fensterzyklus und vermittelt besonders gut seine farbliche Einheit.

Lüpertz-Fenster im Machabäerchor · Markus Lüpertz, Fensterzyklus 2005–2010Fotografie: The Camino History · eigene Aufnahme

Der Marienchor – die Pietà und die Lehre des Albertus Magnus

Der nördliche Seitenchor ist Maria gewidmet. Dort steht ein spätmittelalterliches Vesperbild, eine Pietà, die Maria mit dem toten Christus auf ihrem Schoß zeigt. Die Skulptur stammt aus der früheren Kölner Dominikanerkirche Heilig Kreuz und gelangte nach deren Aufhebung in St. Andreas.

Das mittlere Glasfenster greift diesen Bildtypus auf: Maria hält auch hier den leblosen Christus in den Armen. Die Trauer der Mutter wird nicht durch eine historisierende Formensprache, sondern durch die expressiven Farben und Linien von Markus Lüpertz dargestellt. Die Verknüpfung von Skulptur und Fenster ist besonders eindrucksvoll, weil sich das Motiv im gleichen Raum in zwei verschiedenen Jahrhunderten und Materialien begegnet.

Die beiden seitlichen Fenster widmen sich Lehrsätzen des heiligen Albertus Magnus, dessen Gebeine in der Krypta von St. Andreas ruhen. Neun übereinander angeordnete Bildfelder setzen die Gedanken des mittelalterlichen Gelehrten zu einer christlichen Lebensführung in eine moderne Bildwelt um. Sie zeigen, dass der Chor nicht nur ein Ort der Marienverehrung, sondern auch ein Erinnerungsraum des Dominikanerordens ist.

Auf der Fotografie sind die drei hohen Fenster und darunter die Pietà zu erkennen. Diese gemeinsame Ansicht macht den gewollten Bezug zwischen mittelalterlichem Bildwerk und zeitgenössischer Glasmalerei unmittelbar sichtbar.

Marienchor – Pietà und moderne Glasfenster · Markus Lüpertz, vollendet 2010Fotografie: The Camino History · eigene Aufnahme

Das Langhaus – neue Fenster seit 2020

Nach der Fertigstellung der großen Seitenchorzyklen ging die Arbeit an den Fenstern von St. Andreas weiter. 2020 wurde das Fenster für Petrus von Mailand vorgestellt, einen Dominikanerheiligen und Patron der Kölner Brauer. 2022 kamen das Josephsfenster und das Fenster mit der Taufe Christi hinzu. Die neuen Glasmalereien verdeutlichen, wie die Kirche schrittweise um weitere Themen aus dem Leben Jesu und aus der Heiligenverehrung ergänzt wurde.

Mit dem Auferstehungsfenster und einem Verkündigungsfenster wurden 2023 weitere Abschnitte des Langhauses ausgestaltet. Das Motiv der Auferstehung steht dabei für den Sieg des Lebens über den Tod; die Verkündigung zeigt den Beginn der Menschwerdung Christi, als der Engel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigt.

Im September 2024 wurde das Rosenkranzfenster eingebaut. Es zeigt die Übergabe des Rosenkranzes und bindet damit eine für den Dominikanerorden besonders wichtige Andachtstradition ein. Diese jüngeren Schöpfungen setzen das Konzept fort, in jedem einzelnen Fenster eine christliche Geschichte in der charakteristischen Bildsprache von Lüpertz sichtbar zu machen.

So entsteht innerhalb einer historischen Kirche eine Folge moderner Glasbilder, deren Motive sich über verschiedene Räume verteilen. Das Projekt verdeutlicht zugleich, dass Sakralkunst nicht auf eine abgeschlossene Vergangenheit beschränkt bleibt.

Die Taufe Christi – Markus Lüpertz und der Taufstein

Das Tauffenster zählt zu den eindeutig identifizierbaren jüngeren Glasbildern von St. Andreas. Es wurde am 14. März 2022 gemeinsam mit dem Josephsfenster vorgestellt. In der Bildmitte begegnen sich Jesus und Johannes der Täufer im fließenden Wasser. Johannes steht rechts, in ein Gewand aus Kamelhaar gekleidet, und gießt Wasser über Christus. Die Szene nimmt Bezug auf die Taufe Jesu im Jordan (vgl. Matthäus 3,13–17).

Im oberen Fensterbereich erscheinen Zeichen des göttlichen Segens. In die Gesamtkomposition sind darüber hinaus die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft einbezogen. Die Taufe wird damit zugleich in den größeren Zusammenhang der Schöpfung gestellt. Diese Verbindung ist besonders reizvoll: Das Wasser besitzt sowohl eine konkrete körperliche Präsenz als auch eine symbolische Funktion für Reinigung, Neubeginn und christliche Zugehörigkeit.

Die Aufnahme zeigt den historischen Taufstein im Vordergrund und dahinter das moderne Glasfenster. Beide Werke gehören verschiedenen Epochen an, beziehen sich aber auf denselben liturgischen Vorgang. Gerade diese räumliche Beziehung macht die Aufnahme zu einer wertvollen Dokumentation des Ortes.

Taufe Christi mit Taufstein · Tauf-Fenster, 2022Fotografie: The Camino History · eigene Aufnahme

Zwei moderne Fenster – Kreuzmotiv und Verkündigung

Eine weitere Aufnahme hält zwei großformatige Fenster aus der modernen Verglasung fest. Links ist eine farbenreiche Komposition zu sehen, in der eine zentrale Christusfigur und die Kreuzform eine wichtige Rolle spielen. Eine genaue Benennung sämtlicher Einzelszenen allein aus der Raumaufnahme wäre nicht überzeugend: Die expressiven Bildfelder sind vielschichtig verschränkt und müssen im Detail betrachtet werden.

Das rechte Fenster lässt dagegen eine Szene mit Maria und einem Engel erkennen. Maria erscheint in kräftigem Blau, während sich die Engelsgestalt aus dem bewegten Linien- und Farbfeld heraus entwickelt. Die Bildsprache erinnert an die Verkündigung, in der Gabriel Maria die Botschaft von der Geburt Christi überbringt. Lüpertz hat 2023 ausdrücklich ein Verkündigungsfenster für St. Andreas geschaffen.

Besonders auffällig ist der Kontrast zwischen figürlicher Erkennbarkeit und scheinbar freier Farbkomposition. Auf größerer Entfernung wirken die Fenster wie abstrakte Farbfelder; erst die nähere Betrachtung lässt Gesten, Gesichter und Gegenstände hervortreten. Die Fotografie hält genau dieses Wechselspiel fest, das den Kirchenraum durch die farbige Verglasung neu prägt.

Zwei expressive Glasfenster · Blick auf zwei Fenster des jüngeren GlasmalereizyklusFotografie: The Camino History · eigene Aufnahme

Weitere fotografische Ansichten der Glasmalerei

Die folgenden Aufnahmen ergänzen den Rundgang mit zwei weiteren Perspektiven. An ihnen lässt sich erkennen, wie stark der Eindruck eines Fensters von Standort, Helligkeit und Blickwinkel abhängig ist. Vor allem die Glasmalereien von Markus Lüpertz entfalten ihre Wirkung durch die Überlagerung intensiver Farbflächen und dichter Linien.

Farbige Glasmalerei in St. AndreasFotografie: The Camino History · eigene Aufnahme
Historistische Chorfenster – zweite Bilddatei · Zweite Dateifassung der ChoraufnahmeFotografie: The Camino History · eigene Aufnahme

Die Darstellung einzelner historischer Figuren lässt sich nicht aus jeder Gesamtansicht sicher bestimmen. Die historischen Künstler- und Datierungsangaben beziehen sich daher auf die dokumentierten Fenstergruppen und nicht auf vermeintliche Detailidentifikationen einzelner Bildfelder.

Mit Glas und Licht malen – die technische Seite

Kirchenfenster sind gleichermaßen Bilder und lichtdurchlässige Bauteile. Die einzelnen Glasstücke werden nach Form und Farbe ausgewählt und in Bleiruten eingesetzt, die das Fenster stabilisieren und gleichzeitig seine Linienstruktur bilden. Malerische Einzelheiten können zusätzlich mit speziellen Glasfarben oder Schwarzlot ausgearbeitet werden. So erhalten Gesichtszüge, Gewandfalten und Ornamente ihre Feinzeichnung.

Bei der historistischen Verglasung von 1899 dient die Technik dazu, Heiligenfiguren und aufwendige Bildarchitektur erkennbar zu gliedern. Im Werk von Markus Lüpertz wird das konstruktive Netz der Bleiruten selbst zum künstlerischen Ausdrucksmittel. Die Linien überkreuzen sich, umreißen Figuren oder gehen scheinbar in abstrakte Strukturen über. Die Umsetzung durch Fachwerkstätten wie Derix verbindet malerischen Entwurf und Glasverarbeitung.

Das Licht ist ein wesentlicher Teil des Kunstwerks. Es verändert die Wahrnehmung der Farben mit Tageszeit, Wetter und Blickrichtung. Glasmalerei lässt sich deshalb nicht auf ein einzelnes reproduziertes Bild reduzieren: Ihre eigentliche Wirkung entsteht erst in der Architektur des Kirchenraums.

Heilige, Passion, Taufe – die Bedeutung der Bildprogramme

Die Glasmalereien von St. Andreas bilden eine Art theologischen Rundgang. In den historistischen Heiligenfenstern des Hauptchores wird die Beziehung zwischen Kirche auf Erden und Gemeinschaft der Heiligen hervorgehoben. Die Kriegsfenster von 1918 stehen für das Bemühen, zeitgeschichtliche Erfahrungen in die religiöse Erinnerung einzubeziehen. Die modernen Fenster erweitern diese Themen um die Passion Jesu, das Makkabäer-Martyrium, die Trauer Marias und die Lehren des Albertus Magnus.

Im Tauffenster wird der Beginn des öffentlichen Wirkens Christi sichtbar. Die Verkündigung verweist auf den Anfang der Heilsgeschichte in der Menschwerdung, die Auferstehung auf deren österliche Vollendung. In dieser Zusammenschau werden Glasbilder zu einem Medium, das Glaubensüberlieferung durch eine Vielzahl zeitgebundener künstlerischer Sprachen vermittelt.

Die Kunst von St. Andreas ist gerade deshalb interessant, weil sie nicht vollkommen einheitlich ist. Mittelalterlicher Kirchenbau, historistische Heiligenbilder und expressive Glasmalerei lassen verschiedene Vorstellungen davon erkennen, wie religiöse Erzählungen bildlich dargestellt werden können.

St. Andreas und die Kunst entlang europäischer Pilgerwege

Die Fenstergeschichte von St. Andreas ist eng mit dem weiteren Bestand der Kirche verbunden. Im Marienchor tritt das moderne Glasbild in Beziehung zur mittelalterlichen Pietà, im Machabäerchor zum Reliquienschrein. Die Grabstätte des Albertus Magnus in der Krypta verbindet die Bildthemen mit der Geschichte des Dominikanerordens. Für eine vertiefende Beschäftigung lassen sich die Fenster deshalb mit weiteren Dokumentationen von The Camino History erschließen.

Auch der Rheinische Jakobsweg von Köln nach Aachen führt über das regionale Pilgerwegenetz zu weiteren kirchlichen und kunsthistorischen Stationen: Rheinischer Jakobsweg Köln–Aachen.

Häufige Fragen zu den Kirchenfenstern von St. Andreas

Wie alt sind die Chorfenster von St. Andreas?

Die drei mittleren figürlichen Chorfenster wurden 1899 von Schneiders und Schmolz gestaltet. Zwei weitere Fenster im Langchor stammen von Franz Reuter aus dem Jahr 1918. Eine ältere spätgotische Verglasung war bereits um 1770 entfernt worden.

Was zeigen die Fenster von Markus Lüpertz?

Zu den Themen gehören das Martyrium der Makkabäer, die Passion Christi, die Pietà, Lehrsätze des Albertus Magnus, die Taufe Jesu, die Verkündigung, die Auferstehung und die Rosenkranzverehrung. Die Motive verteilen sich auf verschiedene Bereiche der Kirche.

Wann wurde das Tauffenster eingebaut?

Das Tauffenster und das Josephsfenster wurden im März 2022 vorgestellt. Das Tauffenster zeigt Johannes den Täufer und Christus im Wasser; das Foto in dieser Dokumentation zeigt außerdem den Taufstein davor.

Sind die farbigen Fenster mittelalterliche Originale?

Die heute im Hauptchor sichtbaren historistischen Fenster stammen von 1899 und 1918. Die modernen Lüpertz-Fenster entstanden erst seit 2005. Sie befinden sich jedoch in einem Kirchenbau mit romanischen und gotischen Bauteilen.

Quellen und Bildnachweise

Die historische Einordnung beruht insbesondere auf den folgenden Darstellungen des Fördervereins Romanische Kirchen Köln, des Erzbistums Köln und auf weiterführenden Berichten zum Fensterprojekt.

St. Andreas · Köln
Geschichte der Kirchen, Pilgerwege und sakralen Kunst Europas · © The Camino History

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