Grabplatte des Theoderich von Kellenbach

Ein spätgotisches Wandgrabmal des Trierer Domschatzmeisters († 1480) im Kreuzgang des Doms

Trierer Dom · KreuzgangSpätgotikSandsteinJuni 1480
VerstorbenerTheoderich von Kellenbach
TodeszeitJuni 1480
WerkformWandgrabplatte
Maßeca. 180 × 87 cm

Ein spätgotisches Denkmal im Domkreuzgang

Im Ostflügel des Kreuzgangs am Trierer Dom befindet sich die Wandgrabplatte des Domkanonikers und Schatzmeisters Theoderich von Kellenbach. Die Inschrift nennt den Juni des Jahres 1480 als Todeszeit. Der Verstorbene erscheint als lebensgroße geistliche Standfigur unter einem spätgotischen Kielbogen. Wappen, liturgische Kleidung und das Amtszeichen verbinden die Personenerinnerung mit seiner Stellung innerhalb des Trierer Domkapitels.

Das aus hellem Sandstein gearbeitete Denkmal misst etwa 1,80 Meter in der Höhe und 0,87 Meter in der Breite. Diese Maße sind im historischen Denkmälerinventar überliefert. Objektbeschreibung der Kulturgüterdatenbank ↗

Standort und räumlicher Zusammenhang

Die Platte befindet sich im Osttrakt des Trierer Domkreuzgangs, am Ausgang zum Dom. Auf der Fotografie hängt sie hochkant an einer hell verputzten Wand unmittelbar neben einer steinernen Türrahmung. Der heutige Standort entspricht der Ortsangabe des kunsthistorischen Inventars.

Der Kreuzgang ist ein Ort kirchlicher Erinnerung. Die Grabplatte hält Kellenbachs Namen, seine geistliche Stellung und die Bitte um Seelenruhe fest. Ob sich die ursprüngliche Begräbnisstätte unmittelbar unter dem heutigen Standort befindet, ist nicht überliefert.

Theoderich von Kellenbach: Person und Amt

Aus der umlaufenden lateinischen Inschrift geht hervor, dass Theoderich von Kellenbach ein Kanoniker der Trierer Domkirche war. Die Inschrift nennt ihn zugleich thesaurius maioris ecclesie Trevirensis – Schatzmeister der Trierer Haupt- beziehungsweise Domkirche. Die Denkmalbeschreibung bestätigt diese Ämter.

Das Amt eines Domschatzmeisters gehörte zur Organisation eines Domkapitels und war mit der Aufsicht über wertvolle kirchliche Gegenstände verbunden. Im Bildwerk verweist der Schlüsselbund ausdrücklich auf diese Funktion; diese Erklärung ist im Inventar festgehalten.

Werkform und spätgotische Gestaltung

Das Denkmal ist keine freistehende Grabtumba und kein Altar, sondern eine für die Wand bestimmte figürliche Grabplatte. Die kunsthistorische Beschreibung betont den stark erhöhten Rand, der an die Form eines Tumbadeckels erinnert. Weil der obere Rand keine fortlaufende Inschrift trägt, wird das Stück dort ausdrücklich von Anfang an als Wandplatte verstanden.

Der schlanke Rahmen trägt einen spätgotischen Kielbogen mit Maßwerk und Blattwerk. Darüber befinden sich Kreuz und Wappenschmuck. Die Standfigur des Geistlichen ist frontal ausgerichtet; Gewandfalten gliedern die Fläche bis zum unteren Plattenrand. Ein ursprünglicher Bildhauername ist nicht überliefert.

Das historische Inventar datiert die Grabplatte in die Gotik und führt das Jahr 1480 an. Ein genauer Herstellungstag ist nicht überliefert.

Die Figur und der Schlüsselbund

Der Verstorbene ist in geistlicher Kleidung dargestellt. Die Figur nimmt den überwiegenden Teil der Steinplatte ein: Der Kopf befindet sich unter dem Maßwerkbogen; am Oberkörper erscheinen die Hände, von denen eine über der Brust liegt. Die Gewänder fallen bis zum Plattensockel hinab. Seitlich und am unteren Rand rahmen dekorative Motive die Darstellung.

Der vom Inventar ausdrücklich genannte Schlüsselbund ist ein Hinweis auf Kellenbachs Amt als Domschatzmeister. Er ist somit nicht bloß Schmuck, sondern Teil der Identifizierung der Person. Die Darstellung bündelt drei Aussagen: geistlicher Stand, institutionelles Amt und namentliches Andenken.

Der heute sichtbare Kopf wurde um 1915 erneuert. Das historische Inventar nennt hierfür Vercruysse in Trier. Die heutige Kopfpartie ist damit kein unverändert erhaltenes Porträt des 15. Jahrhunderts.

Vier Wappen und die adelige Herkunft

Die Grabplatte zeigt vier Wappenschilde: zwei im reich verzierten oberen Bereich und zwei am unteren Ende neben der Figur. Die vier Wappen werden im historischen Inventar folgendermaßen zugeordnet:

Oben rechtsKellenbach
Oben linksBoos von Waldeck
Unten linksLangenau
Unten rechtsBürresheim

Die Richtungsangaben folgen dem historischen Inventar. In der Heraldik beziehen sich „rechts“ und „links“ auf den Schildträger und können daher aus Sicht der Betrachtenden spiegelverkehrt erscheinen.

Die lateinische Grabinschrift

Die umlaufende Inschrift nennt Namen, geistlichen Stand, Amt und Todeszeit. Sie lautet in der am Stein gelesenen Fassung:

HIC • SUBTUS • PAUSAT • VENERABILIS • ET • NOBILIS • DOMINUS • THEODERICUS • DE • KELLENBACH • CANONICUS • ET • THESAURIUS • MAIORIS • ECCLESIE • TREVIRENSIS • QUI • OBIIT • DIE • MENSIS • JUNII • ANNO • DOMINI • MCCCCLXXX • CUIUS • ANIMA • REQUIESCAT • IN • PACE • AMEN.

Deutsche Übersetzung und Aussage

Sinngemäß lässt sich die Inschrift so wiedergeben:

„Hier unten ruht der ehrwürdige und edle Herr Theoderich von Kellenbach, Kanoniker und Schatzmeister der Trierer Domkirche, der im Juni des Jahres des Herrn 1480 verstarb. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen.“

Die Wörter venerabilis et nobilis dominus („ehrwürdiger und edler Herr“) betonen die geistliche Würde und den adeligen Rang. Canonicus bezeichnet den Domkanoniker; thesaurius steht in der überlieferten Form für den Schatzmeister. MCCCCLXXX entspricht der Zahl 1480.

Die Inschrift nennt den Monat Juni 1480, jedoch keinen Kalendertag. Ihre abschließende Bitte um Seelenruhe ist Ausdruck christlichen Totengedenkens.

Erhaltung und Eingriffe um 1915

Das Inventar beschreibt hellen Sandstein, der mehrfach grau übertüncht worden sei. Die heute sichtbare Oberfläche ist somit nicht uneingeschränkt mit der ursprünglichen farblichen Erscheinung gleichzusetzen.

Die bedeutendste ausdrücklich dokumentierte spätere Veränderung betrifft den Kopf der Figur: Er wurde um 1915 von Vercruysse in Trier erneuert. Zu möglichen weiteren Restaurierungen sind im herangezogenen Objekteintrag keine Einzelheiten angegeben.

Am Denkmal sind Unterschiede in Oberflächenwirkung, Patinierung und Kantenschärfe erkennbar. Aus der Fotografie allein lässt sich nicht bestimmen, auf welche Eingriffe diese Unterschiede zurückgehen.

Grabkultur und Erinnerung im 15. Jahrhundert

Diese Platte ist ein anschauliches Beispiel spätmittelalterlicher Personenmemoria: Die Inschrift erinnert an den Verstorbenen, das figürliche Bild macht ihn als Geistlichen erkennbar, die Wappen markieren seine Herkunft und der Schlüsselbund sein kirchliches Amt. Die abschließende Gebetsformel bindet die Erinnerung an die Hoffnung auf ewige Ruhe.

Die Kombination aus engem architektonischem Rahmen, vier Wappen und stark erhöhtem Rand verbindet Motive der Grabplattenkunst mit der Form eines aufrecht angebrachten spätgotischen Wanddenkmals.

Forschung und offene Fragen

Die grundlegenden Objektangaben sind im Band Der Dom zu Trier innerhalb der Reihe Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz (Düsseldorf 1931) dokumentiert. Die Kulturgüterdatenbank der Region Trier macht die Beschreibung und Inschrift online zugänglich.

Eine spezialisierte Untersuchung veröffentlichen Wolfgang Schmid und Christine Stolpe unter dem Titel „Das Grabdenkmal des Dietrich von Kellenbach († 1480) im Trierer Dom“, in: Hunsrücker Heimatblätter 35 (1995), S. 204–209. Die Namensform Dietrich bezieht sich auf Theoderich von Kellenbach.

Der ursprüngliche Künstler, der genaue Zeitpunkt der Fertigstellung und die vollständige Restaurierungsgeschichte sind nicht namentlich beziehungsweise chronologisch überliefert.

Quellen und Bildnachweis

Historisches Inventar: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Der Dom zu Trier. Düsseldorf: L. Schwann, 1931; zitiert nach der regionalen Objektbeschreibung.

Online-Inventar: Kulturgüterdatenbank der Region Trier: „Dom – Grabplatte Theoderich von Kellenbach“ (Objekt 17463; letzter Bearbeitungsstand dort: 02.01.2010).

Weiterführende Literatur: Wolfgang Schmid / Christine Stolpe: „Das Grabdenkmal des Dietrich von Kellenbach († 1480) im Trierer Dom“. In: Hunsrücker Heimatblätter 35 (1995), S. 204–209. Bibliografischer Nachweis ↗

Fotografie: © The Camino History, eigene Aufnahme.

The Camino History · Dokumentation sakraler Kunst und Architektur · Foto © The Camino History

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