Grabaltar Franz Georg von Schönborn
Der Auferstehungsaltar im Trierer Dom – Geschichte, Künstler, Bildprogramm und Erinnerungskultur des 18. Jahrhunderts.
Ein Grabaltar, der von der Auferstehung erzählt
Im Trierer Dom erinnert der Auferstehungsaltar an Franz Georg von Schönborn (1682–1756), Erzbischof und Kurfürst von Trier. Das Monument vereint Altar, Grabstätte, Gedenkinschrift und eine ausdrucksvolle Figurengruppe. Anders als ein schlichtes Epitaph stellt es den Verstorbenen nicht isoliert dar: Sein Blick richtet sich auf den auferstandenen Christus. So verbindet der Aufbau die Erinnerung an einen historischen Kirchenfürsten mit der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung. [LVR] [RDK]
Die Komposition gehört zu den späten monumentalen Grabaltären des Trierer Doms. Für die Geschichte der Domkunst ist sie auch deshalb aufschlussreich, weil Künstler mehrerer Werkzusammenhänge beteiligt waren und die heute sichtbare Ausstattung Teile unterschiedlicher Herkunft enthält. [RDK] [DEHIO]
Das Werk auf einen Blick
Die Datierungen 1757 und 1759 sowie die unterschiedlichen Beiträge am Entwurf und an der Ausführung spiegeln die mehrphasige Entstehung des Monuments. [LVR] [DEHIO] [RDK] [NDBDIETZ]
Franz Georg von Schönborn: der Auftraggeber
Franz Georg von Schönborn wurde am 15. Juni 1682 in Mainz geboren. Er gehörte einer Familie an, deren Mitglieder im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche hohe geistliche und politische Ämter bekleideten. Die Ausbildung des späteren Kurfürsten führte ihn unter anderem nach Salzburg, Siena und Leiden; anschließend stand er auch in diplomatischen Diensten. [LVR] [MAINZ]
1729 wählte ihn das Trierer Domkapitel zum Erzbischof. Ab 1732 war er außerdem Fürstbischof von Worms und Fürstpropst von Ellwangen. Als Landesherr verband er kirchliches Amt mit territorialpolitischer Verantwortung. Seine Herrschaft war von Verwaltung, Repräsentation und einer weitreichenden Bautätigkeit geprägt. [LVR] [MAINZ]
Die Kunstförderung war Teil dieser Herrschaftspraxis. In Trier erinnert unter anderem der Neubau der Kirche St. Paulin an ihn. Das eigene Grabmonument steht damit im Zusammenhang einer ausgeprägten höfischen und kirchlichen Erinnerungskultur. [LVRKUNST] [LVR]
Planung seit 1746 – Fertigstellung nach seinem Tod
Die Entstehung des Grabaltars begann noch zu Lebzeiten des Erzbischofs. Wolfgang Schmid nennt 1746 als Beginn der Planungen und 1759 als Abschluss des aufwendigen Denkmals. Der Beginn der Arbeiten reicht damit weit vor Schönborns Tod im Jahr 1756 zurück. [LVR]
Das Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte berichtet, Schönborn habe kurz vor seinem Tod testamentarisch den Platz und die Ausführung des Epitaphaltars festgelegt. Der Dehio verzeichnet wiederum 1757 für die Ausführung nach Johannes Seiz durch Ferdinand Tietz. Die verschiedenen Jahresangaben betreffen die Planung, die Ausführung und die Vollendung des Denkmals. Für das gesamte Werk ist damit kein einzelnes, in allen Quellen übereinstimmendes Fertigstellungsdatum überliefert. [RDK] [DEHIO] [LVR]
Wer entwarf und schuf das Monument?
Die kunsthistorischen Nachschlagewerke nennen Johannes Seiz (1717–1779) für den Gesamtentwurf und Ferdinand Tietz (1708–1777) für die bildhauerische Ausführung. Tietz wird in der Forschung auch als Ferdinand Dietz bezeichnet. Im Dehio und im RDK sind beide namentlich mit dem Werk verbunden. [DEHIO] [RDK]
Die Entstehungsgeschichte ist allerdings komplexer als eine einfache Zuschreibung an zwei Meister. Nach dem Portal Rheinische Geschichte hatte Schönborn bereits zu Lebzeiten den Würzburger Hofbildhauer Johann Wolfgang van der Auwera (1708–1756) mit seinem Grabmal beauftragt. Die Deutsche Biographie verweist auf ältere Entwürfe van der Auweras, auf deren Grundlage Tietz’ Werkstatt an den Schönborn-Epitaphien arbeitete. Die frühen Planungen und die spätere Ausführung sind daher auseinanderzuhalten. [LVRKUNST] [NDBDIETZ]
Peter Seewaldt behandelt in einer kunsthistorischen Untersuchung außerdem die Beteiligung von Johann Wenzel Grauer. Überliefert ist eine zugespitzte Äußerung Grauers, in der er die Ausführung der Statuen für sich beanspruchte. Das ist ein Hinweis auf Werkstattkonkurrenz und Zuschreibungsfragen, kein sicherer Beweis für eine alleinige Urheberschaft. Die genaue Abgrenzung der einzelnen Werkstattanteile bleibt damit eine kunsthistorische Zuschreibungsfrage. [SEEWALDT]
Die Auferstehung als Zentrum des Denkmals
Das eigentliche Zentrum bildet der auferstandene Christus, der sich über der unteren Figurengruppe vor einem Strahlenkranz erhebt. In der Hand trägt er die Siegesfahne, ein traditionelles Zeichen der Überwindung des Todes. Die Figur ist gegenüber dem übrigen Aufbau erhöht; die Blickbewegung der Darstellung führt von den Menschen unter ihm zur Auferstehungsszene. [DEHIO] [LVRKUNST]
Die geschwungene Architektur, die bewegten Körperhaltungen und die unterschiedlichen Steinfarben verbinden sich zu einer Inszenierung, die auf eine einzige Aussage hinführt: Nicht die irdische Macht des verstorbenen Kurfürsten, sondern die christliche Hoffnung auf das Leben nach dem Tod bildet das Ziel der Darstellung. Die Gegenüberstellung des Verstorbenen mit Christus und der allegorischen Gestalt unterstreicht diesen Gedanken. [LVRKUNST] [LVR]
Der verstorbene Erzbischof im Bild
Unterhalb von Christus erscheint Franz Georg von Schönborn als halb liegende beziehungsweise halb aufgerichtete Figur. Er ist nicht als unbeteiligter Toter wiedergegeben, sondern als Handelnder in einem religiösen Geschehen. Der Körper wendet sich nach oben; sein Blick richtet sich auf Christus. Wolfgang Schmid beschreibt die Geste an der Brust als Teil einer bewussten barocken Inszenierung des Sterbens. [LVR] [LVRKUNST]
Das Grabdenkmal stellt den Erzbischof dadurch zugleich als Kirchenfürsten und als gläubigen Menschen dar. Besonders in der Kunst des 18. Jahrhunderts konnten solche Denkmäler persönliche Frömmigkeit, Dynastie und öffentliche Erinnerung miteinander verbinden. Die Szene ist als repräsentative Gestaltung des Totengedenkens zu verstehen, nicht als unmittelbare Wiedergabe von Schönborns tatsächlichen letzten Lebensstunden. [LVRKUNST]
Die Figur des Glaubens und ihre Deutung
Der Erzbischofsfigur ist eine sitzende Frauengestalt gegenübergestellt, die der Dehio als Allegorie des Glaubens bezeichnet. Die bildliche Gegenüberstellung ist für das Verständnis der Komposition entscheidend: Zwischen dem verstorbenen Kirchenfürsten und Christus steht der Glaube als Weg zur erhofften Auferstehung. [DEHIO] [LVRKUNST]
Die Forschung beschreibt die Figur nicht immer mit derselben Formel. Das Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte spricht von der trauernden Kirche, die auf Gesetzestafeln verweise. Beide Benennungen gehören zur Forschungsgeschichte des Bildprogramms. Die Bezeichnung „Allegorie des Glaubens“ folgt dem Dehio. Die Deutung als „trauernde Kirche“ im Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte verweist auf eine abweichende ikonografische Interpretation. [RDK] [DEHIO]
Die seitlichen Heiligenfiguren: ältere Ausstattung
Links und rechts der zentralen Gruppe befinden sich zwei weitere großformatige Heiligenfiguren. Der Dehio identifiziert sie als heilige Barbara und heilige Helena und weist ausdrücklich darauf hin, dass sie vom ehemaligen Leyenschen Altar im Westchor stammen. Sie sind somit nicht ohne Weiteres der ursprünglichen Schönborn-Auftragsarbeit zuzurechnen. [DEHIO]
Gerade an diesen Figuren lässt sich erkennen, wie sich ein Kirchenraum durch Umbauten und Versetzungen verändert. Eine heute geschlossen wirkende Ausstattung kann Teile enthalten, die für andere Zusammenhänge geschaffen wurden. Wann Barbara und Helena in den Schönborn-Altar eingefügt wurden, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht eindeutig bestimmen.
Putten, Wappen und spätere Veränderungen
Über der Hauptgruppe sitzen kleine Putten; den oberen Abschluss bildet eine reich ornamentierte Wappenkartusche. Sichtbar sind auch die kräftigen, dunkel gehaltenen Architekturformen und ein goldener Strahlenkranz hinter Christus. Diese Elemente prägen die heutige Gesamtwirkung des Denkmals.
Die Putten gehören nach dem Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte nicht zum ursprünglichen Entwurf; an ihrer Stelle waren zunächst Urnen vorgesehen. Der heute sichtbare Figurenschmuck vereint daher Bestandteile unterschiedlicher Entstehungszusammenhänge. [RDK]
Marmor, Alabaster und barocke Raumwirkung
Die Forschung nennt für den Auferstehungsaltar verschiedenfarbige Marmorsorten und Alabaster. Der Dehio hebt die bewegte, malerisch aufgelockerte Figurengruppe aus drei Marmorfarben hervor; das RDK nennt Marmor und Alabaster für den Grabaltar. [DEHIO] [RDK]
Dunkle Marmorflächen, heller Stein und der goldene Strahlenkranz hinter Christus heben sich deutlich voneinander ab. Die Material- und Farbkontraste strukturieren das Denkmal: Der dunkle Aufbau bildet die Bühne für die helleren Figuren. Die Ausführung in mehreren Materialien ist damit nicht bloße Dekoration, sondern unterstützt die Lesbarkeit des religiösen Bildprogramms.
Wo wurde Franz Georg von Schönborn bestattet?
Franz Georg von Schönborn starb am 18. Januar 1756 in Ehrenbreitstein. Seine sterblichen Überreste wurden nicht vollständig an einem Ort beigesetzt. Nach dem Portal Rheinische Geschichte und dem Institut für Mainzer Kirchengeschichte kamen Herz und Eingeweide in die Heilig-Kreuz-Kirche in Ehrenbreitstein; der Leichnam wurde im Trierer Dom bestattet. [LVR] [MAINZ]
Die kunsthistorische Beschreibung des RDK nennt einen Zinnsarg unter der Altarmensa und einen plastischen Sarkophag mit Inschrifttafel vor der Altarrückwand. Das Portal Rheinische Geschichte formuliert, der Körper ruhe vor dem Auferstehungsaltar. Die Angaben zur genauen Lage des Sarges unterscheiden sich somit. Eine präzisere Bestimmung des Grabbefunds lässt sich daraus nicht ableiten. [RDK] [LVR]
Die Gedenkinschrift
Die große Inschriftentafel unterhalb der Figurengruppe verankert das Monument in der historischen Erinnerung. Schon der Beginn nennt den Erzbischof in lateinischer Form: „FRANCISCO GEORGIO“. Seine kirchlichen und landesherrlichen Ämter werden damit in den Gedächtniszusammenhang des Grabaltars gestellt.
Auf der Gesamtaufnahme ist der Namensbeginn erkennbar. Die übrigen Zeilen lassen sich daraus nicht mit ausreichender Sicherheit vollständig lesen. Eine gesicherte Gesamtranskription der Inschrift liegt deshalb nicht vor.
Grabaltar, Epitaph und Auferstehungsbild
Die Bezeichnung „Auferstehungsaltar“ benennt das zentrale christliche Thema, während „Grabaltar Franz Georg von Schönborn“ den Memorialcharakter hervorhebt. Das Werk vereint eine Altararchitektur mit dem Gedächtnis an einen bestimmten Verstorbenen; kunsthistorisch gehört es damit in den Bereich der Epitaphaltäre. Das Reallexikon beschreibt diese Gattung als Altarretabel, die zugleich Funktionen eines Epitaphs übernehmen. [RDK]
Das Monument erfüllt zugleich eine liturgische und eine memoriale Funktion. Es gehört damit sowohl zur Altarausstattung als auch zur Grabkunst des Trierer Doms. Vergleichbare Verbindungen von Altar und Totengedenken zeigen weitere kurfürstliche Grabmonumente der Kathedrale.
Das Monument im heutigen Dom
Im Trierer Dom steht der Auferstehungsaltar als Zeugnis einer Zeit, in der geistliche Landesherren ihre Erinnerung auf monumentale Weise gestalten ließen. Der Aufbau zeigt zugleich, wie unterschiedlich Kunstwerke im Lauf der Jahrhunderte verändert oder ergänzt werden konnten.
Auch ohne Detailkenntnis lassen sich wichtige Elemente erkennen: das auf Christus gerichtete Antlitz des Erzbischofs, der Strahlenkranz, die allegorische Figur und die großformatige Inschrift. Der ursprüngliche Entwurf und die später hinzugefügten Bestandteile bestimmen gemeinsam das heutige Erscheinungsbild. [LVR] [DEHIO] [RDK]
Weitere Dokumentationen
Der Auferstehungsaltar ist Teil der vielschichtigen Grablege und Kunstgeschichte des Trierer Doms. Die folgenden Beiträge dokumentieren verwandte Werke und ihre historischen Zusammenhänge.
Quellen und Literatur
Die kunsthistorischen Angaben beruhen auf Denkmälerinventaren, biografischen Untersuchungen und Fachliteratur. Einige Werke nennen unterschiedliche Daten der Ausführung und abweichende Deutungen einzelner Figuren.
- Dehio DE – Trier, Dom St. Peter, Ausstattung
- Wolfgang Schmid – Franz Georg von Schönborn, Portal Rheinische Geschichte
- Stifter und Mäzene im Rheinland – Abschnitt Franz Georg von Schönborn, Portal Rheinische Geschichte
- Kurt Pilz, „Epitaphaltar“, Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. V (1964), Sp. 921–932
- Deutsche Biographie – Ferdinand Dietz/Tietz
- Deutsche Biographie – Franz Georg von Schönborn
- Institut für Mainzer Kirchengeschichte – Franz Georg von Schönborn
- Peter Seewaldt, „Maria Immaculata in Trittenheim an der Mosel. Zum Rokoko-Bildhauer Johann Wenzel Grauer“, Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 45 (2013), S. 49–54
Weiterführende Literatur: Barbara Rothbrust, pro defuncto Archiepiscopo. Zur barocken Inszenierung des Herrschertodes des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Franz Georg von Schönborn († 1756), in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 28 (2002), S. 187–235.

