Das Grabdenkmal des Trierer Bischofs Michael Felix Korum an der Nordwand des Trierer Doms. Der Münchner Bildhauer Georg Busch gestaltete es in der Form eines romanischen Arkosolgrabes.
Das Grabdenkmal des Trierer Bischofs Michael Felix Korum an der Nordwand des Trierer Doms. Der Münchner Bildhauer Georg Busch gestaltete es in der Form eines romanischen Arkosolgrabes.

Trier – Grabdenkmal von Bischof Michael Felix Korum

Das Grabdenkmal des Trierer Bischofs Michael Felix Korum gehört zu den jüngeren bischöflichen Grabmonumenten im Trierer Dom. Korum stand von 1881 bis 1921 vier Jahrzehnte lang an der Spitze des Bistums Trier.

Sein monumentales Wandgrab greift bewusst auf mittelalterliche Formen zurück. Es wurde als romanisches Arkosolgrab gestaltet und verbindet die kniende Porträtfigur des Bischofs mit einem umfangreichen christlichen Bildprogramm aus Dreifaltigkeit, Christusdarstellung und Auferstehungshoffnung.

Geschaffen wurde das Denkmal vom Münchner Bildhauer Georg Busch.

Michael Felix Korum und sein Grabdenkmal

Michael Felix Korum starb am 4. Dezember 1921 nach einer vierzigjährigen Amtszeit als Bischof von Trier.

Im Gegensatz zu den schlichten Gedenk- und Grabplatten mehrerer anderer Trierer Bischöfe erhielt Korum ein aufwendig gestaltetes figürliches Grabdenkmal.

Seine Form orientiert sich an einem romanischen Arkosolgrab. Ein großer Rundbogen überspannt die kniende Figur des Bischofs und erinnert damit bewusst an mittelalterliche Grabarchitektur.

Das Denkmal befindet sich an der Nordwand des Trierer Doms im westlichen Großjoch, rechts neben dem Portal.

Bischof Michael Felix Korum, Trier

Der Bildhauer Georg Busch

Geschaffen wurde das Grabdenkmal vom Münchner Bildhauer Georg Busch. Das Werk ist signiert und lässt sich ihm dadurch eindeutig zuordnen.

Im Mittelpunkt steht die lebensgroße beziehungsweise monumental wirkende Figur Michael Felix Korums.

Die kunsthistorische Beschreibung hebt besonders die bemerkenswert porträtgetreue Wiedergabe des knienden Bischofs hervor.

Korum wird nicht auf einem Thron oder in repräsentativer Haltung gezeigt. Er kniet vielmehr im Gebet und richtet seinen Blick nach oben auf die über ihm dargestellte himmlische Sphäre.

Damit erscheint der Bischof zugleich als kirchlicher Würdenträger und als gläubiger Mensch angesichts des Todes.

Georg Busch im Atelier 1912
Georg Busch in seinem Atelier mit Modellen seiner Werke (1912)

Mitra, Pallium und Wappen

Neben dem knienden Bischof steht ein niedriger Hocker.

Darauf hat Korum seine Mitra und das Pallium abgelegt. An dieser Stelle befindet sich zugleich sein bischöfliches Wappen.

Die abgelegten Insignien besitzen innerhalb eines Grabdenkmals eine besondere Wirkung.

Sie erinnern zwar an Korums kirchliches Amt, zugleich trägt der Bischof sie in der Darstellung gerade nicht mehr am Körper. Vor Gott erscheint er nicht in erster Linie als Träger seiner kirchlichen Würde, sondern als betender Mensch.

In der Renaissance rückten ausgewogene Proportionen und eine naturgetreuere Darstellung der Figuren stärker in den Mittelpunkt. Das Barock schließlich schuf monumentale Hochaltäre mit vergoldeten Säulen, dynamischen Skulpturen und prachtvollen Deckengemälden, die den Kirchenraum zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk verbanden.

Diese Entwicklung spiegelt nicht nur den Wandel der Kunstgeschichte wider, sondern auch die sich verändernden Formen christlicher Frömmigkeit und Liturgie. Bis heute zählen historische Altäre zu den bedeutendsten Zeugnissen sakraler Kunst in Europa.

Die Heilige Dreifaltigkeit

Auch Korums liturgisches Gewand ist Bestandteil des Bildprogramms.

Auf dem Rückenschild seines Chormantels befindet sich ein Relief der thronenden Heiligen Dreifaltigkeit.

Damit wird eines der zentralen Glaubensmotive unmittelbar mit der Person des Verstorbenen verbunden.

Die Darstellung ist auf dem heutigen Monument vergleichsweise zurückhaltend und erschließt sich erst bei näherer Betrachtung der Bischofsfigur.

Christus König und Petrus

Im großen Bogenfeld oberhalb Korums befindet sich ein weiteres Relief.

Dargestellt sind Christus König und der Apostel Petrus.

Christus erscheint als Brustbild innerhalb einer von Engeln begleiteten Mandorla. Petrus hält ein geöffnetes Buch, dessen Text auf Offenbarung 3,21 verweist.

Dort wird demjenigen, der überwindet, verheißen, mit Christus auf seinem Thron zu sitzen.

Im Zusammenhang mit einem Grabdenkmal erhält diese Bibelstelle eine klare Bedeutung: Der Tod wird nicht als endgültiges Ende verstanden, sondern mit der Hoffnung auf Gemeinschaft mit Christus und ewiges Leben verbunden.

Das himmlische Gewand

Auch die kleinen Darstellungen in den Zwickeln gehören zum theologischen Programm.

Sie zeigen die Bekleidung mit dem himmlischen Gewand.

Damit greift das Grabdenkmal erneut die christliche Vorstellung von Tod und Erlösung auf: Das irdische Leben wird abgelegt und durch eine neue, himmlische Existenz ersetzt.

Zusammen mit Christus König, Petrus und der Heiligen Dreifaltigkeit entsteht so ein geschlossenes Bildprogramm, das Korums Tod in die Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben einordnet.

Die Inschrift

Unterhalb der Figur befindet sich die große Grabinschrift:

Lateinische Inschrift

MICHAEL FELIX KORUM
PER 40 ANNOS (1881–1921)
EPISCOPUS TREVERENSIS
OBIIT 4 DEC. 1921
R.I.P.

Darunter folgt:

QUASI IGNIS EFFULGENS ET THUS ARDENS IN IGNE.
ECCLI. 50,9

Deutsche Übersetzung

Michael Felix Korum,
vierzig Jahre lang (1881–1921)
Bischof von Trier,
starb am 4. Dezember 1921.
Er ruhe in Frieden.

Der darunterstehende Bibelvers lässt sich sinngemäß übersetzen:

„Wie ein leuchtendes Feuer und wie Weihrauch, der im Feuer brennt.“

Die Stelle verweist auf Jesus Sirach 50,9 und verleiht der Grabinschrift einen zusätzlich feierlichen und liturgischen Charakter.

Ein Grabmal im Stil des Mittelalters

Obwohl das Grabdenkmal erst im frühen 20. Jahrhundert entstand, ist seine Gestaltung bewusst historisierend.

Der große Rundbogen, die Säulen, Kapitelle und ornamentierte Rahmenarchitektur greifen Formen der Romanik auf.

Damit fügt sich das Denkmal formal in den mittelalterlich geprägten Trierer Dom ein und nimmt zugleich Bezug auf ältere bischöfliche Grabmäler innerhalb der Kathedrale.

Die zeitgenössische kunsthistorische Beurteilung fällt bei einzelnen Reliefs und Ornamenten allerdings zurückhaltend aus. Sie werden als teilweise schematisch und wenig feinfühlig ausgeführt beschrieben; möglicherweise waren daran auch Mitarbeiter der Werkstatt beteiligt.

Die zentrale Porträtfigur Korums wird dagegen ausdrücklich wegen ihrer individuellen und lebensnahen Wiedergabe hervorgehoben.

Erinnerung an vier Jahrzehnte als Trierer Bischof

Michael Felix Korums Grabdenkmal unterscheidet sich deutlich von den schlichten Grabplatten mehrerer anderer Trierer Bischöfe des 19. Jahrhunderts.

Das Monument erinnert an einen Bischof, dessen Amtszeit vierzig Jahre umfasste.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein sein kirchlicher Rang.

Die abgelegten Amtsinsignien, die kniende Haltung und das darüber angeordnete Bildprogramm lenken den Blick vielmehr auf das Verhältnis des Verstorbenen zu Christus und auf die christliche Hoffnung auf das ewige Leben.

Das Grabdenkmal verbindet damit Porträt, Amtsgedächtnis und Glaubensaussage zu einem geschlossenen Ensemble.

Quellen

Franz J. Ronig, Beitrag in: Der Trierer Dom, Jahrbuch des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 1978/79, S. 322–324.

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