Dreikönigs-
triptychon
St. Pantaleon
Ein gemalter Flügelaltar um 1530 mit der Anbetung der Könige – bewahrt im neugotischen Seitenaltar von Brühl-Badorf.
Ein Werk aus zwei Epochen
Im nördlichen Seitenaltar der katholischen Pfarrkirche St. Pantaleon in Brühl-Badorf befindet sich ein ungewöhnliches Ensemble: ein dreiteiliges, gemaltes Dreikönigstriptychon aus der Zeit um 1530, das in einen jüngeren neugotischen Altaraufbau eingefügt wurde. Auf engem Raum begegnen sich die Bildkunst der frühen Neuzeit und die historistische Kirchenausstattung des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Der geöffnete Flügelaltar zeigt die Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Morgenland. Bei geschlossenen Flügeln erscheinen dagegen zwei Heilige in dunkler Ordenskleidung: Benedikt und Maurinus. Diese beiden Zustände sind auf den eigenen Fotografien dokumentiert.
Werkdaten und Standort
Die Datierung um 1530 und die Einbindung in den nördlichen Nebenaltar sind in der kunsthistorischen Forschung dokumentiert. Eine gesicherte Nennung eines Malers liegt in den verwendeten Quellen dagegen nicht vor. Deshalb wird hier bewusst keine Künstlerzuschreibung erfunden.
Drei Tafeln, eine gemeinsame Szene
Im geöffneten Zustand bilden Mittelteil und beide Flügel eine zusammengehörige Bildhandlung. Die drei Weisen werden nicht in voneinander getrennten Ereignissen gezeigt. Stattdessen verteilt sich die eine Anbetungsszene über mehrere Tafeln: ein König kniet vor Maria und dem Jesuskind, die anderen stehen auf den Flügeln.
Die schwungvoll profilierten Tafelrahmen verbinden die Teile zu einer geschlossenen Komposition. Vergoldete Kanten heben sie gegen das dunkle Holz des Altaraufsatzes hervor.
Die Anbetung der Weisen – ein biblisches Motiv
Der Stoff geht auf das Matthäusevangelium (Mt 2,1–12) zurück. Dort folgen Weise aus dem Osten einem Stern, erreichen Bethlehem und bringen dem Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Die biblische Erzählung nennt weder die Zahl noch die Namen von drei Königen; die bekannte Dreizahl entwickelte sich in der kirchlichen Überlieferung aus den drei Gaben.
In der europäischen Kunst wird diese Erzählung häufig als königlicher Zug gestaltet. Kostbare Gewänder, Kronen und reich verzierte Gefäße zeigen die besondere Würde der Besucher. Das Dreikönigstriptychon von Badorf führt diese Bildtradition fort.
Das Mittelbild: Maria, das Kind und der kniende König
Das zentrale Tafelbild zeigt Maria mit dem Jesuskind. Vor ihr kniet ein König in kostbarer roter Kleidung und reicht sein Geschenk dar. Das Kind sitzt auf Marias Schoß und wendet sich dem Besucher zu. Hinter ihr steht Josef, aufmerksam in das Geschehen einbezogen.
Im Hintergrund öffnet sich die Szene zu einer Stadtlandschaft mit Menschen, Tieren und Architektur. Die Ferne gibt dem Bild räumliche Tiefe und verbindet die intime Begegnung vor dem Kind mit dem größeren Zug der Anreisenden.
Der linke Flügel: ein weiterer König
Auf dem linken Flügel erscheint ein stehender König in reich geschmückter Kleidung. Er hält ein kunstvoll gearbeitetes Gefäß als Gabe und wendet sich dem Bildzentrum zu. Sein Körper und sein Blick lenken die Aufmerksamkeit auf das Jesuskind.
Der Bildflügel ist deshalb kein bloßer Randstreifen: Er erweitert die Handlung um eine weitere Person und verstärkt die Bewegung zur Mitte hin.
Der rechte Flügel: die dritte Gestalt
Das Gegenstück auf dem rechten Flügel zeigt einen weiteren reich gekleideten König mit einem Gefäß. Die beiden äußeren Tafeln wirken durch ihre senkrechte Anlage wie ein Rahmen für die Anbetung in der Mitte. Ihre Figuren sind jeweils auf das Zentrum bezogen.
Durch die Zusammenschau der drei Tafeln entsteht aus der kleinen gemalten Altarfolge eine geschlossene Erzählung über die Anerkennung des neugeborenen Christus.
Stadt, Landschaft und Reise
Hinter der Anbetung lässt sich ein ganzer Reisezug erahnen. Tore, Mauern, Häuser und zahlreiche kleine Figuren verweisen auf die Ferne, aus der die Weisen kommen. Solche Hintergrundräume waren besonders in der niederländisch geprägten Tafelmalerei des 15. und 16. Jahrhunderts beliebt.
Die Landschaft wirkt dabei nicht wie eine topografisch genaue Ansicht von Bethlehem. Sie übersetzt die biblische Erzählung in eine für das damalige europäische Publikum vertraute Welt aus Städten, Wegen und Burgen.
Öffnen und Schließen – ein wandelbares Bild
Ein Triptychon ist nicht einfach ein Gemälde mit drei nebeneinanderstehenden Teilen. Seine seitlichen Flügel lassen sich bewegen. Dadurch kann ein Werk unterschiedliche Ansichten und Bildprogramme zeigen – im geschlossenen Zustand außen, im geöffneten Zustand innen.
Auch die Badorfer Tafeln haben diese doppelte Schauseite bewahrt. Der fotografische Wechsel zwischen der Dreikönigsszene und den beiden Heiligen auf den Außenseiten macht den besonderen Wert dieser Kunstform unmittelbar sichtbar.
Der heilige Benedikt auf der Außenseite
Auf einer der geschlossenen Tafeln steht die Namensbeischrift S. Benedictus. Dargestellt ist ein Heiliger im dunklen Ordensgewand, mit Heiligenschein und Attributen. Die Inschrift macht die Benennung als heiliger Benedikt sicherer als eine bloße ikonografische Vermutung.
Benedikt von Nursia steht in der westlichen Klostertradition besonders für das monastische Leben. Seine Präsenz verweist auf einen weiteren religiösen Bildhorizont neben der weihnachtlichen Dreikönigsszene.
Der heilige Maurinus
Die zweite geschlossene Tafel trägt die Beischrift S. Mourinus beziehungsweise eine historische Schreibvariante des Namens Maurinus. Der Heilige ist ebenfalls in dunkler Kleidung gezeigt und hält einen Stab.
Die ungewöhnliche Namensform sollte nicht stillschweigend mit einer anderen Heiligengestalt gleichgesetzt werden. Die sichere Identifikation im Rahmen dieser Dokumentation beruht auf der lesbaren Bildinschrift, nicht auf einer vermuteten regionalen Tradition.
Aus der alten Badorfer Annakapelle
Die älteren Ausstattungsstücke der heutigen Pfarrkirche stammen teilweise aus der nahe gelegenen historischen Annakapelle. Zu diesem Bestand gehört nach der Forschung auch das um 1530 entstandene Dreikönigstriptychon. Das Werk hat damit die Entstehung der neugotischen Kirche lange überdauert.
Die Wiederverwendung älterer Stücke war mehr als eine dekorative Entscheidung: Sie verband den neuen Kirchenraum mit der religiösen Geschichte Badorfs. Die Tafelmalerei blieb erhalten und erhielt in einem neuen architektonischen Rahmen einen Platz im Gemeindeleben.
Heinrich Krings und der neugotische Rahmen
Die heutige St.-Pantaleon-Kirche wurde 1895–1897 nach Plänen des Architekten Heinrich Krings errichtet. Die neugotischen Nebenaltäre orientierten sich am mittelalterlichen Formenrepertoire, mit Fialen, spitzen Giebeln, turmartigen Bekrönungen und geschnitztem Holz.
In den nördlichen Seitenaltar wurde das erheblich ältere Dreikönigstriptychon eingesetzt. Die Dissertation von Sabine Heuser-Hauck nennt diesen Sachverhalt ausdrücklich. So entstand eine bewusst historisierende Rahmung für ein authentisches Bildwerk aus der Zeit um 1530.
Engel, Sterne und die Inschrift „Gloria in excelsis Deo“
Über den geöffneten Bildtafeln befindet sich ein blau gefasster Bogen mit goldenen Sternen. Ein Engel hält ein Spruchband mit dem lateinischen Lobpreis Gloria in excelsis Deo – „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Diese Worte stammen aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Lk 2,14). Über dem Dreikönigsbild verknüpft der neugotische Altaraufsatz die Geburt Christi und die Anbetung durch die Weisen zu einer umfassenderen Weihnachtsbildwelt.
Wie alt ist welcher Teil?
Bei der Datierung ist eine Unterscheidung besonders wichtig: „um 1530“ bezeichnet die historischen Bildtafeln, nicht den gesamten heute sichtbaren Altar. Der reich gegliederte hölzerne Aufbau mit seiner gotisierenden Ornamentik gehört in den Zusammenhang der neugotischen Ausstattung des späten 19. Jahrhunderts.
Auch Restaurierungen oder spätere Veränderungen einzelner Bestandteile lassen sich allein anhand der Fotografien nicht sicher datieren. Die Dokumentation trennt deshalb belegte Kunstgeschichte von Beobachtungen am heutigen Zustand.
Die zehn ausgewählten Originalfotografien
In dieser Dokumentation werden ausschließlich die zehn von The Camino History ausdrücklich für das Triptychon ausgewählten Aufnahmen verwendet. Die meisten sind den entsprechenden Themenkapiteln zugeordnet; hier folgen drei weitere Ansichten aus derselben Serie. Alle Abbildungen lassen sich per Klick vergrößern.
Sakrale Kunst entlang der Via Coloniensis
St. Pantaleon liegt im Brühler Vorgebirge, einer Landschaft, die im Rahmen von The Camino History auch über die rheinischen Pilgerwege erschlossen wird. Die Auseinandersetzung mit dem Dreikönigstriptychon ergänzt das Thema „Unterwegssein“ um einen künstlerischen Zugang: Die Bildtafeln erzählen selbst von einer langen Reise zum Kind in Bethlehem.
Das ist eine inhaltliche Verbindung zum Pilgern, kein Beleg dafür, dass das Kunstwerk selbst eigens für Jakobswegpilger angefertigt worden wäre.
Weitere Dokumentationen und Standort
Pfarrkirche St. Pantaleon
Die Architektur, der Hochaltar, die Kanzel und weitere Ausstattungsstücke im Zusammenhang.
Zur vollständigen Kirchendokumentation ↗Altäre, Retabel und Triptychen
Die kunsthistorische Übersicht und die historische Altargalerie von The Camino History.
Zur Altarkunst-Hauptseite ↗Quellen und Bildnachweise
Die Datierung und Einordnung beruhen auf der dokumentierten Forschung sowie den Fotografien des Werks. Für die genaue Malerhand und die Einzelgeschichte der Restaurierungen liegen in den herangezogenen Quellen keine gesicherten Angaben vor.
- Sabine Heuser-Hauck: Der Architekt Heinrich Krings (1857–1925). Dissertation, Universität Bonn, 2005, besonders S. 92–94: Seitenaltäre von St. Pantaleon, älteres Triptychon um 1530, neugotischer Aufbau. Originalpublikation ↗.
- Christoph Kühn (LVR): Katholische Pfarrkirche Sankt Pantaleon in Badorf, KuLaDig, 2012, zur Baugeschichte und zur Herkunft älterer Ausstattungsstücke aus der Annakapelle. Objektansicht ↗.
- The Camino History: Pfarrkirche St. Pantaleon in Brühl-Badorf ↗ – eigene Ortsdokumentation und Originalfotografien vom 13. Oktober 2024.
- Bibelstellen zur Ikonografie: Matthäusevangelium 2,1–12; Lukasevangelium 2,14.
Bildnachweis: Alle hier verwendeten Kunstwerkfotografien stammen aus dem eigenen Bestand von The Camino History. Keine Fremdfotos.
