Landau in der Pfalz – St. Georg in Arzheim

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die katholische Kirche St. Georg im Landauer Ortsteil Arzheim gehört zu den markanten Sakralbauten entlang des Pfälzer Jakobswegs. Ihr heutiges Erscheinungsbild entstand jedoch nicht in einer einzigen Bauphase. Vielmehr verbindet die Kirche mittelalterliche, frühneuzeitliche und historistische Bauteile miteinander und macht damit mehrere Jahrhunderte Orts- und Kirchengeschichte unmittelbar sichtbar.

Eine Pfarrkirche in Arzheim ist bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert belegt. Der heutige Bau entstand zwischen 1902 und 1904 im Stil der Neoromanik, wobei ältere Teile der Vorgängerkirche erhalten blieben. Besonders prägend ist der spätgotische Chorturm von 1522, der noch immer unmittelbar an den späteren Kirchenbau anschließt.

Die Anfänge der Pfarrei

Arzheim wird bereits im 13. Jahrhundert unter dem Namen Arbotsheim erwähnt. Eine Pfarrkirche ist erstmals für das Jahr 1315 nachweisbar.

Im Jahr 1516 gelangte Arzheim unter die Herrschaft des Hochstifts Speyer. Dadurch blieb der Ort im Gegensatz zu zahlreichen anderen Gemeinden der Region katholisch und wurde nicht reformiert.

Die Pfarrei besaß zeitweise mehrere Filialgemeinden. Ranschbach gehörte bis 1740 zu Arzheim, ebenso das im 14. Jahrhundert untergegangene Servelingen.

Zwischen 1636 und 1716 wurde die Gemeinde seelsorgerisch von den Patres der Augustinerkirche in Landau betreut.

Auch politisch gewann Arzheim zeitweise an Bedeutung. Nach der Schleifung der Madenburg wurde der Ort Sitz bischöflicher Amtsleute. Im 18. Jahrhundert tagte das Speyerer Domkapitel zeitweise sogar im Arzheimer Pfarrhaus.

Die Kirche von 1522

Im Jahr 1522 wurde in Arzheim eine neue Kirche in Form einer Chorturmanlage errichtet.

Der heute noch vorhandene Turm bildete damals den Chorraum der Kirche und gehörte damit unmittelbar zum liturgischen Zentrum des Gebäudes.

Seine spätgotische Gestalt unterscheidet sich deutlich vom späteren neuromanischen Kirchenbau. Der hohe Turm mit seinem spitzen Helm erinnert noch heute an die ältere Bauphase und ist damit eines der wichtigsten erhaltenen Zeugnisse der Vorgängerkirche.

Der historische spätgotische Chorturm trifft unmittelbar auf den neuromanischen Bau des frühen 20. Jahrhunderts.
Der spätgotische Chorturm von 1522 gehört zu den ältesten erhaltenen Teilen von St. Georg.

Der Umbau von 1719

Im Jahr 1719 erhielt die Kirche ein neues Kirchenschiff mit halbkreisförmiger Apsis.

Mit diesem Umbau änderte sich auch die Funktion des mittelalterlichen Turmes. Der ehemalige Chorturm wurde nicht mehr als eigentlicher Altarraum genutzt, sondern fortan als Sakristei in den Kirchenbau eingebunden.

Damit begann bereits im frühen 18. Jahrhundert jene architektonische Entwicklung, die St. Georg bis heute prägt: ältere Bauteile wurden nicht vollständig beseitigt, sondern in neue Bauphasen integriert.

Der Neubau von 1902 bis 1904

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschied sich die Gemeinde schließlich für einen weitgehenden Neubau.

Zwischen 1902 und 1904 entstand südlich der älteren Kirche der heutige Bau nach Plänen des Architekten Wilhelm Schulte I.

Die neue Kirche wurde als dreischiffige, gewölbte Basilika mit Querhaus und leicht eingezogener Apsis errichtet. Stilistisch orientiert sie sich an der Neoromanik und greift dabei bewusst Formen der mittelalterlichen Romanik und Spätromanik auf.

Der Bau besteht überwiegend aus gelben Sandsteinquadern, die durch rötliche und graue Steine gegliedert werden. Diese Materialwirkung verleiht der Kirche ein lebendiges und zugleich massives Erscheinungsbild.

Bis zum Jahr 1967 befand sich über der Vierung zusätzlich ein Dachreiter.

Die neuromanische Seitenfassade von St. Georg mit Rundbogenfenstern, kräftigem Mauerwerk und Sandsteingliederung.
Die neuromanische Seitenfassade von St. Georg mit Rundbogenfenstern, kräftigem Mauerwerk und Sandsteingliederung.

Romanische Formen im Historismus

Die Architektur von St. Georg zeigt deutlich, wie stark sich Kirchenbauten des frühen 20. Jahrhunderts an mittelalterlichen Vorbildern orientierten.
Rundbogenfenster, kräftige Pfeiler, plastische Gesimse und massive Wandflächen bestimmen das äußere Erscheinungsbild.
Auch die verschiedenen Turmformen und der Wechsel zwischen glatten und stärker gegliederten Flächen verleihen dem Bau jene monumentale Wirkung, die für viele historistische Kirchen dieser Zeit typisch ist.
Besonders auffällig ist die Verbindung zwischen dem älteren Chorturm und dem deutlich jüngeren Langhaus. Während der Turm spätgotische Formen bewahrt, orientiert sich der Neubau bewusst an romanischen Vorbildern.

Die Seitenfassade von St. Georg zeigt die typische neuromanische Gliederung mit Rundbogenfenstern und kräftigen Sandsteinflächen.
An der Nordseite wird die Verbindung zwischen dem älteren spätgotischen Chorturm und dem neuromanischen Kirchenbau besonders deutlich.

Die Westfassade

Die Westfassade bildet den repräsentativen Haupteingang der Kirche.
Sie wurde vor die Seitenschiffe gezogen und besitzt eine aufwendig gegliederte Front mit Portalvorbau, Fensterrosette und einer steigenden Zwerggalerie.
Gerade diese Zwerggalerie greift ein typisches Motiv romanischer Kirchenarchitektur auf und verstärkt den historisierenden Charakter des Bauwerks.
Die Fassadengestaltung zeigt damit deutlich, dass der Neubau nicht lediglich funktional gedacht war, sondern bewusst eine Verbindung zur mittelalterlichen Sakralarchitektur herstellen sollte.

Die Portale von St. Georg

Besonders aufwendig gestaltet sind die Portale der Kirche.
Ein kleineres Rundbogenportal besitzt eine reich ornamentierte Rahmung mit Säulen, plastischen Bögen und einem kleinen Rundfenster.
Die Verwendung rötlicher Säulen und heller Sandsteine erzeugt dabei einen deutlichen Farbkontrast.

Das kleinere Rundbogenportal von St. Georg mit Säulen, ornamentierter Bogenarchitektur und kleinem Rundfenster.
Das kleinere Rundbogenportal von St. Georg mit Säulen, ornamentierter Bogenarchitektur und kleinem Rundfenster.

Das Hauptportal der Kirche ist deutlich monumentaler gestaltet.
Ein weit vorspringender Portalvorbau rahmt die große zweiflügelige Eingangstür. Säulen, Rundbogenarchivolten und ein übergiebelter Abschluss verleihen dem Eingang eine stark repräsentative Wirkung.
Auch hier wird deutlich, wie konsequent der Bau Formen mittelalterlicher Kirchenarchitektur aufgreift und in die Formensprache des frühen 20. Jahrhunderts überträgt.

Das monumentale Hauptportal von St. Georg mit kräftigen Rundbögen, Säulen und historistischer Sandsteinarchitektur.
Das monumentale Hauptportal von St. Georg mit kräftigen Rundbögen, Säulen und historistischer Sandsteinarchitektur.

„Cum Deo – per Deum – ad Deum“

Über dem Hauptportal befindet sich die lateinische Inschrift:

CUM DEO · PER DEUM · AD DEUM

Sinngemäß bedeutet sie:

„Mit Gott – durch Gott – zu Gott.“

Die kurze Inschrift fasst den religiösen Anspruch des Kirchenbaus prägnant zusammen. Sie beschreibt einen geistlichen Weg, der mit Gott beginnt, durch Gott geführt wird und schließlich wieder zu Gott zurückführt.

Damit besitzt die Portalinschrift gerade für eine Kirche entlang eines Pilgerwegs eine besondere Aussagekraft.

Die Inschrift „Cum Deo – per Deum – ad Deum“ über dem Hauptportal von St. Georg.
Die Inschrift „Cum Deo – per Deum – ad Deum“ über dem Hauptportal von St. Georg.

Das Bildfeld über dem Portal

Oberhalb der Inschrift befindet sich ein halbkreisförmiges Bildfeld.
Auch wenn die Darstellung heute nur noch eingeschränkt erkennbar ist, bildet sie zusammen mit der Portalinschrift den religiösen Mittelpunkt des Eingangsbereichs.
Architektur, Bild und Inschrift wurden hier bewusst miteinander verbunden und machen das Portal nicht nur zu einem funktionalen Eingang, sondern zugleich zu einem theologischen Übergang in den sakralen Raum.

Detail des Hauptportals mit Bildfeld und der lateinischen Inschrift oberhalb des Eingangs.
Detail des Hauptportals mit Bildfeld und der lateinischen Inschrift oberhalb des Eingangs.

Der historische Chorturm und seine Glocken

Der spätgotische Turm von 1522 hat nicht nur architektonische Bedeutung, sondern beherbergt auch das Geläut der Kirche.

Im Turm befinden sich vier Glocken.

Die größte Glocke trägt den Namen Jesusglocke und stammt aus dem Jahr 1864.

Die drei kleineren Glocken sind der heiligen Maria, dem heiligen Joseph und dem Kirchenpatron St. Georg geweiht.

Damit verbindet der Turm mehrere Epochen der Kirchengeschichte: mittelalterliche Architektur, ein Geläut des 19. Jahrhunderts und die Nutzung innerhalb des neuromanischen Kirchenensembles.

Historische Grabsteine an St. Georg

An der Außenwand der Kirche haben sich historische Grabsteine erhalten.

Sie erinnern daran, dass Kirche, Kirchhof und Begräbniskultur über Jahrhunderte eng miteinander verbunden waren.

Besonders bemerkenswert ist der Grabstein des Arzheimer Pfarrers Franz Friedel aus dem Jahr 1764.

Der reich verzierte Sandstein zeigt ein aufwendig gestaltetes Bildprogramm mit Rocailleschmuck, einem strahlenden IHS-Christusmonogramm und weiteren religiösen Symbolen.

Der reich verzierte Grabstein des Arzheimer Pfarrers Franz Friedel aus dem Jahr 1764
Der reich verzierte Grabstein des Arzheimer Pfarrers Franz Friedel aus dem Jahr 1764

Ein weiterer historischer Grabstein ist wesentlich schlichter gestaltet und deutlich stärker verwittert.
Seine Inschrift ist heute nur noch teilweise lesbar.
Gerade solche Grabsteine zeigen, wie stark sich Bestattungskultur, Erinnerung und Kirchenraum auch außerhalb des eigentlichen Gebäudes miteinander verbinden.

Ein weiterer historischer Grabstein an der Außenwand von St. Georg.
Ein weiterer historischer Grabstein an der Außenwand von St. Georg.

Die Orgel

Auch die Orgelgeschichte von St. Georg reicht bis in die frühe Zeit des heutigen Kirchenbaus zurück.

Bereits 1906 errichtete Heinrich Voltmann eine Orgel für die Kirche.

Dieses Instrument wurde 1955 durch die heutige Orgel ersetzt, die von der Firma Roth gebaut wurde.

1975 erfolgte eine Restaurierung durch Gerd Mayer. Dabei wurden sowohl die Disposition als auch die Intonation verändert.

Die Orgel verfügt heute über 20 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal und besitzt elektrische Trakturen.

Der heilige Georg als Kirchenpatron

Die Kirche steht unter dem Patrozinium des heiligen Georg, dessen Gedenktag am 23. April gefeiert wird.

Georg gehört zu den bekanntesten Heiligen des christlichen Mittelalters.

Der Überlieferung nach war er Soldat im Heer Kaiser Diokletians und erlitt zu Beginn des 4. Jahrhunderts das Martyrium.

Besonders bekannt wurde die Legende vom Drachenkampf. Darin besiegt Georg einen Drachen und rettet dadurch eine bedrohte Bevölkerung.

Diese Darstellung machte ihn im Mittelalter zu einem Sinnbild für Mut, Glaubensstärke und den Sieg über das Böse.

St. Georg am Pfälzer Jakobsweg

St. Georg liegt im historischen Ortskern von Arzheim und unmittelbar im Umfeld des Pfälzer Jakobswegs.
Für Pilger ist die Kirche damit nicht nur ein religiöser Ort, sondern zugleich ein eindrucksvolles Zeugnis der regionalen Bau- und Kirchengeschichte.
Gerade die Verbindung aus spätgotischem Turm, neuromanischem Kirchenbau, historischen Portalen und erhaltenen Grabsteinen macht St. Georg zu einem besonders vielschichtigen Bauwerk entlang der Route.
Der Bau zeigt, wie sich die Geschichte eines Ortes über Jahrhunderte hinweg in einer einzigen Kirche ablesen lässt.

Quellenangaben

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