Der Katharinenaltar
im Trierer Dom
Ein barocker Marmoraltar mit drei Heiligenfiguren – geschaffen 1723 bis 1726 und geprägt von der Kunst Andrea Pozzos, der Stifterpolitik Franz Ludwigs und den späteren Umbauten des Trierer Doms.

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Ein Altar zwischen Heiligenverehrung und barocker Raumkunst
Im Bereich des südlichen Eingangs im Trierer Dom steht der Katharinenaltar, dessen Marmorarchitektur durch Säulen, eine Nische und geschwungene Gesimse gegliedert ist. Zwischen kräftigen Säulen, dunklen Gesimsen und einer muschelartig ausgebildeten Nische steht die heilige Katharina von Alexandrien. Das Schwert kennzeichnet sie als Märtyrerin. Zur Form ihres Radattributs enthalten die herangezogenen Publikationen voneinander abweichende Beschreibungen. Zwei weitere Heiligenfiguren erweitern das Ensemble um ein bemerkenswertes Kapitel der Trierer Kirchengeschichte.
Der Katharinenaltar wurde zusammen mit dem Agnesaltar in der Amtszeit des Kurfürsten und Erzbischofs Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg geschaffen. Beide Werke waren ursprünglich als zusammengehörige Teile der barocken Chorgestaltung gedacht. Ihre heutigen Standorte erzählen von späteren Umbauten, Restaurierungen und einem veränderten Verständnis des Kirchenraums.
Gerade weil der Altar über Jahrhunderte umgestellt und in seiner Figurenbesetzung verändert wurde, lässt sich an ihm mehr ablesen als ein einzelnes Heiligenbild: die Zusammenarbeit von Steinmetzen und Bildhauern, den Austausch künstlerischer Ideen über große Entfernungen sowie die Selbstdarstellung eines frühneuzeitlichen Kirchenfürsten.
Die Altararchitektur und der Figurenschmuck entstanden durch unterschiedliche Werkstätten. Andrea Pozzo gab die architektonische Vorlage – er war jedoch nicht persönlich am Trierer Dom tätig.
Zeitleiste: Vom Chorgitter zum Langhauspfeiler
Andrea Pozzo veröffentlicht im zweiten Teil seines Lehrwerks Perspectiva pictorum atque architectorum einen Altarentwurf, der später in Trier aufgegriffen wird.
Johannes Maus und Simon Bermann schließen den Vertrag für die beiden zusammengehörigen Altäre.
Johann Neudecker der Jüngere wird mit Figuren und weiteren skulpturalen Elementen beauftragt.
Katharinen- und Agnesaltar bilden ein Paar am Übergang zum Ostchor.
Ein historischer Forschungsbeitrag nennt den 24. April 1726 als Weihedatum.
Die Altäre verlassen die ursprüngliche Stellung am Chor. Am Katharinenaltar tritt die Figur des heiligen Maternus an die Stelle der früheren Elisabethfigur.
Nach der umfassenden Umgestaltung des Kirchenraums stehen die Altäre an den westlichen Langhauspfeilern.
Die unterschiedlichen Jahresangaben für die erste Versetzung – 1898 beziehungsweise um 1900 – beziehen sich in der Literatur auf den Umbaukomplex und die späteren Veränderungen der Figuren. Sie sollten nicht künstlich zu einem einzigen gesicherten Ereignisdatum zusammengezogen werden.
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg und die barocke Neugestaltung
Der Bauherr des Altarpaares war Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664–1732). Er amtierte von 1716 bis 1729 als Erzbischof und Kurfürst von Trier und führte gleichzeitig weitere bedeutende kirchliche Ämter. Die Verbindung von geistlicher Leitung, höfischer Repräsentation und Kulturförderung war charakteristisch für seine Zeit.
Nach dem Dombrand von 1717 wurde das Innere der Kathedrale wesentlich umgestaltet. Der Abbruch des alten Lettners und die Neuordnung des Blicks auf den Ostchor veränderten den Raumeindruck. Das große Chorgitter und die zwei flankierenden Altäre machten den Übergang zwischen Langhaus und Chor zu einem sichtbar gestalteten Ensemble.
Mit den beiden Heiligenaltären stiftete Franz Ludwig nicht bloß Ausstattungsstücke für die Liturgie. Die Figurenwahl nahm zugleich Beziehungen zu weiteren Gebieten seiner kirchlichen Herrschaft auf. Besonders deutlich wird dies an der heiligen Hedwig von Schlesien, die am Katharinenaltar bis heute zu sehen ist.
Das Chorgitter wurde vom Domkapitel gestiftet; die beiden flankierenden Altäre gelten als Stiftung des Kurfürsten. Beides gehört zur gemeinsamen Gestaltung des Ostchors, ist aber nicht derselbe Auftrag.
Marmorarchitektur und Alabasterfiguren: drei namentlich belegte Meister
Johannes Maus und Simon Bermann
Für die Architektur beider Altäre wurden der Limburger Steinmetz Johannes Maus und sein Partner Simon Bermann verpflichtet. Der überlieferte Vertrag vom 12. Juli 1723 belegt ihren Anteil am steinernen Aufbau. Das Zusammenspiel farbiger Marmorarten – dunkle Gesimse und rottonige Säulenschäfte – verleiht dem Katharinenaltar seine ausgeprägte räumliche Wirkung.
Johann Neudecker der Jüngere
Der Figurenschmuck wurde dem Bildhauer Johann Neudecker dem Jüngeren übertragen. Der Vertrag datiert vom 18. Oktober 1723. Die kunsthistorische Literatur nennt für die figürlichen Bestandteile Alabaster. Neudecker gehörte zu einer überregional tätigen Bildhauertradition aus dem Raum Hadamar und Fulda.
Der Auftrag umfasst nicht nur die zentrale Standfigur, sondern ein ganzes Programm aus Seitenfiguren, Engeln, Kapitellen und plastischen Zierformen. Die Architektur bildet den Rahmen; die Figuren setzen Bewegung, Erzählung und Heiligenbezüge hinein. Ihre Wirkung erschließt sich deshalb erst im Zusammenklang.
Nicht jede heute am Altar stehende Figur ist für diesen Standort neu geschaffen worden. Die Maternusfigur wurde aus einem älteren Zusammenhang übernommen. Das ist für die Zuschreibung einzelner Skulpturen entscheidend.
Andrea Pozzo als Ideengeber – nicht als Trierer Baumeister
Ein wesentlicher Schlüssel zur Form der beiden Altäre liegt in der italienisch geprägten Architekturtheorie des Barocks. Andrea Pozzo (1642–1709), Jesuit und Meister perspektivischer Illusion, veröffentlichte 1698 in seinem Werk Perspectiva pictorum atque architectorum einen Altarentwurf, der dem späteren Trierer Aufbau verblüffend nahekommt.
Der Bezug zu dieser Vorlage wurde von dem Kunsthistoriker Franz Ronig 1968 herausgearbeitet. Aufgemalte und gebaute Architektur sollten im Sinn des Barocks ein überwältigendes Raumerlebnis schaffen. Das Prinzip ist am Trierer Katharinenaltar in kleinerem Maßstab greifbar: Säulen, Nischenraum, seitliche Figuren und schwungvoller Giebel formen ein in sich geschlossenes Szenenbild.
Als möglicher Vermittler von Pozzos Ideen wird Christoph Tausch diskutiert, der in Wien zu Pozzos Schülern und Mitarbeitern gehörte und später für Franz Ludwig tätig war. Eine solche Vermittlung ist kunsthistorisch plausibel, aber nicht mit einer persönlichen Planung Pozzos in Trier gleichzusetzen.
Der Katharinenaltar ist eine Trierer Umsetzung einer überregional verbreiteten barocken Formidee – kein eigenhändiges Werk Andrea Pozzos.
Ein Bühnenraum aus rotem Marmor, dunklen Bögen und Licht
Der Altar lässt sich wie eine sorgfältig gestaffelte Fassade lesen. Ein breiter Sockel trägt die von Säulen betonte Mittelzone. Ihre farbige Marmoroberfläche hebt sich von den dunklen Gesimsen ab. Dazwischen vertieft sich eine Nische, deren muschelförmiger Abschluss die zentrale Figur wie in einem Baldachin umgibt.
Über der Nische folgen mehrfach geschwungene Architekturglieder, Engelsfiguren und eine große, dunkel akzentuierte Muschel- oder Baldachinform. Das oberste Element nimmt das Motiv der Nische wieder auf und schließt die Komposition mit sichtbarer Dynamik ab. Die Engel mildern die Strenge des schweren Steinaufbaus und führen den Blick nach oben.
Die Materialien unterscheiden sich sichtbar in Farbe und Oberfläche: die dunklen und rötlichen Marmorteile rahmen die hellen Skulpturen. Welche Wirkung das Licht im Kirchenraum erzeugt, hängt vom Betrachtungsstandort und den jeweiligen Lichtverhältnissen ab.
Architektur als Rahmen
Die Säulen und der Bogen bilden eine räumliche Fassung für die Heilige. Der Betrachter sieht nicht einfach eine Statue, sondern eine inszenierte Erscheinung.
Barocke Bewegung
Geschwungene Gesimse, bewegte Engel und wechselnde Materialfarben erzeugen eine aufsteigende Blickführung.
Katharina von Alexandrien: die gelehrte Märtyrerin
Im Zentrum steht Katharina von Alexandrien, eine der bekanntesten Heiligen der christlichen Überlieferung. Die Figur zeigt sie als aufrecht stehende junge Frau in reich bewegtem Gewand. Ihr Schwert ist deutlich zu erkennen. Das Rad ist eines der klassischen Attribute dieser Heiligen. Ob und in welcher Form es an der heutigen Trierer Figur erhalten ist, wird in den herangezogenen Veröffentlichungen allerdings unterschiedlich beschrieben.
Der Stoff fällt in kräftigen Falten über den Körper und bindet die Figur in die bewegte Sprache des Barocks ein. Katharina erscheint nicht als passives Opfer, sondern als selbstbewusste und geistig standhafte Gestalt. Ihr Platz in der zentralen Nische hebt sie gegenüber den beiden Seitenfiguren hervor.
Die Erzählungen über Katharina sprechen von einer gebildeten Christin, die ihren Glauben vor dem Kaiser verteidigt, Gelehrte in einem Streitgespräch überzeugt und schließlich das Martyrium erleidet. Diese Erzählung gehört zur Heiligenlegende; eine unabhängig gesicherte zeitgenössische Biografie Katharinas ist nicht überliefert.
Dass Katharina in der christlichen Tradition als Märtyrerin verehrt wird, ist gut belegt. Einzelheiten ihrer Lebensgeschichte – etwa die Auseinandersetzung mit Gelehrten oder das zerbrechende Folterrad – sind hagiografische Überlieferungen und keine gesicherten Ereignisberichte.
Das Rad, das Schwert und die Sprache der Heiligenattribute
Das Rad: Heiligenattribut und Quellenfrage
Nach der Legende sollte Katharina durch ein mit Klingen versehenes Rad zu Tode gebracht werden. Als das Rad zerbrach, blieb sie zunächst verschont. Deshalb zählt das zerbrochene Rad in der christlichen Ikonografie zu ihren wichtigsten Erkennungszeichen. Für das konkrete Trierer Werk ist die Beschreibung aber uneinheitlich: Die 2016 von der Hohen Domkirche Trier herausgegebenen Unterrichtsmaterialien sprechen von einem zerbrochenen Rad zu ihren Füßen; Wolfgang Kaps bezeichnet das Rad in seiner kunsthistorischen Darstellung (Stand 2011) dagegen als fehlend. Diese Differenz lässt sich ohne detaillierte Objektaufnahme nicht abschließend auflösen.
Das Schwert
Das Schwert verweist auf das Ende der Erzählung: Katharina soll schließlich enthauptet worden sein. Das deutlich erkennbare Schwert und die überlieferte Zuordnung zum Katharinenaltar stützen die Identifikation der Figur. Solche Attribute erfüllten in der historischen Kirchenausstattung eine grundlegende Funktion: Sie halfen dabei, Heilige zu erkennen.
Kleidung, Haltung und Blick
Die reich gefaltete Kleidung und die ruhige Position in der Mitte der Nische verbinden Würde mit Bewegung. Ihre Wirkung steht in einer langen Tradition der Heiligendarstellung, wird am Katharinenaltar aber in einer betont barocken Formensprache umgesetzt.
Die beiden Seitenheiligen: Hedwig und Maternus
Die große Zentralfigur wird von zwei kleineren Standfiguren außerhalb der Nische begleitet. Sie ergänzen das Katharinenpatrozinium um Verbindungen zur politischen und kirchlichen Geschichte des Auftraggebers und des Bistums.
Rechts: die heilige Hedwig
Hedwig von Schlesien trägt ein Kirchenmodell. Damit erinnert die Figur an die von ihr geförderte Zisterzienserkirche in Trebnitz und die Beziehungen Franz Ludwigs zum Bistum Breslau.
Links: der heilige Maternus
Die Bischofsfigur mit Stab ist Maternus zugeordnet. Sie steht für die frühe christliche Überlieferung der Trierer Kirche. Ihr heutiger Platz am Altar ist das Ergebnis einer späteren Umgestaltung.
Die Seitenfiguren zeigen beispielhaft, dass barocke Altarprogramme keine zufällige Ansammlung heiliger Personen waren. Ihre Auswahl konnte religiöse Tradition, Ortsgeschichte und die Interessen des Stifters gleichermaßen aufgreifen.
Warum eine schlesische Landesheilige in Trier steht
Die heilige Hedwig von Schlesien (1174/1180–1243) war eine hochadelige Stifterin, die insbesondere mit der Förderung religiöser Gemeinschaften in Schlesien verbunden wird. Ihr Attribut ist häufig ein Kirchenmodell. Am Trierer Katharinenaltar verweist es auf die Zisterzienserkirche von Trebnitz (Trzebnica), die mit ihrer Stiftungstradition verbunden ist.
Die Wahl der Hedwigfigur erhält im Zusammenhang mit Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg eine zusätzliche Bedeutung: Er war nicht nur Erzbischof von Trier, sondern auch Bischof von Breslau. Durch die Figur bekam sein kurtrierischer Altar eine sichtbare Verbindung zu Schlesien. Die Konzeption verband zwei geografisch entfernte Kirchenlandschaften in einem gemeinsamen Bildprogramm.
Die Figur steht, vom Betrachter aus gesehen, rechts außerhalb der Nische. Ihr Kirchenmodell unterscheidet sie von Katharina und Maternus. Gerade diese scheinbare Nebenfigur macht die überregionale Reichweite des barocken Stifternetzwerks besonders anschaulich.
Maternus und der Wechsel der Figuren um 1900
Die Figur links des Altaraufbaus zeigt den heiligen Maternus, der in der Trierer Bischofstradition eine wichtige Rolle spielt. Mit dem Bischofsstab ist die Gestalt als kirchlicher Amtsträger gekennzeichnet. Maternus ist auch mit der frühen Kirchengeschichte von Köln und Tongern verbunden.
Bemerkenswert ist allerdings ihre Stellung innerhalb des Ensembles: Die Forschung berichtet, dass dort ursprünglich die heilige Elisabeth stand. Als der Katharinenaltar um 1900 an das westliche Ende des Seitenschiffs versetzt wurde, trat Maternus an ihre Stelle. Die Figur wurde aus dem älteren Grabaltar Karl Kaspars von der Leyen übernommen.
Der heutige Zustand ist deshalb kein vollständig unverändertes Programm von 1725. Das ist keine Schwäche des Kunstwerks, sondern ein Teil seiner Geschichte. Die Umstellung änderte, welche Heiligen zusammen betrachtet werden konnten – und damit auch die Aussage des Altars.
1725: Katharina in der Mitte, Hedwig und Elisabeth als Seitenfiguren. Heute: Katharina, Hedwig und Maternus. Die aktuelle Figurenfolge sollte bei der Datierung nicht pauschal als geschlossenes Originalprogramm von 1725 bezeichnet werden.
Der Agnesaltar: zwei Altäre als ein einziges Raumkonzept
Der Katharinenaltar hatte von Anfang an ein architektonisches Gegenstück: den Agnesaltar. Beide wurden gemeinsam beauftragt, besitzen verwandte Gliederungselemente und waren vor den westlichen Enden der seitlichen Lettnerwände am Ostchor aufgestellt. Die beiden Bauten rahmten die Grenze zwischen dem Raum der Gemeinde und dem Chor.
Die identische architektonische Ordnung war beabsichtigt. Gerade im Wechsel mit unterschiedlichen Heiligenfiguren erzeugte sie einen festlichen Rhythmus. Die paarige Aufstellung machte das Chorgitter und den Zugang zum Ostchor zu einer zusammengehörigen Inszenierung.
Die Altäre erinnern daran, dass historische Ausstattung nicht nur aus isolierten Kunstwerken besteht: Ihre erste Bedeutung lag im Zusammenspiel mit dem Kirchenraum. Der heutige Standort lässt diese ursprüngliche Verbindung weniger unmittelbar erkennen; historische Beschreibungen und Bildquellen helfen bei der Rekonstruktion.
Warum der Katharinenaltar heute nicht mehr am Chorgitter steht
Im Zuge der Domrenovierung am Ende des 19. Jahrhunderts verließen der Katharinen- und der Agnesaltar ihre ursprüngliche Aufstellung am Ostchor. Für diese erste Versetzung nennt die Forschung 1898; andere Darstellungen beschreiben den Umbaukomplex um 1900.
Die große Trierer Domrestaurierung von 1960 bis 1974 bedeutete eine weitere Neuordnung des Innenraums. Der liturgische Altarbezirk wurde im Geist der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet. Die beiden barocken Seitenaltäre fanden schließlich ihren Platz an den Langhauspfeilern vor dem Westchor.
So begegnen sich am heutigen Standort zwei Zeitschichten. Das Werk selbst spricht in den Formen des 18. Jahrhunderts, während seine Präsentation von Entscheidungen des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt ist. Wer den Altar heute sieht, betrachtet immer auch ein Ergebnis historischer Restaurierungspraxis.
Ein Foto, viele Einzelheiten: So lässt sich der Altar lesen
Die eigene Aufnahme zeigt fast den gesamten Aufbau einschließlich der seitlichen Figuren und des hohen, muschelförmigen Abschlusses. Gerade mit nur einem Foto können mehrere formale Einzelheiten unmittelbar miteinander verglichen werden. Die folgenden Hinweise beziehen sich auf das hier verwendete Originalbild:
- Ganz oben: die große dunkle Muschelbekrönung und plastische Zierformen setzen einen markanten Schlussakzent.
- Die bewegte Oberzone: Engel auf den gebogenen Gesimsen durchbrechen die strenge Symmetrie.
- In der Mitte: Katharina steht vor der muschelförmigen Nischenrückwand. Ihr Schwert ist gut erkennbar.
- Im Fußbereich: Die Dom-Unterrichtsmaterialien beschreiben ein zerbrochenes Rad; die ältere Untersuchung von Wolfgang Kaps dagegen ein fehlendes Rad. Aus dieser Aufnahme allein lässt sich der Widerspruch nicht sicher klären.
- Links: die Maternusfigur ist an ihrer bischöflichen Ausstattung zu erkennen.
- Rechts: Hedwig mit dem Kirchenmodell verbindet das Programm mit Schlesien.
- Die Rahmung: farbiger Marmor und helle Skulpturen erzeugen den typischen Materialkontrast.
Es sind keine zusätzlichen Nahaufnahmen vorhanden. Deshalb verwendet die Dokumentation die Gesamtaufnahme nur im Titelbereich; die Vergrößerung öffnet dieselbe Datei auf Wunsch, ohne sie als zweites Seitenbild einzubauen.
Warum Katharina im Barock weiterhin verehrt wurde
Katharina von Alexandrien gehörte seit dem Hochmittelalter zu den populären Heiligen. In vielen Regionen galt sie als Fürsprecherin für Menschen, die mit Bildung, Sprache, Handwerk oder gefährlichen Tätigkeiten zu tun hatten. Ihr Bild verband intellektuelle Standhaftigkeit mit der Bereitschaft, für den Glauben einzutreten.
Im 18. Jahrhundert erhielt diese bereits alte Verehrung im Trierer Dom eine neue künstlerische Form. Statt eines mittelalterlichen Tafelbilds oder geschnitzten Schreins steht eine großformatige, rundplastische Alabasterfigur inmitten einer bühnenartigen Marmorkonstruktion. Die barocke Gestaltung sollte die Heilige präsent und nahbar erscheinen lassen.
Die religiöse Funktion des Altars und die politische Bedeutung des Stifters schließen einander nicht aus. In der frühneuzeitlichen Kathedrale gehörten Liturgie, Kunst, öffentliche Ordnung und Erinnerungskultur vielfach zusammen. Gerade dieser Doppelcharakter macht den Katharinenaltar zu einer aufschlussreichen Quelle.
Ein Zeugnis europäischer Verbindungen im Trierer Dom
Der Katharinenaltar vereint auf ungewöhnlich deutliche Weise mehrere Ebenen: eine Märtyrerheilige der christlichen Überlieferung, eine in italienischer Architekturtheorie entwickelte Form, Steinmetzarbeiten aus dem Limburger Raum, Bildhauerkunst aus der Hadamarer Tradition und das kirchenpolitische Netzwerk Franz Ludwigs zwischen Trier und Schlesien.
Mit seinem Gegenstück, dem Agnesaltar, ist er außerdem ein Denkmal der barocken Neuordnung des Doms nach dem Brand von 1717. Die späteren Versetzungen und der Austausch einer Seitenfigur machen sichtbar, dass Kirchenkunst nicht nur geschaffen, sondern über lange Zeiträume neu interpretiert und in veränderte Räume integriert wurde.
Ein einzelner Altar kann zugleich Heiligenbild, Architekturdenkmal und Spiegel europäischer Kirchengeschichte sein.
Den Katharinenaltar im Trierer Dom entdecken
Der Katharinenaltar befindet sich im südlichen Bereich des Langhauses der Hohen Domkirche St. Peter, nahe dem südlichen Eingangsportal. Vom Mittelschiff aus lässt sich besonders gut die gestaffelte Architektur betrachten; im Näherkommen werden die Attribute Katharinas und der seitlichen Heiligenfiguren sichtbar.
Beim Betrachten
Achte auf die hohe Muschelbekrönung, die Engel oberhalb des Giebels und die hellen Alabasterfiguren vor den dunkleren Marmorteilen. Interessant ist auch der Vergleich mit dem Agnesaltar.
Öffnung und Nutzung
Der Trierer Dom ist eine aktive Bischofskirche. Zugänglichkeit und Fotografiermöglichkeiten können während Gottesdiensten oder Veranstaltungen eingeschränkt sein. Aktuelle Hinweise bietet die offizielle Dom-Website.
Die allgemeine Lage und die geschichtliche Einordnung findest du in unserer Gesamtdokumentation zum Trierer Dom. Informationen zum Kirchenbesuch stehen auf trierer-dom.de.
Weitere Kunstwerke des Trierer Doms
Der Katharinenaltar gehört in die Kategorie Altäre & Retabel. Anders als der zuvor dokumentierte Dreikönigsaltar ist er nicht primär ein Grabaltar; eine zweite Einordnung unter Grabdenkmäler ist daher nicht erforderlich.
Häufige Fragen zum Katharinenaltar
Wann entstand der Katharinenaltar im Trierer Dom?
Der Auftrag für Marmorarbeiten und Figurenschmuck wurde 1723 vergeben. Die Altäre wurden 1725 aufgestellt und 1726 geweiht.
Wer schuf den Katharinenaltar?
Johannes Maus und Simon Bermann fertigten die Marmorarchitektur; Johann Neudecker der Jüngere wurde mit dem Figurenschmuck beauftragt. Das architektonische Konzept folgt einer veröffentlichten Vorlage Andrea Pozzos.
Hat Andrea Pozzo selbst den Altar gebaut?
Nein. Die Trierer Altäre nehmen eine von Pozzo 1698 publizierte Formidee auf. Er war nicht persönlich an ihrer Ausführung beteiligt.
Welche Heilige steht in der Mitte?
Katharina von Alexandrien. Die Figur trägt ein Schwert. Das traditionell zugehörige Rad wird in den Quellen zur Trierer Figur unterschiedlich beschrieben.
Wer steht rechts und links neben Katharina?
Rechts befindet sich Hedwig von Schlesien mit einem Kirchenmodell, links der heilige Maternus in bischöflicher Darstellung.
Waren die Seitenfiguren immer dieselben?
Nein. An der Stelle des heutigen Maternus befand sich ursprünglich eine Statue der heiligen Elisabeth. Die spätere Maternusfigur stammt aus einem älteren Grabaltar.
Wo stand der Katharinenaltar ursprünglich?
Gemeinsam mit dem Agnesaltar vor den westlichen Enden der seitlichen Lettnerwände am Ostchor, wo beide das Chorgitter flankierten.
Ist der Katharinenaltar ein Grabdenkmal?
Nein, seine Hauptfunktion ist der Altar zu Ehren Katharinas. Seine Einordnung erfolgt daher unter Altäre & Retabel.
Quellen und Literatur
Die Datierungen und Werkstattzuweisungen stützen sich vor allem auf archivalisch belegte Forschungen und die Trierer Domliteratur. Kunsthistorische Deutungen – etwa die Vermittlung von Pozzos Vorlagen durch Christoph Tausch – sind als plausible Einordnung, nicht als dokumentierte persönliche Mitarbeit Pozzos formuliert.
Quellenkritischer Hinweis zum Radattribut: Eine Publikation der Hohen Domkirche Trier von 2016 beschreibt ein zerbrochenes Rad, die unten aufgeführte historische Untersuchung von Wolfgang Kaps bezeichnet das Rad als fehlend. Beide Aussagen werden daher nebeneinandergestellt, ohne daraus einen unbelegten Restaurierungs- oder Verlustvorgang abzuleiten.
Zur Figurenfolge: Historische kunstgeschichtliche Untersuchungen nennen die ursprüngliche Kombination mit Elisabeth und Hedwig und den späteren Austausch durch Maternus. Der heutige Zustand ist daher als gewachsenes Ensemble zu betrachten.
Alle fotografischen Aufnahmen in dieser Dokumentation stammen aus dem eigenen Bildbestand von The Camino History. Es wurde ausschließlich die vom Betreiber bereitgestellte Aufnahme des Katharinenaltars eingebunden.
