The Camino History · Grabkunst der Renaissance · Andernach

Daniel Schilling von Lahnstein

Ein Rittergrabmal von 1541 im Mariendom Andernach: Rüstung, Rosenkranz, Ahnenwappen und das Erinnerungsbild eines mehrfachen Bürgermeisters.

Grabmal Daniel Schilling von Lahnstein · Eigene Fotografie © The Camino History
Gedenkjahr1541
Todestag28. Juli 1541
KunstepocheRenaissance
StandortMariendom Andernach

Ein Ritter, der seit fast fünf Jahrhunderten betet

An der Westwand der Andernacher Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt begegnet man einem Mann in voller Rüstung. Der Helm ist geschlossen über den Kopf gesetzt, das Visier steht offen; seine Hände liegen vor der Brust zum Gebet zusammen. Über ihm nennt eine alte Inschrift den Namen Daniel Schilling von Lahnstein und das Todesjahr 1541. Es ist kein gewöhnliches Bild eines gefallenen Kriegers. Die Figur sollte die Erinnerung an einen angesehenen Andernacher Bürger, Schöffen und Bürgermeister über seinen Tod hinaus im Kirchenraum bewahren.

Das Epitaph verbindet spätmittelalterliche Frömmigkeit mit Formen der Renaissance. Die Rüstung verweist auf Stand und gesellschaftlichen Rang, der Rosenkranz auf die erhoffte Fürbitte; vier Wappen erzählen von adeliger Herkunft, während Ranken und kleine Kapitelle einen architektonischen Rahmen bilden. Gerade die Mischung aus selbstbewusster Repräsentation und stiller Gebetshaltung macht das Denkmal zu einem aufschlussreichen Zeugnis der frühen Neuzeit am Mittelrhein.

Das Denkmal auf einen Blick

BezeichnungWandepitaph Daniel Schilling von Lahnstein
EntstehungszeitUm 1541 / 1540er-Jahre
DargestellterDaniel Schilling von Lahnstein († 28. Juli 1541)
StandortMariä Himmelfahrt, Westwand des Mittelschiffs
MaterialTuffstein
MaßeEtwa 240 × 110 cm
BildtypStehender, betender Ritter im Architekturrahmen
KünstlerNicht gesichert überliefert

Bei dem Werk handelt es sich um ein an der Wand angebrachtes Gedenkmonument. Die genaue Lage von Schillings eigentlicher Bestattung ist damit nicht belegt; ein Epitaph und ein Grab im Boden müssen nicht am selben Ort liegen.

Wer war Daniel Schilling von Lahnstein?

Daniel entstammte einem rheinischen Adelsgeschlecht, dessen Angehörige in Diensten verschiedener geistlicher Landesherren standen. Die Familie war in der Landschaft zwischen Lahn, Mosel und Mittelrhein verwurzelt und gewann durch Lehen, Ehen und städtische Ämter Einfluss. Daniel gehörte zum Andernacher Zweig; dort lag nicht nur sein politischer Wirkungskreis, sondern auch sein städtischer Wohnsitz.

Sein genaues Geburtsjahr ist nicht zuverlässig überliefert. Er wird bereits 1473 in einer städtischen Rechnung genannt und ist von 1477 bis 1540 durch zahlreiche Schöffenurkunden belegt. Daniel muss deshalb bei seinem Tod 1541 ein für die Zeit sehr hohes Alter erreicht haben. Die oft genannten exakten Geburtsjahre sind als unsichere Rekonstruktionen zu behandeln.

Er war mit Margarete von Kottenheim verheiratet. Ihre Familie gehörte ebenfalls zum niederen Adel des Rheinlands. Der Familie entstammten mehrere Kinder, darunter der Sohn Konrad, dessen eigenes Epitaph in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Kottenheim erhalten blieb.

Schöffe und mehrfacher Bürgermeister einer Rheinstadt

Andernach war im ausgehenden Mittelalter eine wohlhabende Stadt am Rhein, deren Geschicke sich zwischen kurkölnischer Landesherrschaft, eigenen städtischen Rechten und regionalen Handelsbeziehungen entwickelten. Die Verwaltung lag nicht allein in den Händen eines modernen, dauerhaften Bürgermeisters: Unterschiedliche Ämter und Kollegien teilten sich Zuständigkeiten. In diesem Gefüge spielte Daniel Schilling eine langjährige Rolle.

Die archivalische Forschung weist ihn zwischen 1477 und 1530 insgesamt zehnmal als Bürgermeister aus. Mehrfach übte er außerdem das Amt eines städtischen Baumeisters aus; über viele Jahre bekleidete er die Funktion des Schützenmeisters. Als Ritterschöffe war er am städtischen Rechtsleben beteiligt. Der überlieferte Nachlass an Urkunden zeigt somit keinen legendären Einzelhelden, sondern einen Amtsträger, der über Jahrzehnte verlässlich in Andernach präsent war.

Sein Haus, der Schillingshof am Steinweg, lag in der Nähe des Himmeroder Hofes und unweit der Liebfrauenkirche. Die räumliche Nähe zwischen städtischem Lebenszentrum und Gotteshaus macht verständlich, warum sein Erinnerungsbild gerade dort sichtbar blieb.

1473Erste bekannte Erwähnung in einer städtischen Rechnung
1477–1530Zehnmal als Bürgermeister nachgewiesen
1499Stiftung mit Margarete für das Stift Niederwerth
1541Tod am 28. Juli; Entstehungsumfeld des Epitaphs

Die angebliche „Gründung der Hansestadt“

Eine bis in jüngere Darstellungen weitergetragene Erzählung feiert Daniel als den Mann, der Andernach zur Hansestadt gemacht und ihre Unabhängigkeit erkämpft habe. So eindrucksvoll diese Geschichte klingt, sie hält einer Quellenprüfung nicht stand. Die Forschung hat nachgewiesen, dass die entsprechenden später verbreiteten Aussagen auf erfundenen Belegen beruhten.

Diese Unterscheidung ist nicht bloß eine historische Spitzfindigkeit: Sie verändert auch die Deutung des Epitaphs. Wäre das Monument eine öffentliche Ehrung durch die Stadt für ihren angeblichen Gründer gewesen, müsste man an ihm eher ein Stadtwappen oder eine Widmung der Bürgerschaft erwarten. Stattdessen zeigt es Daniels Ahnenwappen und bittet um Gottes Erbarmen. Das Denkmal ist deshalb vor allem Ausdruck familiärer Erinnerung und persönlicher Memoria, nicht das Denkmal eines Stadtgründers.

Eine gerüstete Standfigur zwischen Gotik und Renaissance

Fast lebensgroß steht Daniel in einer flachen, rundbogig geschlossenen Nische. Sein Körper ist nicht streng symmetrisch: Ein Bein ist etwas versetzt, die Haltung wirkt leicht nach vorn geneigt. Diese Bewegung belebt das Bild, obwohl der gerüstete Mann insgesamt ruhig und gesammelt erscheint. Die Figur füllt den schmalen steinernen Bildraum so weit aus, dass Rüstung und Architektur eng zusammenspielen.

Ein aufgehobenes Helmvisier macht die Gesichtszüge sichtbar. Ob sie das tatsächliche Aussehen Daniels getreu wiedergeben, bleibt offen. Solche Denkmäler stellen Verstorbene meist als erinnerungswürdige Standespersonen dar – nicht notwendigerweise so, wie sie im hohen Alter aussahen. Die aufgerichtete Gestalt unterscheidet sich deutlich von mittelalterlichen Liegefiguren auf Grabplatten und verweist auf eine veränderte Bildsprache der Renaissance.

Harnisch, Schwert und Dolch – das Selbstbild eines Ritters

Der detailreich gearbeitete Harnisch umfasst Helm, Kragen, Brust- und Schulterpanzer, Ellbogenstücke, Handschuhe, Beinschienen und breite Rüstungsschuhe. Zu den fein beobachtbaren Einzelheiten gehören der Haken an der Brust zum Einlegen einer Lanze und die beweglichen Metallglieder am Hals. Gürtel und Waffen ergänzen die sorgfältig modellierte Ausrüstung.

Diese Rüstung ist mehr als eine Wiedergabe von Kleidung. Sie macht Daniels Zugehörigkeit zur adeligen Welt öffentlich sichtbar und ruft zugleich eine ältere Vorstellung in Erinnerung: die des christlichen Ritters, der gesellschaftliche Verantwortung mit religiöser Bindung verbindet. Dass Daniel sogar beim Gebet seinen Helm trägt, wirkt aus heutiger Sicht ungewöhnlich, gehört aber zur bewusst gewählten Selbstdarstellung des Denkmals.

Gefaltete Hände und Rosenkranz – die Bitte um Fürbitte

Mitten auf dem Harnisch treffen sich die gepanzerten Hände. Zwischen ihnen ist ein kurzer Rosenkranz zu erkennen, dessen Perlen in einer Quaste enden. Sie fällt bis in die Zone, in der sich Gürtel und Waffen überschneiden. Die Hände bilden dadurch die optische Mitte des Epitaphs: Das Bild führt den Blick nicht nur auf das Gesicht des Ritters, sondern ebenso auf seine Gebetshaltung.

Im religiösen Verständnis seiner Zeit war das Totengedenken eine fortdauernde Aufgabe der Lebenden. Die Gläubigen sollten für den Verstorbenen beten; die Bildfigur erschien gleichsam selbst dauerhaft in Andacht. Gerade in den Jahrzehnten der Reformation erhielt diese katholisch geprägte Symbolik eine besondere Aussagekraft. Der Rosenkranz verweist daher auf ein Glaubensverständnis, das mit gesellschaftlicher Repräsentation verbunden bleibt.

Die beiden Renaissancepilaster und ihr Blattwerk

Zwei schmale, reliefierte Pfeiler rahmen die Ritterfigur. In ihren Bildfeldern wachsen feine Pflanzenranken senkrecht nach oben, begleitet von Blättern und kleinen Verzweigungen. Flache Kapitelle schließen die Pfeiler ab; darüber spannt sich ein angedeuteter Bogen. Der Aufbau erinnert an ein Renaissanceportal, verbindet dessen Formen jedoch mit eigenständigen, örtlich geprägten Lösungen.

Bei genauerem Hinsehen ist der Steinschnitt keineswegs überall nach den Regeln klassischer Architektur durchgeführt. Gerade diese Spannung zwischen neuer Renaissanceornamentik und älteren handwerklichen Formen macht das Werk interessant. Die beiden eigenen Detailaufnahmen lassen die Ornamente erkennen, die man vor dem hoch angebrachten Denkmal sonst leicht übersieht.

Linker Renaissancepilaster mit PflanzenreliefDie senkrechte Bildleiste dokumentiert Ranken, Blattornamente, das Kapitell und die darunter angeordnete Helmzier eines unteren Ahnenwappens.Eigene Fotografie © The Camino History
Rechter Renaissancepilaster mit PflanzenreliefNahaufnahme der zweiten steinernen Leiste mit flach reliefiertem Blattwerk und der Helmzier des darunterliegenden Ahnenwappens.Eigene Fotografie © The Camino History

Vier Ahnenwappen und die Sprache des Adels

Oben stehen zwei große Helmzierwappen zu beiden Seiten des Inschriftfeldes, unten folgen zwei weitere. Ihre Anordnung bildet eine sogenannte Ahnenprobe: Die vier Familienwappen weisen auf adelige Herkunftsverbindungen hin und unterstreichen den gesellschaftlichen Rang des Dargestellten.

Die kunsthistorische Untersuchung ordnet die obere, vom Betrachter aus linke Seite dem Geschlecht Schilling von Lahnstein und die obere rechte Seite der Familie von der Leyen zu. Unten werden Schönburg auf Wesel und Eltz genannt. Wer die Wappen im Einzelnen liest, muss dabei beachten, dass „heraldisch rechts“ aus der Perspektive des Schildträgers gemeint ist und auf dem Foto links erscheint.

Neben den Schilden sind Helme, Helmdecken und auffällige Zierelemente zu erkennen. Die Wappen waren nicht beiläufiger Schmuck, sondern ein wesentlicher Teil der Botschaft: Sie verknüpften den einzelnen Verstorbenen mit dem Gedächtnis seiner Familien.

Die Sterbeinschrift vom 28. Juli 1541

Die rechteckige Inschriftentafel über dem Kopf des Ritters nennt das Todesjahr und den Namen. In modern lesbarer Wiedergabe lautet der zentrale Text: „Anno Domini 1541, uff den 28. Julii ist gestorben der ehrenvest Daniel Schilling von Lansten, den Gott gnädig sei. Amen.“ Die historischen Schreibungen sind nicht vollständig vereinheitlicht; die genaue Edition folgt der Forschung zu den deutschen Inschriften.

Besonders bemerkenswert ist die Schriftwahl. Obwohl das Epitaph bereits Renaissanceformen zeigt, verwendet die Tafel noch eine gotische Minuskel. Die Schlussbuchstaben G S A sind abgekürzt. Sie werden als Gebetsformel verstanden; eine abweichende Vermutung, sie könnten eine Künstlersignatur sein, hat sich nicht als belastbare Zuschreibung bestätigt.

Sterbeinschrift und die beiden oberen WappenDie Inschriftentafel über der Figur erinnert an den Tod am 28. Juli 1541. Seitlich greifen zwei bekrönte Wappenschilde in das Schriftfeld hinein.Eigene Fotografie © The Camino History
Schriftbild, Wappen und Übergang zum RitterporträtEtwas weiter gefasster Ausschnitt mit der Inschriftentafel, den Helmzieren und dem oberen Teil des behelmten Ritterkopfes.Eigene Fotografie © The Camino History

Tuffstein, Farbreste und Spuren der Veränderung

Das ungefähr 2,40 Meter hohe und 1,10 Meter breite Epitaph besteht aus Tuffstein. Der weiche, gut zu bearbeitende Stein bot günstige Voraussetzungen für plastische Figuren, flache Ornamente und die aufwendigen Wappen. Gleichzeitig reagiert ein solcher Werkstoff empfindlich auf Feuchtigkeit und andere Umwelteinflüsse.

Die heute sichtbare Farbigkeit darf nicht ohne Weiteres mit der ursprünglichen Erscheinung gleichgesetzt werden. Kunsthistorische Beobachtungen weisen auf spätere Farbfassungen und Eingriffe hin, unter anderem an der Schrift. Die untere Hälfte hat Verluste erlitten; beschädigte Oberflächen und Farbreste erzählen damit auch von den Jahrhunderten, in denen das Denkmal gepflegt, überarbeitet oder ungünstigen Bedingungen ausgesetzt war.

Vom ursprünglichen Standort zur Westwand

Wo das Epitaph unmittelbar nach Daniels Tod aufgestellt wurde, ist nicht sicher überliefert. Auch der genaue Ort seiner Bestattung ist unbekannt. Der heutige Platz liegt an der Westwand des Mittelschiffs nahe der Vorhalle, erhöht und in die Wand eingelassen. Hier steht das Denkmal in einer komplexen Nachbarschaft zu älteren Wandmalereien.

Bereits 1835 wurde das Epitaph in der Nähe der Orgel beschrieben; es war damals offenbar schon an seinem heutigen Ort. Möglicherweise hat man es nach Feuchtigkeitsschäden versetzt. Wann dies geschah und ob dabei ältere Malereien überdeckt wurden, lässt sich nicht sicher rekonstruieren. Für die Dokumentation ist wichtig, die heute sichtbare Aufstellung nicht als nachgewiesenen ursprünglichen Grabplatz auszugeben.

Schillings Familie und das verwandte Epitaph in Kottenheim

Seine Ehe mit Margarete von Kottenheim verband Daniel mit einer anderen niederadeligen Familie des Mittelrheins. Die Verbindungen reichten über Andernach hinaus zu kirchlichen Ämtern, Burgen und Stadtverwaltungen in der Region. Der familiäre Erinnerungsraum zeigt sich besonders im Grabmal seines Sohnes Konrad Schilling von Lahnstein († 1539).

Konrads Wandepitaph steht in St. Nikolaus in Kottenheim. Es zeigt ebenfalls einen gerüsteten Beter mit Rosenkranz und Ahnenwappen und erlaubt daher einen aufschlussreichen Vergleich zwischen zwei Generationen. Die Denkmäler gehören nicht zu einem einzigen Bauwerk, führen aber dieselbe Bildsprache von Adel, Familienherkunft und Fürbitte weiter.

Das Kottenheimer Monument wurde im 21. Jahrhundert eingehend restauriert. Seine Restaurierungsgeschichte verdeutlicht, wie gefährdet solche Arbeiten durch Feuchtigkeit, Farbschichten und Materialverluste sein können. Rückschlüsse auf den genauen Restaurierungszustand des Andernacher Epitaphs sind daraus allerdings nicht ohne eigene Untersuchung möglich.

Andacht und Stiftungen – ein wichtiger Quellenunterschied

Daniel und seine Frau traten nicht allein durch öffentliche Ämter hervor. Für das Jahr 1499 ist eine Stiftung von 100 Gulden dokumentiert, die dem religiösen Gedenken und Almosen dienen sollte. Lange wurde sie mit der Andernacher Liebfrauenkirche in Verbindung gebracht.

Die neuere archivalische Auswertung ordnet die Urkunde jedoch dem Augustiner-Chorherrenstift Niederwerth zu. Das ist ein wichtiger Unterschied: Für Schilling sind zwar fromme Stiftungen nachgewiesen, eine konkrete Stiftung an die Andernacher Pfarrkirche darf daraus nicht einfach abgeleitet werden. Über das Testament, das die Familie besaß, sind die einstigen Bestimmungen für sein Begräbnis nicht in ausreichend gesicherter Form erhalten geblieben.

Wer schuf das Grabmal?

Ein verbindlich gesicherter Name des Bildhauers fehlt. Die lokale Renaissancekunst war mit städtischen Werkstätten und auswärtigen Meistern vernetzt. In Andernach ist für die Mitte des 16. Jahrhunderts der Bildhauer Christoph Goldschmied durch andere Aufträge belegt. Deshalb wurde erwogen, ob auch das Epitaph Daniel Schillings aus seinem Umfeld stammen könnte.

Diese Vermutung bleibt ausdrücklich eine Hypothese. Wolfgang Schmid diskutiert die Indizien und kommt nicht zu einer gesicherten Zuschreibung; insbesondere die Deutung der Schlussbuchstaben der Grabinschrift als Künstlerzeichen überzeugt nicht. Für das Epitaph ist deshalb die vorsichtige Angabe „Bildhauer unbekannt, 1540er-Jahre“ angemessen. Seine kunsthistorische Bedeutung hängt nicht davon ab, es um jeden Preis einem bekannten Meister zuzuschreiben.

Renaissance am Rhein – warum dieses Epitaph wichtig ist

Das Denkmal ist ein Zeugnis einer Übergangszeit. Die Architektur und das Blattwerk nehmen Formen der Renaissance auf, während die Schrift noch gotisch geprägt ist. Die gerüstete Standfigur betont weltliche Stellung, die gefalteten Hände zugleich persönliche Frömmigkeit. So entsteht keine einfache Gegenüberstellung von „mittelalterlich“ und „modern“, sondern ein vielschichtiges Bild der Gesellschaft im 16. Jahrhundert.

Für Andernach eröffnet das Grabmal zudem einen seltenen Blick auf die Menschen hinter städtischen Ämtern. Dokumente überliefern Schöffentätigkeit, Verwaltung und Familienbindungen; das Epitaph zeigt, wie dieselbe Person über den Tod hinaus wahrgenommen werden sollte. Zwischen Stadtgeschichte und Sakralkunst verbindet es das individuelle Schicksal Daniels mit der Erinnerungskultur am Mittelrhein.

Das Denkmal heute – ein genauer Blick lohnt sich

Das hoch angebrachte Wandepitaph lässt sich besonders gut von der Westseite des Mittelschiffs aus betrachten. Zunächst wirkt die Ritterfigur wie ein geschlossenes Ganzes. Wer länger hinsieht, entdeckt die einzelnen Metallglieder des Harnischs, den Rosenkranz, die bewegten Pflanzenornamente und die vier Familienwappen. Aus der Entfernung beinahe unscheinbar, erschließt sich die Inschrift erst in den Detailaufnahmen.

Die hier verwendeten fünf eigenen Fotografien dokumentieren das Monument im Ganzen und in mehreren Ausschnitten. Sie machen Einzelheiten sichtbar, die beim normalen Kirchenbesuch schwer zu erkennen sind. Alle fünf Aufnahmen stammen aus dem Archiv von The Camino History und sind individuell beschrieben.

Weitere Dokumentationen

Das Epitaph gehört zur reichen sakralen Ausstattung des Mariendoms. Diese Seiten führen zu verwandten Denkmälern und zur Geschichte des Ortes.

Standort im Mariendom und Karte

Das Wandepitaph befindet sich im Inneren der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, an der Westwand des Mittelschiffs nahe der Vorhalle. Die nachfolgende Karte zeigt den Standort der Kirche in Andernach – nicht einen gesonderten GPS-Punkt innerhalb des Gebäudes.

Kartenquelle: The Camino History / uMap · Karte groß öffnen ↗

Quellen, Literatur und Bildnachweise

Die historischen Angaben stützen sich insbesondere auf Wolfgang Schmids ausführliche kunsthistorische und archivalische Untersuchung. Wo frühere Angaben – etwa zur Gründung einer Hansestadt, zur genauen Bestattung oder zur Werkstattzuschreibung – nicht tragfähig sind, ist dies im Text ausdrücklich unterschieden.

  1. Wolfgang Schmid: Das Epitaph für Daniel Schilling von Lahnstein († 1541). In: Kai Seebert (Hrsg.): 800 Jahre Mariendom zu Andernach am Rhein, Andernacher Beiträge 35 (2020), S. 167–212. Vollständiger Aufsatz (PDF).
  2. Dehio DE: Andernach, kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt – Ausstattung mit Bildnisgrabstein Daniel Schillings.
  3. Rheinland-Pfälzische Bibliographie (LBZ): Das Epitaph für Daniel Schilling von Lahnstein, Wolfgang Schmid, 2020.
  4. Ortsgemeinde Kottenheim: Restaurierung des Junker-Schilling-Epitaphs von Konrad Schilling in St. Nikolaus.
  5. Claudius Engelhardt: Daniel Schilling von Lahnstein, Andernach und das Märchen von der Hanse. In: Heimatbuch Landkreis Mayen-Koblenz 2026, S. 40–42 (Bibliographischer Nachweis).
  6. The Camino History: Mariä Himmelfahrt in Andernach – Kirche, Geschichte und Kunstwerke.

Bildnachweise: Die fünf in dieser Dokumentation verwendeten Fotografien sind eigene Aufnahmen von The Camino History. Sie zeigen die Gesamtansicht, Inschrift, Wappen und die beiden Renaissancepilaster. © The Camino History.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert