Die Domschatzkammer
des Trierer Doms
Über 1.500 Jahre Kunst, Glauben und Geschichte – von der spätantiken Reliquienprozession über die Goldschmiedekunst der Egbert-Zeit bis zu mittelalterlichen Handschriften und barocken Kirchenschätzen.
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Ein Ort, an dem Geschichte greifbar wird
Über dem Kreuzgang des Trierer Doms, im sogenannten Badischen Bau, liegt eine Schatzkammer von außergewöhnlicher historischer Dichte. Hier begegnen sich die religiöse Welt der Spätantike, die Kunst der ottonischen Kaiserzeit, das mittelalterliche Pilgerwesen und das liturgische Leben späterer Jahrhunderte. Der Trierer Domschatz ist keine zufällig gewachsene Sammlung kostbarer Gegenstände: Viele seiner Objekte wurden eigens für die Feier des Gottesdienstes, die Aufbewahrung von Reliquien und die öffentliche Verehrung geschaffen.
Gold, Silber, kostbare Steine, Email, Elfenbein, Bronze, Pergament und Textilien erzählen vom Rang der Trierer Bischofskirche. Zugleich sind die erhaltenen Werke Zeugen von Verlusten: Was heute zu sehen ist, stellt nur einen Teil des einst weitaus umfangreicheren Bestands dar.
Im Trierer Domschatz stehen nicht allein einzelne Meisterwerke im Mittelpunkt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Kunsthandwerk, Liturgie, Schriftkultur und Pilgergeschichte – von der Reliquienprozession des 5. Jahrhunderts bis zu den liturgischen Geräten des Historismus.
Vom Heiligtum zum Domschatz
Trier wird zu einem der bedeutenden kirchlichen Zentren nördlich der Alpen. Die spätere Überlieferung verbindet die Anfänge des Domschatzes mit der heiligen Helena und Bischof Agritius.
Unter Erzbischof Egbert gewinnt Trier internationale Bedeutung als Zentrum der Goldschmiedekunst und Buchproduktion. In dieser Epoche entstehen der Andreas-Tragaltar und die kostbare Hülle des Heiligen Nagels.
Für die sichere Verwahrung der Reliquiare entsteht an der Nordseite des Chors ein Schatzhaus. Inventare dokumentieren später die Bestände und ihren hohen Wert.
Über dem Kreuzgang wird der Badische Bau errichtet. In einem ehemaligen Archivraum dieses Gebäudes befindet sich die Schatzkammer noch heute.
Die große Nachfrage nach Reliquienschauen führt zeitweise zu öffentlichen Präsentationen von einer Tribüne am Westchor des Doms auf den Domfreihof.
Während der Revolutionskriege werden große Mengen Edelmetall aus dem Domschatz eingeschmolzen; überliefert sind 399 Kilogramm. Viele unwiederbringliche Kunstwerke gehen verloren.
Der Bestand wird durch Erwerbungen, Schenkungen und übernommene Werke ergänzt. Seit 2015 liegt die wissenschaftliche Betreuung beim Museum am Dom; Inventarisierung und konservatorische Sicherung gehören zu den zentralen Aufgaben.
Die geschichtliche Tradition der Helena-Schenkungen ist für das Selbstverständnis der Trierer Kirche bedeutend. Historisch gesichert sind allerdings nicht alle Einzelheiten dieser Erzählung. Die Unterscheidung zwischen Glaubensüberlieferung und nachweisbarer Objektgeschichte macht den Blick auf die Schätze besonders aufschlussreich.
Reliquien, Reliquiare und Pilger
Reliquien sind nach christlichem Verständnis sterbliche Überreste von Heiligen oder Gegenstände, die mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Ein Reliquiar ist das Behältnis, das eine solche Reliquie schützt und würdig präsentiert. Die Form konnte auf den Inhalt verweisen: ein Armreliquiar beispielsweise auf eine Reliquie, die mit dem Arm eines Heiligen verbunden wurde. Solche Darstellungen werden als sprechende Reliquiare bezeichnet.
Im Mittelalter wurden Reliquien auf Altäre gelegt, bei Prozessionen mitgeführt, bei besonderen Anlässen öffentlich gezeigt und als Zeichen für die historische Würde einer Kirche verstanden. Für die Gläubigen waren sie Anknüpfungspunkte der Fürbitte, des Gebets und der Begegnung mit dem Heiligen. Für Bischöfe und Landesherren konnten sie zugleich einen politischen und repräsentativen Rang unterstreichen.
Material als Botschaft
Gold und Edelsteine waren mehr als kostbarer Schmuck. Ihre Lichtwirkung sollte die Heiligkeit der bewahrten Reliquien sichtbar machen. Email und Filigran zeugen von großer technischer Meisterschaft.
Die Wallfahrtsstadt Trier
Die Reliquienzeigungen verbanden den Dom mit Pilgerbewegungen über die Region hinaus. Die Sakralobjekte wurden so zu einem Teil der religiösen und städtischen Geschichte Triers.
Die herausragenden Werke des Domschatzes
Einige Objekte sind wegen ihrer Gestaltung, ihrer Überlieferung oder ihrer kunsthistorischen Stellung überregional bekannt. Sie verdienen einen genaueren Blick: auf das, was sie bewahren, und auf die handwerklichen Entscheidungen, die ihre Wirkung bestimmen.
Der Andreas-Tragaltar – der Egbert-Schrein
Der Andreas-Tragaltar gehört zu den bedeutendsten Werken der Kunst des 10. Jahrhunderts. Er wurde in der Regierungszeit des Trierer Erzbischofs Egbert geschaffen und vereint gleich zwei Funktionen: Er diente als Reliquiar und zugleich als transportabler Altar. Das erklärt seinen reichen Schmuck ebenso wie seine praktische Konstruktion.
Auf dem rechteckigen, mit wertvollen Materialien verzierten Kasten befindet sich ein plastisch ausgearbeiteter Fuß. Seine Sandalenriemen verweisen unmittelbar auf die im Inneren verehrte Sandalensohle des Apostels Andreas. Die kostbaren Emailarbeiten, Elfenbeinplatten, Edelsteine und Perlen sind Teil eines durchdachten Bild- und Materialprogramms. An einer Stirnseite erscheint sogar eine antike Goldmünze Kaiser Justinians I.
Die bewegliche Konstruktion erlaubte es, das Heiligtum mitzuführen und einzelne Reliquien zu zeigen. Damit steht der Tragaltar beispielhaft für die enge Verbindung zwischen theologischer Aussage, handwerklichem Können und öffentlicher Glaubenspraxis.
Vertiefung: Trierer Dom – Andreas-Tragaltar.
Die Hülle des Heiligen Nagels
Ein weiteres Hauptwerk der Egbert-Zeit ist die prachtvolle Hülle des sogenannten Heiligen Nagels. Nach kirchlicher Überlieferung handelt es sich bei der bewahrten Reliquie um einen Nagel vom Kreuz Christi, den die heilige Helena nach Trier gebracht haben soll. Diese Herkunft ist Teil der religiösen Tradition, nicht als archäologisch gesicherte Provenienz zu verstehen.
Der Goldschmied gestaltete den Behälter in der Form eines Nagels. Sein sich verjüngender Schaft und der aufklappbare Kopf sind mit Edelsteinen und Email versehen. Die äußere Gestalt benennt damit den unsichtbar geschützten Inhalt: Das Reliquiar „spricht“ durch seine Form.
Die Hülle war eng mit dem Andreas-Tragaltar verbunden. Im Mittelalter konnte der Heilige Nagel bei Prozessionen, Heiltumsweisungen und besonderen Rechtsakten Bedeutung gewinnen. Gerade an diesem Objekt lässt sich zeigen, wie stark Frömmigkeit und Herrschaftsrepräsentation ineinandergriffen.
Vertiefung: Trierer Dom – Heiliger Nagel.
Das Gozbert-Rauchfass
Das Gozbert-Rauchfass gehört zu den eindrucksvollsten romanischen Bronzearbeiten des Rheinlands. Obwohl es nur gut zwanzig Zentimeter hoch ist, entwirft sein Aufbau ein ganzes Bild der Heilsgeschichte. Das Gefäß ist wie ein Kirchenbau gestaltet: mit einem kreuzförmigen Grundriss, vier Apsiden, Türmchen, Dächern und Figuren.
Zu den dargestellten Gestalten zählen Mose, Aaron, Jesaja und Jeremia. Sie verweisen auf die alttestamentliche Verheißung, die im christlichen Verständnis in Christus ihre Erfüllung findet. Die architektonische Form ist daher nicht bloß Dekoration, sondern selbst Teil der Botschaft.
Beim Gottesdienst wurde Weihrauch auf glühende Kohle gelegt. Durch das Schwenken des an Ketten hängenden Gefäßes trat der Duft durch Öffnungen aus. Aus der Verbindung von Rauch, Bewegung, Licht und kunstvoller Figurensprache entstand ein sinnlich erfahrbares liturgisches Zeichen.
Vertiefung: Trierer Dom – Gozbert-Rauchfass.
Die Elfenbeintafel mit Reliquienprozession
Diese spätantike Reliefplatte zählt zu den kunsthistorisch wichtigsten Werken des Trierer Domschatzes. Sie zeigt eine festliche Überführung von Reliquien: Geistliche transportieren einen Schrein auf einem Wagen, vor dem Kerzenträger heranschreiten. Am Zielort empfängt eine weibliche Herrscherfigur den Zug; Menschen beobachten das Geschehen aus den Fenstern.
Die präzise Schilderung von Gewändern, Architektur und Prozessionsordnung macht die Tafel zu einem seltenen Bildzeugnis des spätantiken Zeremoniells. Sie ist damit zugleich Kunstwerk und historische Quelle für religiöse Öffentlichkeit.
Obwohl Motive gelegentlich mit Trier und Helena verbunden wurden, gilt eine unmittelbare Darstellung Trierer Ereignisse als unwahrscheinlich. Die Elfenbeintafel gelangte erst im 19. Jahrhundert in den Domschatz. Die Datierung und die genaue Einordnung sind Gegenstand kunsthistorischer Forschung.
Das Relief veranschaulicht bereits in der Spätantike die öffentliche Bedeutung von Reliquien. Jahrhunderte später wird genau diese Verehrung zu einem bestimmenden Thema der Trierer Schatzkunst.
Vertiefung: Trierer Dom – Reliquienprozession.
Kostbare Behältnisse des Glaubens
Neben den berühmten ottonischen Meisterwerken umfasst der Domschatz eine große Vielfalt von Reliquiaren späterer Jahrhunderte. Ihre Gestaltung reicht vom kleinen tragbaren Behälter bis zum figürlichen Armreliquiar. Die nachfolgenden Werkgruppen zeigen, wie sich Formen und Materialien im Laufe der Zeit veränderten.
Reliquiar mit Bezug zu den Ketten des heiligen Petrus
Die Ketten des Apostels Petrus besitzen in der christlichen Tradition eine besondere Bedeutung: Sie erinnern an die Gefangenschaft des Apostels und seine Befreiung. Im Trierer Schatzbestand ist der Bezug zu Petrus zudem eng mit der historischen Stellung des Doms als Bischofskirche und den Überlieferungen zu seinen frühen Reliquien verbunden.
Ein Reliquiar aus dieser Werkgruppe macht die Verehrung des Apostels durch seine kostbare Fassung sichtbar. Die Fotografien zeigen mehrere Ansichten und ermöglichen es, Schmuckelemente, Proportionen und den Aufbau des Behältnisses zu vergleichen.
Anna-Reliquiare: Form und Funktion
Das Trag- oder Prozessionsreliquiar der heiligen Anna
Ein dem 14. Jahrhundert zugeordnetes Anna-Tragreliquiar steht für die religiöse Praxis, Reliquien an geeigneten Orten zu zeigen oder mitzuführen. Der mobile Charakter solcher Objekte war für Prozessionen, besondere Festtage und die Verehrung durch Pilger von Bedeutung.
Das Armreliquiar der heiligen Anna
Ein Armreliquiar nimmt die Gestalt eines Arms an – ein markantes Beispiel für die „sprechende“ Formgebung der Reliquienkunst. Das Trierer Exemplar wird der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zugeordnet; spätere Ergänzungen aus dem 19. Jahrhundert verweisen auf die lange Geschichte von Pflege, Reparatur und erneuter Präsentation sakraler Objekte.
Kreuzreliquiar und Reliquienostensorium
Kreuzreliquiar von Peter Beutner, Koblenz, um 1700
Kreuzreliquiare verweisen auf die Passionsgeschichte Christi. Ihre kostbare äußere Gestaltung umgibt die verehrten Partikel mit einem deutenden Bildzeichen. Das um 1700 entstandene, Peter Beutner aus Koblenz zugeschriebene Kreuzreliquiar gehört in eine Epoche, in der die barocke Goldschmiedekunst religiöse Themen mit besonders reicher Formgebung umsetzte.
Reliquienostensorium aus dem Rheinland, Mitte des 14. Jahrhunderts
Ein Ostensorium ist ein Schaugefäß: Es setzt seinen kostbaren Inhalt bewusst dem Blick der Gläubigen aus. Im Unterschied zum dauerhaft geschlossenen Behälter wird die sichtbare Präsentation selbst zum Gestaltungsgedanken. Das gezeigte rheinische Reliquienostensorium wird in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert.
Simeon von Trier – die Mütze und ihre Hülle
Der heilige Simeon führte ein ungewöhnlich bewegtes Leben. Nach Aufenthalten im östlichen Mittelmeerraum und im Heiligen Land kam er nach Trier, wo er als Einsiedler in der Porta Nigra lebte. Er starb 1035. Seine Verehrung verbindet damit die Geschichte der Stadt mit weitreichenden geistlichen Netzwerken.
Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen im Domschatz gehört seine schlichte Mütze. Gerade ihre unprätentiöse Materialität bildet einen Gegenpol zu Gold und Edelsteinen vieler Reliquiare. Die kostbare Schutzhülle, um 1400, zeigt wiederum, wie sehr auch ein bescheidener persönlicher Gegenstand über die Jahrhunderte verehrt und bewahrt werden konnte.
Handschriften und kostbare Bucheinbände
Der Trierer Domschatz ist auch ein Ort der Buchgeschichte. Mittelalterliche Handschriften waren aufwändig hergestellte Einzelstücke. Das Pergament musste vorbereitet, der Text von Hand kopiert und mit Initialen, Bildern oder dekorativen Buchstaben ausgestattet werden. Prunkvolle Einbände aus Edelmetall, Elfenbein und Edelsteinen konnten die Bedeutung des Buches in der Liturgie sichtbar machen.
Ein Buch als Kunstwerk
Schrift, Malerei, Metall und Einband bildeten oft eine gestalterische Einheit. Die Kostbarkeit des Buches unterstrich die besondere Würde seines religiösen Inhalts.
Ein Buch als Gedächtnis
Handschriften geben Auskunft über Schreibschulen, Liturgie, Bildung und den kulturellen Austausch zwischen Klöstern und Kathedralkirchen.
Das Thomas-Evangeliar
Das Thomas-Evangeliar gehört zu den bedeutenden frühen Handschriften, die mit dem Trierer Domschatz verbunden sind. Nach dem Handschriftencensus Rheinland-Pfalz entstand es vermutlich im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts im Raum Trier oder Echternach. Bemerkenswert sind seine insular und merowingisch geprägten Schriftformen sowie die Bildausstattung mit Evangelisten, Kanontafeln und dekorativen Initialen.
Der Name bezieht sich auf einen Schreibervermerk und die Überlieferung der Handschrift – nicht auf ein eigenständiges apokryphes „Evangelium des Thomas“. Das Evangeliar enthält vielmehr biblische Evangelientexte.
Handschriftenbeschreibung: Handschriftencensus Rheinland-Pfalz – Thomas-Evangeliar.
Der Simeonskodex
Der Simeonskodex ist ein griechisches Lektionar, also ein Buch mit ausgewählten biblischen Lesungen für den Gottesdienst. Die Handschrift und der aufwändige Elfenbeinschmuck ihres Einbands veranschaulichen, wie sich die Geschichte eines Buches über verschiedene Jahrhunderte erstrecken kann. Die Handschrift wird in der Literatur unterschiedlich datiert; auch ihr Einband hat eine eigene Entstehungsgeschichte.
Die griechische Schrift führt über den westlichen lateinischen Kulturraum hinaus. In Verbindung mit Simeon von Trier erinnert sie an den regen Austausch zwischen christlichen Regionen des Mittelmeerraums und Mitteleuropas.
Das Evangeliar aus Helmarshausen
Das Kloster Helmarshausen war ein wichtiges Zentrum romanischer Buch- und Goldschmiedekunst. Ein Evangeliar aus dieser Tradition gehört zu den berühmten Handschriftenschätzen des Trierer Doms. Besonders der prächtige Buchdeckel mit Evangelistensymbolen, Metallreliefs, Edelsteinen und Email verweist auf das hohe Können der Werkstätten.
Die vier traditionellen Evangelistensymbole – Mensch beziehungsweise Engel, Löwe, Stier und Adler – stellen eine Verbindung zwischen geschriebenem Evangelium und bildlicher Verkündigung her. Im Schmuck eines kostbaren Einbands verschmelzen Schriftkultur und liturgische Repräsentation.
Werkvergleich: Deutsche Digitale Bibliothek – Buchdeckel aus Helmarshausen.
St. Godehard, Elfenbein und Buchdeckel
Evangeliar aus St. Godehard in Hildesheim
Das aus dem Umfeld von St. Godehard in Hildesheim stammende Evangeliar aus der Zeit um 1170 belegt die weitreichenden Beziehungen mittelalterlicher kirchlicher Sammlungen. Der Einband veranschaulicht, wie aufwändige Hüllen ein liturgisches Buch schützten und zugleich seine religiöse Bedeutung hervorhoben.
Buchdeckel und Elfenbeinarbeiten
Einzeln überlieferte Buchdeckel können eigene kunsthistorische Zeugnisse sein. In der Sammlung befinden sich fotografierte Einbände aus der Zeit um 1170 sowie Buchdeckel mit Elfenbeinplatten und einer Darstellung der Verkündigung, die dem frühen 12. Jahrhundert zugeordnet sind.
Der Elfenbeinkamm
Ein als Elfenbeinkamm des 7. Jahrhunderts bezeichnetes Objekt erinnert daran, dass die Schatzsammlung nicht nur Metallarbeiten und Bücher umfasst. Elfenbein war in der Spätantike und im frühen Mittelalter ein begehrtes Material für filigrane Kleinobjekte.
Bischofsstäbe und ihre Krümmen
Der Bischofsstab ist ein wichtiges Insigne des geistlichen Amtes. Er verweist auf das Bild des Bischofs als Hirten, dessen Aufgabe es ist, seine Gemeinde zu führen und zu schützen. Die gebogene Spitze des Stabs – die Krümme – wurde über Jahrhunderte zu einem eigenständigen Kunstwerk.
Ein herausragendes Trierer Beispiel ist die 28 Zentimeter lange, vergoldete Kupferkrümme mit Limoges-Email, die 1851 im Grab des Erzbischofs Heinrich von Finstingen (Amtszeit 1260–1286) gefunden wurde. Ihre Form endet in einem Drachenkopf; Ornamente, geflügelte Gestalten und farbige Emailflächen bilden eine vielschichtige Symbolsprache. Die Krümme gehört zu jener Kunsttradition, für die die französische Stadt Limoges im 12. und 13. Jahrhundert besonders bekannt war.
Die fotografierte Sammlung zeigt mehrere Krümmen aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie erlauben einen Vergleich von Material, Form und Schmuck – und verdeutlichen, wie sich das Amtszeichen über die Jahrhunderte wandelte.
Vertiefung: Trierer Dom – Krümme eines Bischofsstabs.
Monstranzen, Bildwerke und liturgische Geräte
Nicht jeder wertvolle Gegenstand in einer Domschatzkammer ist ein Reliquiar. Auch Gerätschaften für den Gottesdienst, bildliche Andachtsobjekte und später entstandene Stiftungen bilden einen wichtigen Teil der Sammlung. Sie zeigen, wie wechselnde Kunststile religiöse Aufgaben immer wieder neu gestalteten.
Die Monstranz
Eine Monstranz ist ein liturgisches Schaugefäß, in dem die konsekrierte Hostie zur Verehrung sichtbar präsentiert wird. Licht und Strahlenformen können dabei die eucharistische Bedeutung betonen. Die Aufnahmen lassen ihre reiche Gestaltung aus verschiedenen Blickwinkeln erkennen.
Agnus Dei – das Lamm Gottes
Das Bild des Agnus Dei, des Lammes Gottes, verweist auf Christus und sein Opfer. In der Sakralkunst kann dieses Motiv auf liturgischen Gegenständen, Bildwerken und Zeichen der Frömmigkeit erscheinen.
Ein Andreas-Triptychon von 1605
Ein als Andreas-Triptychon beziehungsweise Andreasfigur von 1605 bezeichneter Werkkomplex verweist erneut auf den Apostel Andreas. Im Unterschied zum ottonischen Andreas-Tragaltar gehört dieses Bildwerk in die Kunst der frühen Neuzeit. Die wiederkehrende Andreasverehrung macht Kontinuitäten über viele Jahrhunderte hinweg sichtbar.
Die Kongregationsmadonna, 1725–1740
Die als Kongregationsmadonna bezeichnete Darstellung aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts gehört in die barocke Frömmigkeitswelt. Die Marienverehrung war ein prägendes Thema religiöser Vereinigungen und Bruderschaften. Die Fotos ermöglichen einen Blick auf die plastische Gestaltung des Werkes.
Weitere Eindrücke aus der Schatzkammer
Die Nähe zu einem Kunstwerk macht oft Details sichtbar, die im Überblick leicht übersehen werden: Oberflächen, Übergänge zwischen Materialien, die Wirkung von Vergoldung oder fein gearbeiteten Ornamenten. Weitere Aufnahmen aus der Sammlung ergänzen deshalb die einzelnen Werkbeschreibungen.
Die Domschatzkammer vor Ort erleben
Wo liegt die Schatzkammer?
Hohe Domkirche St. Peter, Trier
Zugang durch das südliche Seitenschiff des Trierer Doms, anschließend über eine Treppe in den Badischen Bau.
Die Ausstellung liegt innerhalb des Dombereichs und ist vom Domfreihof aus erreichbar.
Öffnungszeiten & Eintritt
Die Öffnungszeiten können je nach Saison, Gottesdiensten und Veranstaltungen variieren. Für die Planung sind die aktuellen Angaben der Dom-Information maßgeblich.
Die Schatzkammer liegt im Obergeschoss und ist über Treppen erreichbar. Nach den Informationen der kirchlichen Museen ist sie nicht barrierefrei zugänglich. Auch die Präsentation einzelner Objekte kann sich aus konservatorischen Gründen ändern.
Führungen und vertiefende Einblicke
Die Dom-Information Trier bietet thematische Führungen durch die Schatzkammer an. Sie erschließen die Geschichte der Gegenstände, die Techniken der Herstellung und ihre Funktion in der Liturgie. Für Gruppen empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung.
Häufige Fragen zur Domschatzkammer
Ist die Domschatzkammer ein eigenständiges Museum?
Sie ist die Schatzkammer der Hohen Domkirche Trier und befindet sich im Badischen Bau oberhalb des Kreuzgangs. Die wissenschaftliche Betreuung erfolgt seit 2015 durch das Museum am Dom Trier.
Kann man den Heiligen Rock dort sehen?
Nein, der Heilige Rock gehört zwar zu den berühmtesten Trierer Heiligtümern, wird aber nicht als reguläres Ausstellungsstück in der Domschatzkammer gezeigt. Er wird im Zusammenhang mit dem Trierer Dom und seinen besonderen Wallfahrten verehrt.
Was ist der Unterschied zwischen Reliquie und Reliquiar?
Die Reliquie ist der verehrte Überrest oder Gegenstand mit Heiligenbezug; das Reliquiar ist das Behältnis, das sie bewahrt und häufig kunstvoll präsentiert.
Warum werden manche Kunstwerke als „sprechend“ bezeichnet?
Ihre Form zeigt symbolisch den verehrten Inhalt an, etwa ein Arm, ein Fuß oder ein Nagel. Das Objekt gibt damit auch ohne Beschriftung einen Hinweis auf die Reliquie.
Kann man alle Handschriften dauerhaft sehen?
Die Ausstellung kostbarer Handschriften kann aus konservatorischen Gründen wechseln. Empfindliche Seiten müssen insbesondere vor zu viel Licht geschützt werden.
Quellen und vertiefende Literatur
Die kunsthistorische Einordnung orientiert sich vor allem an den Veröffentlichungen der Hohen Domkirche Trier, des Museums am Dom und fachlichen Bestandsbeschreibungen.
Mit freundlicher Genehmigung der Hohen Domkirche Trier.
